PC vs. Notebook

Ich besitze ein Notebook.
christina-waechter

Ich besitze ein Notebook. Um genauer zu sein, ein iBook von Apple in weiß und schön. Es steht zu Hause auf meinem Schreibtisch. Ab und zu, wenn ich mich besonders abenteuerlich fühle, gehe ich damit in die Küche und versuche, dort etwas hinein zu schreiben. Oder ich nehme es mit zum Sofa, klappe es auf und schaue eine DVD. Aber fast immer steht es auf meinem Schreibtisch und fast immer arbeite ich dort damit. Trotzdem bin ich in meinem tiefsten Inneren davon überzeugt, dass alleine der Besitz dieses Notebook mich mobil und fortschrittlich macht. Ich stelle mir vor, damit im Wartebereich eines ausländischen Flughafen zu sitzen, das iBook auf meinem Schoß, der immer wärmer wird, wichtige Texte oder Tabellen einzugeben, meine Mails abzurufen und möglicherweise sogar zu beantworten. Gemacht habe ich es noch nie, statt dessen habe ich immer alle vorhandenen Zeitungen eingesammelt und mich über kostenloses Altpapier gefreut. Es könnte aber durchaus auch sein, dass ich demnächst in eine andere Stadt umziehen muss (Mobilität als erste Bürgerpflicht) und selbstverständlich bräuchte ich auch dort einen Computer. Mein Notebook kann ich in einem Rucksack verstauen und am neuen Ort sofort anschalten. Müsste ich einen PC mitnehmen, könnte ich auch gleich einen Umzugslaster für einen Drei-Monats-Aufenthalt im Ausland bestellen. Völlig klar: Mein Notebook ist das Beste und ich will nie wieder einen normalen PC haben. Auch wenn ich es fast ausschließlich wie einen PC nutze und die meisten der Vorteile eher meiner Einbildung oder der raffinierten Werbestrategie der Notebook-Hersteller entsprechen. So wie mir geht es scheinbar sehr vielen anderen Menschen. Zum ersten Mal wurden in diesem Jahr mehr Notebooks als „normale“ Desktop-PCs verkauft. Dank USB-Anschlüssen, großen Arbeitsspeichern, leistungsfähigen Prozessoren und gar nicht mehr so hohem Preis, hinken Notebooks, was ihre Leistungsfähigkeit angeht, einem Desktop-PC nicht mehr so weit hinterher, dass man beim Kauf arge Qualitätseinbußen hinnehmen müsste. Die Vorteile dagegen liegen scheinbar auf der Hand: nie mehr eine langweilige Bahnfahrt mit nervigen Nachbarn, statt dessen kann man sich all die DVDs anschauen, für die man zu Hause keine Zeit hat (außer die schweinischen). Bei schönem Wetter verlegt man den Arbeitsplatz kurzerhand ins Freie und kann unter hohen Bäumen mit dicken Stämmen Bilanzen ausrechnen (was einem kein Chef länger als einen Tag lang erlauben würde, ganz abgesehen von dem schrecklichen Heuschnupfen). Und wenn einen die Eingebung überkommt, muss man die Notizen nicht mehr auf benutzte Taschentücher krakeln, sondern kann sie gleich sauber in ein Textverarbeitungsprogramm eingeben. Notebooks sind eine schöne Sache. Und man kann sehr viele tolle Dinge damit machen. Muss man aber auch nicht unbedingt. Sie sehen auch auf dem Schreibtisch ziemlich hübsch aus.

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