Reingehört und aufgeschrieben - Platten der Woche

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Illustration: Julia Schubert

elefantweb.com Sonny Jim – Dreams of Deconstruction (sonny jim music) Andthewinneris – The Punch and Judy Show (rockhit records) Lawn – backspace (supermodern) Thomas Fehlmann – Lowflow (hausmusik) John Tejada – Logic Memory Center (hausmusik) Elefant – Sunlight makes me paranoid (rough Trade) Heute geht es flott. Und wer wie ich, eigentlich dringender seine Steuererklärung machen müsste, verpasst auch nichts, wenn er das jetzt tut. Es wurden diese Woche nämlich nur Platten angeschwemmt, die alle so fad aussehen, dass ich nicht weiß: welche zuerst langweilig finden? Am spannendsten ist da noch ein mit Edding beschrifteter CD-Rohling von jemandem, der sich Sonny Jim nennt. Sonst steht da nichts, deswegen muss ich erst mal googeln und komme auf die Seite eines Berliner Indielabels, das auch Sonny Jim heißt. Hier kann man die geheimnisvolle Platte kaufen. Ganz langsamer, ausgereifter Gitarrenpop mit viel Geblubber ist das, lauter schöne Stimmen und sympathische Geräusche und eigentlich gar nicht deutsch. Eher so das, was sich nachdenkliche Briten im verregneten Florida-Urlaub ausdenken würden. Gut eigentlich. Ich muss das mal im Auto hören. So jetzt schnell. Die Platte von andthewinneris, ist eine Punkplatte, da will ich ja beinahe grinsen. Dass wirklich noch deutsche Leute Fun-Punk machen und versuchen, zu klingen wie Lagwagon ist irgendwie so reizend. Aber bei allen guten kalifornischen Punkbands, die ich als Dreizehnjähriger in die Rubrik „Lieblingslied“ der Poesiealben gekritzelt habe, sang nun mal ein frecher Skatejunge. Hier singt eine Frau und klingt irgendwie nicht frech genug, eher so, als ob sie ihre Musik anschließend diskutieren möchte. Und das darf nicht sein. Weg damit. Lawn heißt das nächste Ding, kein Punk, sondern endlich mal wieder Gitarrenpoprock mit englischen Texten. Ach je, und aus Holland. Warum kriegen wir eigentlich überhaupt keine Popplatten aus Großbritannien mehr? Die Holländer mögen Lawn sehr gerne, steht in der Presseinfo. Keine Wunder: das ist Radio-Rock. Wenn ich nur eine einzige Platte besitzen würde und es wäre ausgerechnet „backspace“ von Lawn, würde ich sie vermutlich sehr gut finden. Das künstliche Herz des College-Rock schlägt da inbrünstig. Aber ich habe schon ein paar andere Platten. Weiter zu den wöchentlichen Erzeugnissen des geschätzten Hausmusik-Labels. Thomas Fehlmann, den Namen hat man schon mal gehört. So eine Elektrospacke eben. Laut Presseinfo kehrt er mit dieser Platte zu seiner experimentellen Seite zurück. Experimentelle Elektrospacke, damit ist auch alles gesagt. Interferenzdub, Knisterknaster, Downhouseklick. Na, Merci. Der zweite Hausmusiker heute heißt John Tejada und ist nicht so experimentell, man merkt hier immerhin, wann das eine Lied aufhört und das nächste anfängt. Die Platte schenke ich meinem strengen Steuerberater. Der ist sechzig und trägt abgewetzte Sakkos und ich glaube, er steht voll auf sanften Detroit-Down-Beat. Er weiß es nur noch nicht. Die beste Platte dieser Woche kommt jedenfalls von Elefant aus New York und ich habe sie in meinem DJ-Koffer vergessen, deswegen kann ich jetzt nur ungefähr beschreiben, was drauf ist: Das, was sich Amerikaner unter Britpop vorstellen, mit einer ganz guten Männerstimme. Mir hat das so gut gefallen, dass ich es gestern unbedingt nach Conor Oberst auflegen wollte. Es kam aber dann doch irgendwie nicht dazu, ich weiß nicht warum, vielleicht wg. Supergrass? Egal, beklopptes Fazit: Elefant unbedingt mal antesten, boys and girls !

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