Produkt-Biografie: Lisas Haarfarben

Zu einer Biografie gehören nicht nur Schulabschlüsse und Wohnorte, sondern auch die Produkte, Frisuren und Moden. Heute Lisa und ihre Haarfarben
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Grün Poldi von „Hallo Spencer“ war mein Vollbild in Stimmlage und im Augenbereich. Zum Fasching wurde mit Hilfe eines Kostüms noch größere Ähnlichkeit hergestellt. Auswaschbare, grüne Haarfarbe war des Kunstwerkes Krönung und ich tauchte auch noch ein paar Tage danach mit dieser Haarfarbe in der Grundschule auf, bis meine Mutter es schaffte, meinen gespienen Feuersalven zu entgehen und mich in die Badewanne zu stecken.


Henna Wir trugen Schlaghosen und wickelten uns einzelne Haarpartien in bunte Bänder. Was nicht fehlen durfte, war die Henna-Prozedur, die nicht nur anhand der Haupthaarfarbe sondern auch an Händen, Klamotten, Badbesprenkelung und Handtuchverschleiß zu erkennen war. Das vorpubertäre Gesicht hielt den seltsamen Modergeruch brav aus, rümpfte die Nase nicht und spülte gefühlte 71 Male durch. Aufwändige Erkennungsmerkmale, um sich von nun an in großen Menschenmengen wieder zu finden, wurden überflüssig. Und Opa nannte mich nur noch Pumuckl.


Rot-Schwarz Die hippieesken Anflüge wurden abgelöst von einer Zeit der Stilfindungsproblematik in verschiedenen Bereichen der Musik. HipHop, Crossover, Hardcore, Emocore und am Schluss das große Blubberbecken namens Indie wurden ordentlich durchschwommen und untersucht. Heraus kam ich mit einer Haarpracht, die in ihrer Zweispurigkeit dem Musikgeschmack am nächsten kam. Gestuftes Haupthaar, welches an der Oberfläche fröhlich in einem Rotbraunton in der Sommerfestivalsonne glänzte. Darunter jedoch lag ein düsteres, jugend-melancholisches Emo-Schwarz, welches an den langen Enden und bei zum Zopf gebundenem Haar zum Vorschein kam. Das Rot wurde letzendlich zu ganzköpfigem Schwarz. Da muss man halt durch, da kommt man auch wieder drüber hinweg.


Strähnchen Der doch recht blass machenden Haarfarbe auf dem Kopf wurde einiger Zeit konsequent mit mehreren Sitzungen des Strähnchen machens entgegen gearbeitet. Möglichst nah an der lange nicht gesehenen Naturhaarfarbe wurde Schritt für Schritt zurückgearbeitet, der Ansatz verschleiert und nach und nach „mehr Wärme“ (Friseursprech) auf den Kopf gemalt. Ich überließ mich den fachkundigen Händen und wurde nicht mehr so oft gefragt, ob ich auch genügend Vitamine essen würde.


Natur Back to basic. Sie ist zurück: die Haarfarbe meiner Kindheit. Hey, lange nicht gesehen. Im Sommer leicht rotblond, im Winter eher in schlichtem Hellbraun, jedoch ohne farbliche Zusätze wächst sie mir nun aus dem Kopf. Und ich stelle fest: Sie passt am besten. Zu Augenbrauen, Hautfarbe und Gemütz, vor allen Dingen aber einfach: zu mir.

Text: lisa-rank - Illustration: Katharina Bitzl

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