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Ein Video von Angela Merkel von 1992 befremdet uns. Darin spricht sie mit einem Neonazi nach den Anschlägen von Rostock-Lichtenhagen. Was sagt uns das heute?
jetzt-redaktion

Im Netz kursiert ein Video des Bayerischen Rundfunks von 1992, nach den Ausschreitungen gegen die zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter in Rostock-Lichtenhagen. Darin spricht Angela Merkel, damals Bundesministerin für Frauen und Jugend, mit einem der Neonazis.

 
Hier geht es zu dem BR-Video.
"Was würde passieren, wenn zum Beispiel ein Vietnamese ein Bier trinken gekommen wäre?" fragt Merkel. "Wir hätten ihm das wohl höflich klar gemacht, dass er hier sein Bier nicht trinken kann. Also ohne Gewalt," sagt der Jugendliche, der die Angriffe auf das Asylantenheim gut heißt. Dieses Video ist so harmlos und wie beängstigend zugleich. Es macht etwas mit uns. Es erfüllt uns mit einem tiefen Unbehagen, das sich nicht in Worte fassen lässt, wenn wir unsere Kanzlerin sehen, vor 23 Jahren. Im Gespräch mit einem Jugendlichen, wie er auch heute in Heidenau und anderswo auftauchen könnte, wo Flüchtlinge terrorisiert werden. "Ich finde es traurig, dass erst Steine fliegen müssen, bevor eine Ministerin hier herkommt," sagt der Junge mit den abrasierten Haaren. "Hätten sie denn nicht mal früher hier herkommen können?"

Was genau für eine Geschichte wiederholt sich hier gerade? Ist das nur ein Zufall? Ein befremdliches Déjà-vu? Was die Kanzlerin wohl denkt, wenn sie dieses Video sieht?

Wir haben uns das Video mehrmals angeschaut und viel darüber diskutiert. Aber wir bleiben einigermaßen ratlos. So ratlos, wie auch Merkel damals wirkte.
Uns würde aber sehr interessieren, was Ihr dazu meint. Also: Was denkt Ihr?


friedemann-karig

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