Reingehört und aufgeschrieben

anajo/tapete Anajo – Nah bei mir (Tapete Records) Klee – Jelängerjelieber (Modernsoul) Munk – Aperitivo (Gomma) Ich&Ich – Geht’s dir schon besser?(universal) Ach, heute wird das Durchhören ein Klacks, fast nur gutes Zeug im Korb.
max-scharnigg
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Illustration: Julia Schubert

anajo/tapete Anajo – Nah bei mir (Tapete Records) Klee – Jelängerjelieber (Modernsoul) Munk – Aperitivo (Gomma) Ich&Ich – Geht’s dir schon besser?(universal) Ach, heute wird das Durchhören ein Klacks, fast nur gutes Zeug im Korb. Das freut, schließlich macht uns das Schimpfen auch keinen Spaß. Zuerst nicht geschimpft wird die Band Anajo aus Augsburg. Klar, die kochen auch nur mit Gitarrenpop und deutschen Texten, aber irgendwie ist das auf „Nah bei mir“ gar nicht so schlimm. Vielleicht, weil Sänger Oliver Gottwald so eine wirklich topnette Stimme hat. Und die Texte, die er singt, sind auch sehr souverän an allen Schmerzgrenzen vorbeigelotst. Kein unnötiger Befindlichkeitswirrwarr, kein Haudrauf-Gutelaunestampf, sondern gerade das Richtige für ein optimistisches Nachdenklichsein unter der Woche. Schnittmengenfreaks aufgemerkt: Anajo bilden die Schnittmenge von Element of Crime und Angelika Express. Ganz recht, diese Schnittmenge hat in etwa nur die Größe eines kleinen Stück Kuchens. Umso besser, dass die drei Buben davon satt werden. Ein sehr gutes Lied über eine Honigmelone ist auch dabei, das kriegt noch mal Zwischenapplaus von mir, schließlich gehöre ich zu den Unterzeichnern der Petition „Mehr Essen im Pop!“ Aus der Nähe von Essen kommen auch die nächsten Probanden und zwar Klee. Ich will aber noch mal schnell das Anajo-Honigmelonenlied anhören und schreibe deswegen erst mal was so landläufig über Klee bekannt ist: Die sind Köln-based, hießen früher mal Ralley und hatten dann einen Bandunfall bei dem Bandbus und gute Laune gegen die Wand gefahren wurden. Nach diesem Schock fanden sie den Name Ralley nicht mehr so schnafte und die Jungs mit Frontdame Suzi nannten sich Klee. Sie singen auch deutsch, allerdings geht es dahinter etwas polyphoner zur Sache als bei Anajo. Elektropop, Baby! Das war beim ersten Klee-Album vor einem Jahr noch ein bisschen mager, schmeckte wie eine Sättigungsbeilage zu 2raumwohnung. Auf dem vorliegenden „Jelängerjelieber“ macht das schon viel mehr Spaß. Tanzbares Mädchentralala, nicht so super wie Stella, aber doch sehr erträglich, auch gerne hymnisch. Passend zum Beispiel beim Rollschuhfahren über verlassene Schlachtfelder. Weiter! München! Das Gomma-Label tüftelt ja so dermaßen am modernen Sound, dass die modernen Metropolen alle fröhlich darüber sind. Nur im unmodernen München kennen noch eher wenige dieses Label-DJ-Sonstwas-Kollektiv. Aus dessen Schoß entstand nun unter dem Namen Munk die Platte „Aperitivo“ – ein fröhlicher Gemischtwarenladen elektronischer Musik. Mich macht das ja ein bisschen zu nervös, aber, weiß Gott, ich bin ja auch kein moderner Mensch. Eher ein Phlegmatiker mit Unlust, das jetzt ganz durchzuhören. Das Lied „Kick out the Chairs“ gefällt mir aber schon ziemlich gut. „All to much make up“ singen die da immer, wenn ich das richtig verstehe. Bumm Bumm Bassline Bumm Bumm yeah, so halt. Abschließend zu einer kleinen Single, die in eine monströse Pressemappe gekleidet ist, was wohl die eher kleinen Protagonisten überhöhen soll. Die heißen Annette Humpe und Adel Tawil und nennen sich Ich&Ich. Die Humpe ist schon beachtliche 53 Jahre alt und war früher an so semi-legendären Aktionen wie Ideal, DÖF und Humpe&Humpe beteiligt, weshalb sie eigentlich wissen sollte, dass so halbgarer Dancepop-R’n’B wie das playende „Geht’s dir schon besser?“ die Alterswürde stark gefährdet. Da hilft auch so ein junger Rapspund an der Seite nichts. Abtreten, Alte! Der Jugend eine Gasse!

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