Party like it’s not a party

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Ganz schön lange her, dass ich das letzte Mal bewusst auf eine Guns N' Roses-Fete wollte. Meine Eltern haben damals nur müde über meinen Ausgehwunsch gelächelt, ich konnte ihnen das nicht mal übel nehmen. Ich war gerade elf geworden und hatte schon mit so was gerechnet. Letzten Freitag und damit gut fünfzehn Jahre später, musste ich selbst ein bisschen grinsen, als es wieder soweit war: eine Guns N' Roses-Fete. Diesmal hatte keiner was dagegen, dass ich da hingehe, im Gegenteil. Die Plattenfirma von Axl Rose & Co. hatte mit zahlreichen Einladungen per Mail um zahlreiches Erscheinen gebettelt. Angekündigt war eine ordentliche Sause zur nicht mehr für möglich gehaltenen Veröffentlichung des neuen Albums „Chinese Democracy“. Auf dem Berliner Gelände von West Coast Customs Europe, also der deutschen Ausgabe der protzigen „Pimp My Ride“-Werkstatt in Kalifornien, sollte als kleines Schmankerl der XXL-Party-Bus von Bloodhound-Gang-Bassist Evil Jared Hasselhoff bereit gestellt werden. Den hatte man vorher kräftig aufgepuschelt, um Sitzmöglichkeiten für die Gäste zu schaffen. Und um Mitternacht, zum offiziellen Release-Termin von „Chinese Democracy“, könne man die Platte dann auch kaufen, hieß es. Angekommen in der riesigen Halle, in deren Mitte ein giftgrüner Flitzer mit blitzenden Reifen stand, um den Fans der ehemaligen Hard-Rock-Stars sowie eine Menge Journalisten standen und von Blondinen mit teurem Bier versorgt wurden, hatte ich schon keine Lust mehr auf eine Guns-N'-Roses-Fete. Hier roch, klang und sah nichts, aber auch gar nichts nach einem historischen Comeback meiner früheren Helden aus. Zwar wurden im Hintergrund die alten Gunners-Kracher „Sweet Child ’o Mine“, „Don’t Cry“ und „November Rain“ rauf und runter gespielt - aber was genau hatte denn nun dieser Ort, dieses Auto-Proll-Paradies, mit der Band an sich zu tun? Nachdem Evil Jared mit seinem Bus einmal raus auf den Hof und wieder rein gefahren war, fragte ich ihn. „Na ja, meine Plattenfirma ist ja auch die von Guns n' Roses. Ich wurde von denen gefragt, ob ich nicht meinen Bus für die Feier hergeben könnte. Unter uns: Ich glaube einfach, dass die so wenig Kohle wie möglich für diese Sache ausgeben wollten.“ Aber sonst, und da stimmte auch seine mittlerweile dazugekommene Freundin Sina-Valeska Jung (das ist die Sarah Hofmann aus „Verbotene Liebe“) zu, wäre das hier doch aber alles total super, wie eine große Familie fühle es sich an. Dafür bekam er von seiner Sina-Valeska einen Kuss. Ich bekam keinen und suchte nach den Blondinen mit den Getränken. Im Gegensatz zu den beiden B-prominenten Turteltäubchen konnte ich leider wenig Familiäres an der Veranstaltung finden. Um 24 Uhr wurden dann CDs verkauft, die neuen Songs gespielt und ich langsam richtig müde. Schade. Wäre doch wirklich mehr drin gewesen. Oder?

„Chinese Democracy“ von Guns N' Roses ist auf Geffen/Universal erschienen.

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