Romane in Häppchenform

Wieso das Buch in einem Schwung durchlesen, wenn es stückchenweise viel spannender ist? Das Start-Up-Unternehmen Plympton hat zusammen mit Amazon ein neues Publikationsprogramm entwickelt: Das Kindle Serial.
laurie-hilbig

Eine Geschichte in Episodenform – das gibt es nicht nur im Fernsehen. Auch klassische Schmöker wie „Oliver Twist“ sind als Fortsetzungsroman erschienen. Solche Geschichten ins Netz zu übertragen war bisher jedenfalls finanziell nicht sehr erfolgreich. Autor Stephen King publizierte im Jahr 2000 seinen Fortsetzungsroman „The Plant“ online, beendete ihn aber nicht, die sinkenden Käuferzahlen waren Schuld.



In den USA hat Amazon zusammen mit dem Start-Up-Unternehmen Plympton das Publikationsprogramm Kindle Serial auf den Markt gebracht. Der Gedanke des in Serien aufgeteilten E-Books ist nicht neu. Der E-Book Herausgeber Backlit verkauft Romane als Episoden für 2,99 Dollar. Das Besondere am Kindle Serial ist aber, dass man nur einmal bezahlt – die restlichen Folgen sind kostenlos. Der Preis ist auch noch ziemlich niedrig: ab 1,99 Dollar wird man mit Lesestoff versorgt. Da wird dann wohl auf die kaufende Masse gesetzt.

Die nächsten Episoden folgen dann nach und nach, ganz automatisch – nachdem der Autor sie fertig geschrieben hat. Wenn die nächste Folge verfügbar ist, bekommt der Leser eine E-Mail. Manche neue Episoden werden jede Woche angeboten, andere erscheinen monatlich und manche Folgen bekommt der Leser nur vierteljährlich. Auf der Bücherseite des Kindle-Stores kann man herausfinden, wie oft die Folgen herausgegeben werden. Man muss für die Folgen auch nicht jedes Mal erneut den Download-Button drücken. Wenn sie erschienen ist, kann man die neue Episode sofort und auf dem Kindle lesen. Wie lang das Buch letztendlich ist und wie viele Episoden es also geben wird, variiert jedes Mal. Es ist ja eine Entwicklung. Teilweise wird aber am Anfang geschätzt, um wie viele Folgen es sich handeln wird.

Das an dem Projekt beteiligte Unternehmen Plympton wurde von Jennifer Lee, einer ehemaligen Reporterin der New York Times und von Yael Goldstein, einer Autorin, gegründet. Plympton bezeichnet sich als ein „literarisches Studio“. Sie wollen den Lesern Geschichten bieten, die in Serien aufgeteilt sind und das auf digitaler Ebene. Der Kunde erfährt von Episode zu Episode mehr über Geschichten und ihre Charaktere. „It is a little like sitting down to watch an episode of your favorite show on HBO or AMC“, schreibt das Team auf ihrer Website. Durch den Cliffhanger am Ende einer Folge soll sich der Spannungsbogen halten. Der Leser soll sich denken: „Ich will mehr davon!“.

Veronika von Bredow, PR Managerin von Kindle, ist der Meinung, dass Bücher in Serienform gut ankommen: „Die Leute wollen dann eben wissen, wie es weitergeht. Sie freuen sich auf die nächste Folge“. Der Autor Jonas Winner sieht das auch so und hat als erster deutscher Kindle Direct Publishing Autor innerhalb von zehn Monaten mehr als 100.000 Exemplare seiner siebenteiligen „Berlin Gothic“ - Serie verkauft.
„Die Leser waren ganz begeistert davon, da haben wir also gesehen, dass so was gut ankommt“, sagt Veronika von Bredow. Wann der Kindle Serial in Deutschland verfügbar sein wird, ist noch nicht absehbar.



Text: laurie-hilbig - Bild: dpa

  • teilen
  • schließen