Rette Dich und Dein Land. Werde Ingenieur!

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Illustration: Julia Schubert

Foto: girls-day.de Das Zitat: “Der Ingenieurmangel ist die Investitionsbremse Nummer eins in Deutschland“ Der Zitatgeber: Dr.-Ing. Willi Fuchs, Sprecher der Technik-Initiative „Sachen machen!“ Der Hintergrund: Deutschland hat, Allgemeinplatz eins, als einzig brauchbaren Rohstoff den Geist, Hirn, Bildung. Die Erdgasvorkommen sind begrenzt und niemand zwischen Landshut und Emden kann seine Miete von Stundenlöhnen polnischer Fabrikarbeiter zahlen. Soll heißen: Weil wir nicht billig arbeiten und nichts Wertvolles aus der Erde holen, müssen wir unseren Schädel zu Gold machen und Sachen entwickeln und erfinden wie die Weltmeister. Daraus resultiert die Nummer zwei in der Rangliste der hübschesten Allgemeinplätze der deutschen Gegenwart: Wir müssen um soviel besser sein, wie wir teurer sind. Dann klappt es auch mit den Innovationen und den Investitionen. Und dann sind wir auch schon beim Problem: Abiturienten mangelt es gerade gehörig an der Lust auf Studien zwischen Reagenzglas und Schaltkreis – dem Raum also, aus dem Innovationen kommen, die zu Geld und Arbeit werden sollen. Der Verein deutscher Ingenieure schreibt: Deutschland fehlen 15.000 Ingenieure. Seit 2003 sank die Zahl der Studienanfänger in den Ingenieursfächern um zwölf Prozent. Nach wie vor wollen die meisten Erstsemester lieber vor Medizin-, Jura- oder Wirtschaftsprofessoren sitzen. Die angebliche Ursache: Die Bravo druckt zwar schon Papst Benedikt auf ein Poster, tut sich aber mit dem Konterfei eines prämiierten Physiknobelpreisträgers schwer. Heißt: Der Ingenieur als Vorbild hat es schwer. Also springen nun in heiterer Folge Technik-Initiativen wie haltlose Maiglöckchen aus dem Boden und wollen alle nur das Eine: Jene, die einen Hauch von Interesse für formel- und kupferhaltige Studiengänge zeigen überzeugen: „Tu´ es für Dich, tu´ es für Dein Land. Es ist so spannend! Werde Ingenieur! Bitte.“

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Illustration: Julia Schubert

Jugend forscht ist das Urgestein solcher Kampagnen, der Girls Day ist ein paar Tacken frischer, gehört aber auch schon zum Inventar der inzwischen so umfangreichen wie mühevollen Jugend-in-die-Technik-Bemühungen: 127.000 Mädchen in 6.000 Unternehmen lautet die Hurra-Bilanz der Veranstalter aus dem vergangenen Jahr. Die Deutsche Telekom Stiftung schickt Experimentierkästen in deutsche Grundschulen, die dem kindlichen Innovationsmotor von morgen klar machen, warum Eisenkugeln im Wasser untergehen, Schiffe aber nicht. Außerdem bekommen sogenannte Schülerunis in Bonn, Köln, Bielefeld, Würzburg, Jena und Dresden einige Förder-Euros aus T-Bonn. Schüler verfolgen dabei während der Schulzeit Vorlesungen und machen Scheine. Die neuste Finte ist „Sachen machen!“ , die angeblich erste bundesweite Initiative zur Förderung und Stärkung des Technikstandorts Deutschland, ein Projekt von 44 Partnern, darunter DaimlerChrysler, EADS oder Thyssen-Krupp. Ziel: Deutschland bis 2015 zum führenden Technikstandort der Welt machen. „Sachen machen!“ lässt im Werben um neue Patentanmelder gleich gar keine Breze unangebissen und fährt das gesammelte Werbeklimbim auf. Highlight, logisch, am 19. und 20. Mai: Der „Tag der Technik“ an 50 Standorten, unter anderem bei der „Formula Student Germany“ im August am Hockenheimring, bei der Studententeams Rennwagen entwickeln. „Wir werden die Technikbegeisterung des Nachwuchses wecken“, sagt Ingenieur und Doktor Fuchs. Das klingt mehr bedrohlich als umgarnend und setzt vor allem eines voraus: In jedem Menschen wohnt ein Ingenieur. Es setzt voraus, dass es nur um die Frage geht, wer welche Neigung zuerst weckt. Dieter Bohlen den Wunsch, Gesangsmeister zu werden oder Wolfgang Dürheimer den Wunsch, Topschrauber bei Porsche zu sein, wo Dürheimer Forschungsvorstand ist? Bleiben zwei Fragen und eine Feststellung: 1. Beginnt die Verantwortung für Deutschland mit der Berufsentscheidung? 2. Wäre ich Ingenieur geworden, wenn man mir mehr Was-ist-Was-Bücher und Experimentierkästen nachgetragen hätte? 3. Die Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Schwestern in München, nur ein Beispiel, beklagt fehlenden Nachwuchs. Deshalb hier der Aufruf: „Wecke die Schwester in dir! Bitte.“

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