River Cafe Easy Kochbuch

Dorling Kindersley Verlag Es geht hier um Prinzipien.
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Illustration: Julia Schubert

Dorling Kindersley Verlag Es geht hier um Prinzipien. Und zwar um verdammt einfache. Darum, dass niemand, der richtig gut kochen möchte, alle durchgeknallten Gewürze, die er kennt, durcheinander werfen und dann seine Mutter anrufen muss, damit sie den komplizierten Rest erledigt. Sondern dass ein richtig gutes Essen oft aus weniger als einem halben Dutzend Zutaten besteht, die in 30 Minuten auf eine ihnen schmeichelnde Art zubereitet werden. Wie das noch mal genau geht, erklären Rose Gray und Ruth Rogers im "River Café Easy Kochbuch", benannt nach ihrem Londoner Restaurant, das sie Ende der Achtziger am Ufer der Themse eröffnet haben, weil sie folgendes glaubten: Im hochkulinarisch mageren England lebt in Wirklichkeit gar kein Volk der Zungenamputierten, sondern eins, das in schönen Räumen für italienische Küche mit kleinen Extraideen viel Geld ausgeben möchte. Sie hatten Recht. Und Erfolg: Alle Kochbücher, die sie bisher herausgegeben haben (von denen vor "Easy" erst eines in Deutschland erschienen ist), waren in England Bestseller. Und nicht nur aus ihrem Restaurant spazierten neben den Satten und Glücklichen auch die Reichen und Schönen heraus, sondern auch aus ihrer Küche kamen kleine Stars. Es kochten im River Café: Der in Deutschland noch unbekannte Hugh Fearnley-Whittingstall, der nicht nur aussieht wie Rainer Langhans, sondern auf der Insel auch noch dadurch seinen Ruhm zusammenschacherte, dass er sein Leben als Selbstversorger auf dem Medienmarkt feilbot - und das sympathische Weichgesicht Jamie Oliver. Der wurde ja übrigens mit seinem letzten Kochbuch "Jamie’s Kitchen" in der Kategorie "Sachbuch" für den Deutschen Bücherpreis nominiert, der am 25. März auf der Buchmesse in Leipzig verliehen wird. Und wo kommt’s her? Der Einfluss des River Cafés auf den Popkoch ist wohl die Idee, das Kochen schnellstmöglich von seinem hohen Sockel zu holen. Die zeigt sich schon allein darin, wie Gray, Rogers und eben auch Jamie Oliver ihre Speisen betont lässig auf den Tellern fläzen lassen und damit sagen: Der Teller, der Koch, der Esser – hier sind alle mit den Köstlichkeiten per du. Genau das ist auch der wohlwollende Rezeptnachkocher des irre angenehm gelayouteten "River Cafe Easy Kochbuch". Die meisten Antipasti sind nun mal nichts anderes als eine Art Salat aus gegartem Gemüse. Ein gutes Olivenöl, eine Handvoll Parmesan, ein Stück Speck waren schon immer allzeit bereit, dem Gemüse ein guter Freund zu sein; und mit Eiern, Butter und Schokolade kann man kaum etwas falsch machen, wenn man sie nur beisammen sein lässt. Italienische Küche eben, die schlichte, die beweist, dass Purismus nichts damit zu tun hat, sich die guten Dinge zu verkneifen – und gerne haben die Gerichte ein glückliches kleines Grinsen auf dem Gesicht: Sieh mal, war das nicht ein gute Idee, Feigen, Zitrone und Chilis an die Tagliatelle zu tun? Steht ja schon im Titel: Alles kann so einfach sein und dabei so großartig. Und sogar Menschen, die das schon wissen, wird dieses Kochbuch immer gerne einen Hinweis geben, was man in der Stunde, die man noch Zeit hat, um das Land zu verlassen, für eine Schokoladentorte backen und essen könnte.

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