Pflichtdienst für Vorruheständler? Eine offene Antwort auf Peter Müller

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller schlägt einen sozialen Pflichtdienst für junge Menschen vor. Warum eigentlich nur für Junge? Ein offener Brief
stefan-winter

Lieber Peter Müller, Sie haben in einem Interview heute die rhetorische Frage gestellt, ob es nicht legitim sei zu verlangen, „dass sich junge Menschen auch für das Gemeinwesen für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stellen“. Ich möchte Ihnen darauf kurz antworten – als junger Mensch, der sich gerne fürs Gemeinwesen engagieren möchte. Da Sie Ministerpräsident des Saarlands sind, werden Sie wissen, wie es sich anfühlt, wenn man ständig vergessen wird. In diesem Punkt haben das Saarland und die Jugend in Deutschland eine große Gemeinsamkeit. Daraus abzuleiten, Sie seien so was wie der Ministerpräsident der jungen Menschen in diesem Land, ist aber spätestens seit heute gegenstandslos. Denn Sie wollen einen sozialen Pflichtdienst einführen. Im Interview mit der Rheinischen Post fordern Sie eine solche gesetzlich geregelte Pflicht für junge Frauen und Männer.

Um Ihre Frage zu beantworten: Es ist natürlich legitim, mit einem solchen Vorschlag im Sommerloch ein paar Schlagzeilen zu produzieren. Zielführend ist es hingegen nicht. Denn bei aller Sympathie fürs gesellschaftliche Engagement: Warum muss das gesetzlich als Pflicht festgeschrieben werden? (Ihre Parteikollegin Kristina Schröder will beispielsweise einen Freiwilligen-Dienst einführen) Viel wichtiger aber: Warum in aller Welt sollen diesen Dienst nur junge Menschen leisten? Es wird gerade viel über die Rente mit 67 diskutiert. Vielleicht haben Sie davon gehört. Sinn dieser Aktion ist es, die Menschen, die heute jung sind, länger arbeiten zu lassen. Man kann also durchaus sagen: Der Dienst, den wir junge Menschen für das Gemeinwesen erbringen, ist uns schon aufgebürdet worden: Wir werden sehr viel länger in die Rentekasse einzahlen müssen als die, die sich heute daraus bedienen. Und ist Ihnen was aufgefallen: Viele, die heute in Rente gehen, sind nicht mal 65 Jahre alt. Viele gehen in den vorzeitigen Ruhestand. Sind körperlich und geistig noch ziemlich fit, konzentrieren sich fortan aber darauf, Nordic Walking-Stöcke durch öffentliche Parks zu tragen. Wäre es nicht legitim zu verlangen, dass all diese gesunden und gut gelaunten Vorruheständler zu einem – sagen wir – einjährigen sozialen Pflichtdienst eingezogen werden könnten? Sie könnten – zu einem Zivildienst-Gehalt – Essen ausfahren, in Altenheimen Geschichten vorlesen oder in Jugendherbergs-Küchen spülen. Schlagen Sie das doch mal in einem Ihrer nächsten Interviews vor. Unsere Unterstützung hätten Sie! Ihr Stefan Winter, Zivildienstleistender a.D.

Text: stefan-winter - Mr. Nico / photocase.com

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