OK Go-Tanzband, rette die Welt!

OK Go aus Chicago haben mit ihrem Laufband-Tanzvideo nicht nur die Herzen der YouTube-Seher erobert, sondern auch gerade einen Grammy gewonnen. Mit dem Bassisten der Band, Tim Nordwind (der mit den großen Brille), sprach daniel-erk über Zufall und Absicht, Choreographien und Musikvideos, YouTube und Remixe.
daniel-erk

Glückwunsch, ihr habt gerade einen Grammy für das Video zu „Here It Goes Again“, in dem ihr auf Laufbändern tanzt, gewonnen. Spätestens jetzt kennt euch alle Welt als „Tanzband“. War das so gewollt? Tim Nordwind: Äh, nein. Wir sind da mehr oder weniger reingestolpert. Angefangen hat das alles in einer Fernsehrevueshow in Chicago namens „Chic-a-go-go“, in der wir aufgetreten sind. Die Sendung hatte kein Budget, man konnte also nur playback spielen. Ein paar befreundete Bands hatten sich schon den Spaß gemacht, mit Besen statt Gitarren auf die Bühne zu gehen. Wir wollten was anders machen – und haben uns einen Boybandauftritt zurechtgelegt. Und daher kam die Idee mit der Choreographie ursprünglich. Weil das gut ankam, haben wir das in unsere Liveshows eingebaut. Und weil das auch gut ankam, habt ihr dann einfach auch eure Videos zusammengetanzt? Nein, das war eigentlich keine Absicht. Das erste Tanzvideo zu „A Million Ways“, das bei Damien im Garten aufgenommen wurde, war gar nicht zur Veröffentlichung gedacht. Wir hatten damals wieder eine kleine Choreographie für den Abschluss unsere Auftritte eingeprobt und als wir es konnten, wollten wir selbst sehen, wie das so aussieht. Da wir aber keine Spiegel hatten, haben wir es mit einer Videokamera aufgenommen. Und da sah einfach sehr lustig aus, also haben wir das auf das Lied geschnitten und eigentlich nur für unsere Freunde ins Internet gestellt, damit die sehen konnte, was wir vorhatten. Und alle fanden es super – das Lied, aber auch das Video. Dabei hatte das Label schon eine andere Single ausgesucht und ein Video mit größerem Budget geplant. Aber nach 1 ½ Monaten hatten schon Hunderttausend das Video gesehen. Dann wurden die Medien aufmerksam und der Rummel um das Tanzen ging richtig los.

Und da dachtet ihr: Spitzenklasse! Da machen wir noch mal ein Tanzvideo! Ehrlich gesagt: Wir waren uns nicht ganz sicher, ob das eine gute Idee ist. Wir wollten eigentlich nicht unbedingt als „diese Tanzband“ gelten ... na ja, mittlerweile sind wir für alle „diese Tanzband“, jedenfalls: Damals hatten wir einfach Bock das zu machen. Wir haben dem Management nicht Bescheid gesagt, nicht dem Label, niemand. Wir haben Damiens Schwester Trish, die schon die Choreographie für die Shows und das erste Video gemacht hatte. Und sie hatte die Idee mit den Laufbändern. Wir mochten das – und haben es ausprobiert, hatte aber immer noch bedenken, was das Tanzband-Image angeht und haben es erstmal nicht veröffentlicht. Nach einem Jahr, als wir eigentlich drauf und dran waren, ein drittes Album vorzubereiten, haben wir es dann doch auf YouTube gestellt. Vor einem knappen Jahr, als YouTube gerade richtig groß wurde... Ja, das war auf jeden Fall der perfekte Zeitpunkt. Wir hatten das so nicht vorausgesehen, aber über diesen Weg hat das Video noch mal richtig Aufmerksamkeit auf die Band gelenkt. Wir hatten ziemlich schnell 2 Millionen, die „Here It Goes Again“ gesehen haben. Das war einfach die richtige Idee am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt.

Wo ihr schon als "Tanzband" geltet und eure Fans eure Choreographien einstudieren, könntet ihr eure Lieder doch auch remixen lassen und OK Go in die Clubs bringen. Das ist derzeit ja recht angesagt. Das ist tatsächlich auch geplant! Gerade ist so ein Brite namens „The Nightcrawlers“ am mixen und wir versuchen schon seit längerem Daft Punk für uns zu gewinnen. Bis zu deren Management sind wir vorgestoßen und immerhin haben die durchblicken lassen, dass Daft Punk unsere Musik mögen. Das würde perfekt passen. Die haben nämlich auch super Tanzvideos! Dass sich die Musik von OK Go nicht nur den Hüftschwung, sondern auch die Fahrkünste auf Vordermann bringen, lässt sich übrigens anhand eines netten, kleinen Autorennenspiels rund um die - just entführte - Band nachvollziehen. Pflicht für Praktikanten, für Diplomarbeitschreibende - auf eigene Gefahr.

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