Robert De Niro wartet

Foto: Jetfilm Heute kommt der mit dem First Steps Award (»Bester Nachwuchsfilm 2004«) ausgezeichnete Film „Katze im Sack“ in die Kinos.
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Illustration: Julia Schubert

Foto: Jetfilm Heute kommt der mit dem First Steps Award (»Bester Nachwuchsfilm 2004«) ausgezeichnete Film „Katze im Sack“ in die Kinos. Die Kellnerin Doris (Jule Böwe) und der Streuner Karl (Christoph Bach) lernen sich im Zugabteil kennen. Es ist eine Szene, wie man sie aus Liebesfilmen kennt, zwei Menschen treffen und verlieben sich, aber hier ist es anders. Die beiden flirten, doch in jedem Blick, in jedem Satz spüren wir ein unüberwindbares Misstrauen, etwas Kaputtes. Als Doris in Leipzig aus dem Zug steigt, folgt Karl der Frau, um nach ihr zu suchen. Zur Musik der Band Slut tauchen wir mit Karl ein in eine kalte Nacht: In der Karaokebar, in der Doris arbeitet, singt ein vom Leben niedergestreckter Mittfünfziger (Walter Kreye) schiefe, traurige Lieder. Der alte Mann und Doris sind zusammen und sind es doch nicht. Der Security-Experte sieht ihr gerne zu, berühren mag er sie nicht. Karl will sich mit Doris verabreden, aber er landet nicht in ihren Armen, sondern bei irgendeinem Mädchen im Bett, bei der jede Nacht irgendeiner im Bett landet. Die Menschen haben nicht wenig Sex in dieser Geschichte, aber er bleibt bedeutungslos. Wie Flipperkugeln schlagen sie umher und finden nicht zueinander. Sie bleiben verloren. Als „einen Liebesfilm für alle, die keine Liebesfilme mögen“, hat der Filmregisseur Florian Schwarz seinen Abschlusswerk an der Filmakademie Ludwigsburg bezeichnet. Popcorn-Kino ist „Katze im Sack“ zweifellos nicht. Und doch: Schwarz´ Versuchsanordnung zum Thema Einsamkeit ist auf seine besondere, düstere Art ein sehr unterhaltsamer Film. Der Kamera, der Regie und den brillanten Darstellern gelingt es, eine ganz eigene, traumgleiche Stimmung zu schaffen. Besonders der Hauptdarsteller Christoph Bach macht den Film zum Erlebnis: Den traurigen Helden verkörpert Bach mit hierzulande selten gesehener Souveränität und Lässigkeit. Auf großes Pathos kann er getrost verzichten. Denn eine flüchtige Geste, ein Blick genügen ihm, um den Zuschauer gebannt durch diese Nacht zu führen. Der bekannte deutsche Filmproduzent Nico Hofmann hat Bach bereits als „die deutsche Antwort auf Robert De Niro“ bezeichnet. Zuviel der Ehre? Wir werden sehen. Eine gewisse Ähnlichkeit ist tatsächlich nicht zu leugnen. Im Bilderrätsel werden ab Freitag Soundtrack-CDs zu "Katze im Sack" verlost, u.a. mit Musik von Slut und 2raumwohnung. Am Sonntag, 17. April kommen Regisseur und Hauptdarsteller zu einer Vorführung in die Monopol-Kinos (Münchener Freiheit) nach München.

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