Pakt gegen Raubkopierer

Das Label Universal Music und der Internetanbieter Virgin Media haben sich gegen Onlinepiraterie verbündet. Eine monatliche Flatrate soll unbegrenzten Zugriff auf Musikdateien gewähren
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Das Plattenlabel Universal Music und der britische Internetanbieter Virgin Media machen im Kampf gegen Onlinepiraterie ab sofort gemeinsame Sache. Es ist das erste Mal, dass eine Plattenfirma mit einem Provider kooperiert. Geplant ist ein bisher einmaliges Angebot: Gegen eine monatliche Gebühr gewährt Virgin seinen Kunden unbegrenzten Zugang zur Musik von Universal. Damit steht dem Kunden des Anbieters das Musikarchiv des Labels zur freien Verfügung und er kann nach Belieben Mp3-Dateien herunterladen - ein klarer Vorteil gegenüber konkurrierenden Services wie iTunes.

Worauf sich die Pauschale belaufen wird, ist noch unklar. Wer nur gelegentlich Musik herunterladen möchte, soll aber auch ein günstigeres Einstiegsangebot mit einer begrenzten Zahl an Downloads in Anspruch nehmen können. Die Musikdateien sollen auf jedem CD- und Mp3-Player abspielbar sein und dürfen nach dem Download auch behalten werden, wenn man sein Abo kündigt. Ein Wasserzeichen schützt sie vor unerlaubter Weitergabe. Das Projekt soll noch vor Ende des Jahres an den Start gehen, ist zunächst aber auf Großbritannien beschränkt. Teil des Deals ist auch, dass Virgin das Download-Verhalten seiner Kunden noch besser im Blick behalten und aktiv gegen Musikpiraterie vorgehen will. Hartnäckigen Raubkopierern soll daher bei wiederholten Verstößen der Internetzugang vorübergehend gesperrt werden, von einer bis zu fünfmonatigen Dauer ist die Rede. Neil Berkett, Geschäftsführer von Virgin Media, ist von der Überlegenheit des neuen Dienstes überzeugt: „Unser Service gewährleistet einen fairen Deal zwischen Verbrauchern und Künstlern.“ Um Musikpiraterie großflächig zu bekämpfen, muss jedoch ein Zusammenschluss aller großen Labels stattfinden. Zwar ist Universal Music das größte Major-Label weltweit und vereint selbst eine Reihe von Plattenfirmen unter seinem Dach (Motown Records, Interscope Records oder die Verve Music Group), die großen Namen der Musikszene veröffentlichen ihre Tracks bei den Amerikanern. Viele User können mit der Flatrate also ihren Musikkonsum weitestgehend abdecken. Trotzdem bleiben noch genug Künstler mit anderen Veträgen und damit die Gefahr, dass solche Musikdateien weiterhin illegal beschafft werden. Virgin plant deshalb, auch die Musikkataloge anderer Plattenfirmen in das Programm zu involvieren und steht dazu angeblich mit weiteren Major-Labels in Verhandlung. Ziel sollte darüber hinaus sein, dass sich auch andere Internetdienstleister mit den Plattenfirmen zusammenschließen, damit ein breites Netzwerk entsteht, das die Musikflatrate unterstützt und sie für Raubkopierer zu einer achtenswerten Alternative macht. Dazu gehört, dass auch die Nutzer dieser Anbieter bei illegaler Verbreitung sanktioniert werden. Doch wie man in das Nutzungsverhalten seiner Bezieher eingreifen will, ohne in die Privatsphäre einzudringen, ist selbst bei Virgin noch unklar.

Text: petra-ebenschwanger - Foto: dpa

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