Pop 2.0: Wie das Netz das Zuhören verändert hat

Pop ist nicht gestorben, weil Musik digital und Songs Mp3 sind. Pop hat sich verändert. Zumindest die Art und Weise, wie wir Musik hören, hat sich dank MySpace oder LastFM verändert. Letztereres wurde gerade für 280 Millionen Dollar an den US-Medienkonzern CBS verkauft, der in dem Internet-Radio rasante Wachstumschancen sieht. Zeit für einen Überblick - die Web-Umschau zum Thema Pop im Netz
dirk-vongehlen

Name der Website: Last.fm

Worum geht’s? Um nicht weniger als die Zukunft des Radios. Last FM bietet personalisierte Radiostreams, die auf dem eigenen Musikgeschmack aufbauen. Kein Programm-Macher entscheidet, was du als nächstes hören solltest, sondern dein eigener Geschmack. Basierend auf den Bands, die dir gefallen, werden dir neue vorgeschlagen. Was daran ist neu? Mittlerweile nicht mehr so viel, zu Beginn aber alles. Dass man neue Musik nicht mehr nur dank eines findigen Musikredakteurs entdeckt, verändert den Pop grundlegend. Die Last-FM-Community beweist aber (übrigens genau wie die jetzt.de-Kosmos-Playlist), dass gute Musik erst dann richtig gut wird, wenn man Leute trifft, die sie auch mögen. Im Geiste verwandt: Es gibt zahlreiche ähnliche Anbeiter wie finetune.com oder MOG, die eigentlich einzeln vorgestellt werden müssten, aber auf einem vergleichbaren System basieren. jetzt.de-Prognose: Radio 2.0 will kill the Radio Star


Name der Website: MySpace

Worum geht’s? Werde Kumpel deiner Lieblingsband. MySpace kann nicht mehr als andere soziale Netzwerke wie friendster oder Facebook. Trotzdem schaffte es die die Site von Tim Anderson zum Vorzeigebeispiel für Web2.0-Angebote. Diesen Erfolg verdankt MySpace vor allem der Musik. Bands und Künstler befüllten hier ihr Profil, freundeten sich mit ihren Fans an und stellten ihre Musik vor. Was daran ist neu? MySpace hat den Graben zwischen Bühne und Moshpit abgeschafft. Dank MySpace kann jeder mit Madonna oder Jarvis Cocker direkt in Kontakt treten und kann sich zumindest an dem Gedanken erfreuen, seine Lieblingsband beantworte gerade die eigene Fanpost. Wichtiger als das ist aber der integrierte MySpace-Player gewesen: Madonna und Jarvis konnten so ihre Songs bekannt machen und der Nutzer musste fortan nicht mehr die musikalische Katze im Sack kaufen. Im Geiste verwandt: Aufgrund der hohen Medienpräsenz scheint MySpace in einer eigenen Liga zu spielen. Das stimmt aber nicht: imeem.com oder Bebo sind sehr ähnlich - und das in Deutschland nahezu unbekannte Bebo wurde zum wichtigsten Google-Suchwort des Jahres 2006. jetzt.de-Prognose: Ende März brachte MySpace seine so genannten Secret Shows auch nach Deutschland. Der Gig der Beatsteaks war aber gar nicht so geheim und sorgte für eine Menge Widerspruch im Netz. Trotzdem ist die Idee, geheime Konzert zu veranstalten, zu denen nur Freunde von MySpace-Künstlern Zugang haben, gar nicht so schlecht.


Name der Website: Music Recommenders

Worum geht’s? Das coole Musikwissen ist nicht demokratisierbar. Die coolen Musik-Checker wissen, wo es langgeht und bei Music Recommenders sagen sie es uns. Diese von Nokia betriebene Site versammelt das Wissen der nerdigen Popstreber, die die Älteren unter uns noch aus analogen Plattenläden kennen. Jeden Monat empfehlen Experten aus den 40 besten Independent-Plattenläden der Welt Songs in unterschiedlichen Genres. Was ist daran neu? Das coole Musikwissen wird demokratisiert. Die Popstreber verraten (ob sie es wollen oder nicht), ihr Pop-Wissen auch an die Uncoolen, die sich früher kaum in die Independent-Läden der Welt getraut hätten. Im Geiste verwandt: Vermeintlich coole Online-Shops für Musik gibt es beispielsweise auch von O2 (sieht sogar ähnlich aus) und Yahoo jetzt.de-Prognose: Gute Sache. Es bleibt nur die Frage, was genau Nokia mit Independent-Stores zu schaffen hat.


Name der Website: The Hype Machine

Worum geht's? Um MP3-Blogs und um einen hervorragenden Überblick. Die Hype Machine ist nämlich ein Meta-Blog. Wenn ein Musikblogger irgendwo auf der Welt ein MP3 hochlädt, kann man das bei Hype Machine sehen und - sortiert nach Titel, Interpret etc. - danach suchen. Was ist daran neu? Die Idee ist einfach und die technische Umsetzung auch nicht gerade neu, der Inhalt demokratisiert das coole Popwissen aber ähnlich wie Last FM. Wirklich neu - im Sinne von gerade erst da - ist übrigens das Hype Radio, die die gerade hochgeladenen Songs streamt. Im Geiste verwandt: Auch elbo.ws ist ein Aggregator für (englischsprachige) MP3-Blogs. Ebenfalls vergleichbar: starfrosch.ch. jetzt.de-Prognose: Böse Menschen kennen keine Lieder. Gute Menschen mögen aber die gleiche Musik wie du - so lernst du sie ganz schnell kennen. Mehr über Musik im Netz gibt es im jetzt.de-Themenschwerpunkt

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