Post von Kirsten Dunst

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Das Sofa ist Lena Dunham einfach zu teuer. 24.000 US-Dollar sollte die Couch eines schwedischen Designers inklusive Verschiffung kosten, sie müsse nur noch den Bezug auswählen, alles weitere würde ihre Assistenz dann in die Wege leiten. Aber Lena Dunham schreibt nur:

decided it's just too expensive:)

Dieses bahnbrechende Insiderwissen über Lena Dunhams Finanzlage (und, dass sie scheinbar Emoticons benutzt) habe ich aus einer Mail, die mir die US-Künstlerin Miranda July am Montag schickte. "We think alone" heißt ihr aktuelles Kunstprojekt. Dabei kann man sich online für eine Art Newsletter anmelden, der aus einem wilden Gemisch aus Promimails zu einem von July festgelegten Oberthema besteht. Mit dabei sind unter anderem die Schauspielerin Kirsten Dunst, Basketball-Legende Kareem Abdul-Jabbar und die Schriftstellerin Sheila Heti. Für das Projekt haben besagte Promis Original-Nachrichten aus ihrem "Gesendet"-Ordner zur Verfügung gestellt, Miranda July hat diese dann nur noch geordnet und zum Teil anonymisiert. Auftraggeber war die Kunsthalle Stockholm.


Wer will, bekommt zukünftig Post von Kareem Abdul-Jabbar, Kirsten Dunst, Lee Smolin, Danh Vo, Etgar Keret, Lena Dunham und Sheila Heiti.

20 Wochen wird das Projekt laufen, pro Woche gibt's eine neue Mailsammlung. Miranda July schrieb vorher selbst über ihr Projekt: "How they comport themselves in email is so intimate, almost obscene — a glimpse of them from their own point of view."

Ich, mit meiner recht offen gelebten Affinität zu Promi-Klatsch, fand das ziemlich gut und trug mich auch direkt für den Newsletter ein. Am 1. Juli war dann tatsächlich die erste Mail mit dem Absender "Miranda July" in meinem Posteingang. "An email about money. We think alone" stand im Betreff.

Was ich nach der Maillektüre wusste? Kirsten Dunst hat für 7000 Dollar ihr Auto an eine Freundin verkauft, die in Raten zahlen will. Sheila Heiti hat weniger als 1000 Dollar auf der Bank, rät aber einer klammen Freundin nach Toronto zu kommen. Da sei es "nicht so teuer und auch gar nicht so kalt dieses Jahr". Und der israelische Schriftsteller Etgar Keret findet es schade, dass eine Buchkollaboration nicht zustande kommt. Wenn's am Honorar liegt, würde er auch weniger nehmen.

Kunstmagazine und Blogs feiern diese Erkenntnisse nun als "extrem spannendes Ding" in Zeiten der Totalüberwachung durch PRISM. Schließlich geben die Promis hier freiwillig Privates einer breiten Öffentlichkeit preis. Miranda July sagte später im Interview mit The Daily Beast sogar, sie sei überrascht gewesen, wie wenig paranoid die Angefragten mit ihren Mails umgegangen seien.

Aber ist es wirklich so privat und spektakulär geheim, wenn Lena Dunham sich trotz vermutlich gutem "Girls"-Gehalt kein superteures Sofa kauft? Schließlich sind die Mails von den Promis ja auch ausgewählt und kuratiert worden. Keiner musste hier sein letztes Online-Banking offenlegen. Natürlich war mir auch vorher klar, dass Mails von Miranda July vermutlich keinen Inhalt auf Bunte-Niveau reproduzieren. Aber ein kleines bisschen intimer hätte es schon sein können. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das bei den nächsten Mails, vielleicht zum Thema "Liebe" oder "Familie" auch eintritt. Denn so ganz unbefriedigt will der Gala-Leser in mir ja doch nicht bleiben.

Lena Dunham twitterte als Reaktion auf ihre "Das Sofa ist zu teuer"-Offenbarung übrigens: "I never felt more raw than sharing an email about my finances". Gelohnt hat es sich scheinbar trotzdem: Zahlreiche andere Twitterer nannten ihr daraufhin Orte, wo man auch unter 24 000 Dollar eine Couch kaufen kann.

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