Produkt-Biografie: Meine Computer

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Der Kindertaschenrechner Um schnell den Schritt vom kleinen zum großen Einmaleins zu schaffen und um auch mal die Klappe zu halten, schenkten mir meine Eltern einen gelben Kindertaschenrechner. Da war ich vier Jahre alt. Er konnte nicht viel, sein Display war so erbärmlich klein, dass darauf genau eine Zeile Platz hatte. Aber, und das war das Große an dem kleinen Rechner: Er stellte mir Fragen anstatt welche von mir haben zu wollen. Gab ich ihm eine richtige Antwort, zum Beispiel, dass vier die Summe aus drei und eins ist oder 5421 geteilt durch drei 1807 ergibt, wackelte ein kleines Männchen im Display mit seinem Schnauzbart. Legte das Männchen sich einen zweiten Schnauzer zu, hatte man ein neues Level erreicht. Bei drei Schnauzern war Schluss. Heute trage ich einen Vollbart, habe aber keine Ahnung von Mathe.


Der Gameboy Was war das für ein Fest, 1990! Aus dem fernen Japan drangen Stimmen ins soeben geeinte Deutschland vor, die sagten: Tetris! Super Mario! Game Boy! Das Ohr meiner Oma erreichte kurz darauf meine Piepsstimme: Haben, Wollen, Weihnachten! Beim Auspacken der Geschenke: All eyes on the star. Mich? Nein, den GameBoy. Klein, grau, sehnenscheidenentzündungsfördernd, super. Ich daddelte ununterbrochen, mit Verbindungskabel Tennis, ohne Tetris, ungezählte Mal befreite ich die Prinzessin Daisy aus den Klauen des Endgegners Tatanga. Auch wenn der GameBoy kein richtiger Rechner war, war er doch der Anfang vom Ende der Vorstellung eines Lebens ohne Unterhaltungselektronik.


Der Atari 2600 Neulich hörte ich von Freunden, wie unglaublich toll doch diese Wii-Konsole sei. Wahnsinnig überraschend, wie man damit Tennis spielen könne, fast wie in echt. Sogar geschwitzt hätte man. Sicher kann man auch ins Internet damit, seine Diplomarbeit schreiben lassen, Bücher lesen, Sex haben, lebensnahe Dinge tun. All das konnte man mit dem Atari 2600 nicht, den ich Anfang der 90er im Keller in einer Kiste fand. Da lag das gute Ding schon seit 15 Jahren, C64 und Amiga 500 hatten ihn und mich längst überholt. Ich hatte Sorge, dass die Stecker gar nicht mehr passen würden. Aber sie passten und das klobige Gerät funktionierte 1a. Piepte, blinkte und krawotzte wie eine Konsole der ersten Generation das tun sollte, blechern und superkünstlich, brachte mich nicht zum Schwitzen und seltsamerweise hatten alle Spiele etwas mit Raumschiffen oder Bälle fressenden Monstern zu tun.


Der erste eigene PC „Du, der Holger brennt dir die CD für fünf Mark, sogar mit Cover!“ raunte man mir zu, als ich wieder einmal nicht wusste, wie ich günstig an Musik kommen sollte. Holger war ein Computernerd aus der Nachbarschaft, aber er besaß einen Brenner. Mein Mann. Drei Jahre nachdem ich bei Holger „für meine Mutter die neue Santana“ gekauft hatte, ging auch ich unter die Selbstbrenner mit meinem ersten, eigenen PC. Er kostete viel zu viel, hatte unnötig viele Spielereien und kettete mich nachhaltig an diesen heißen Scheiß namens Internet. Ich weiß nicht, ob ich ihm dafür danken oder ihn hassen soll.


Der erste eigene Laptop Jetzt werden Schlauberger sagen: Laptop, PC, alles eins, das ist wie Wasser und Eis, unterschiedliche Aggregatszustände desselben Elements, checkt er halt unter Bäumen im Park seine Mails und schreibt seine Texte im Zug. So falsch nicht. Aber, großes Aber: Seit ich einen Laptop besitze, hat sich mein Leben mit Unterhaltungselektronik radikal verändert. Der Laptop ist leiser als der alte PC, fährt schneller hoch, noch schneller runter, sieht besser aus, ist leichter, passt in meine Tasche, läuft stabiler, geht sogar auf dem Klo ins Internet, macht also so ziemlich alles besser als sein großer, fetter Onkel. Und trotzdem nervt er mich kolossal. Er stiehlt meine Zeit und hat noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei. Ich überlege ernsthaft, wieder umzusteigen.

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