Propaganda 2.0

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Begonnen hat alles im Gaza-Krieg Anfang 2009. „Unser Zielpublikum war die europäische Linke, die sehr ablehnend gegenüber unserer Politik war. Deshalb haben wir im Außenministerium begonnen, uns in Diskussionen in englischen, spanischen und deutschen Blogs einzuschalten“, sagt Elan Shturman. Damals seien es nur ein paar tausend Freiwillige gewesen, die im Auftrag der Regierung die israelische Sicht der Operation „Gegossenes Blei“ im Internet verbreiteten. Der Erfolg sei jedoch so beeindruckend gewesen, dass die gezielte Online-Beeinflussung jetzt institutionalisiert werde. Seit vergangener Woche sucht das Außenministerium ganz offiziell nach Kommentarschreibern, die das Image Israels im World Wide Web aufbessern sollen. Die „Internet-Kampfeinheit“, wie das Projekt im Regierungsbudget für 2009 genannt wird, soll auf Webseiten wie Facebook, Twitter und Youtube israelfreundliche Kommentare posten und so der palästinensischen Onlinepräsenz etwas entgegen setzen. „Das Internet ist eine Bühne für alle Ziele und Zwecke im israelisch-palästinensischen Konflikt, und wir müssen auf dieser Bühne aktiv sein, sonst verlieren wir“, so Shturman, der als stellvertretender Leiter der Abteilung Hasbara (was im Wörterbuch sowohl mit „Erklärung“ als auch mit „Propaganda“ übersetzt wird) für das Projekt verantwortlich ist. „Es gibt eine endlose Reihe von pro-palästinensischen Websites, ausgestattet mit hohen Budgets, vielen Informationen und Clips, die jeder runterladen kann. Sie fluten das Internet mit Inhalten der Hamas, wie eine gut geölte Maschine. Unser Ziel ist es, in diese Welt einzudringen und eine pro-israelische Stimme zu schaffen.“

Bestehen soll die Internet-Kampfeinheit aus jungen Leuten, vor allem Studenten der Kommunikationswissenschaft, Politik und Jura und ehemaligen Soldaten, die Erfahrung mit Informationsanalyse haben. Mindestens eine Fremdsprache müssen sie sprechen und bereits in Blogs und Social Networks aktiv sein. Zwar sollen die Autoren ihre Konversationen selbst gestalten, das Thema, die dazugehörige Haltung und das Publikum, das erreicht werden soll, gibt jedoch die Regierung vor. Dazu, sagt Shturman, müssten sich die Jugendlichen nicht mal zwangsläufig als Israelis ausgeben. „Unser Leute werden nicht sagen: ’Hallo, ich bin vom israelischen Außenministerium und erkläre euch nun folgendes.’ Sie treten als Net-Surfer und Bürger auf und schreiben Kommentare, die persönlich aussehen, die aber auf einer Liste von Botschaften, die das Ministerium vorbereitet hat, basieren.“ Zwar stehe der Nahost-Konflikt im Vordergrund, es sei aber auch denkbar, die Namen vorbildlicher israelischer Firmen, beispielsweise für alternative Energien, regelmäßig in den entsprechenden Blogs zu erwähnen. So werde nicht nur das Bild eines hoch entwickelten Staates, dem die Umwelt am Herzen liegt, verbreitet, „es kann auch dabei helfen, dass israelischen Firmen millionenschwere Verträge bekommen.“ 600.000 Schekel, umgerechnet 109.000 Euro, soll das Projekt im ersten Jahr kosten, davon allein ein Drittel, um rund um die Uhr Twitter mit positive Meldungen zu bestücken. Die Plattform habe sich gerade bei den Protesten im Iran als wirksames Kommunikationsmittel erwiesen, so Shturman.

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