"Sarah und Marc crazy in Love" vereint das Beste aller Reality-Welten

Die gute Nachricht: Nach dieser Show kann eigentlich keine andere Reality-Promi-Soap-Doku mehr kommen.
penni-dreyer

Klar, die Sendung „Sarah und Marc – crazy in Love“, die auch heute Abend wieder im Fernsehen zu sehen sein wird, ist Geschmackssache. Mittelberühmten Sängern dabei zuzusehen, wie sie sich die Haare kämmen und fleißig Cross-Promotion betreiben, ist so unnötig wie ein Kropf. Erstaunlich viele Menschen tun es trotzdem. Und eines muss man den Machern tatsächlich lassen: Pro 7 hat es geschafft, in diese bescheidene Sendung so viele Reality-TV-Formate hineinzupacken, dass damit der gesamte Markt abgegrast ist. Und das bedeutet für uns: Wir müssen uns den anderen Quatsch nicht auch noch aus lauter popkultureller Neugier antun. Zum Beweis: Sämtliche Formate, die in „Sarah und Marc, …“ vereinigt sind:

Links Marc, rechts Sarah, beide, wie man sehen kann, "crazy in Love". In erster Linie geht es bei der Sendung um die beiden Namensgeber, Sarah und Marc, und darum, zu zeigen, was für herzerfrischend normale und immer noch schwer verliebte Eheleute die beiden sind. Nach genau diesem Prinzip lief auch die Mutter aller Reality-Shows, „Newlyweds“, die die beiden amerikanischen Musikanten Jessica Simpson und Nick Lachey aus der unteren in die mittlere Bekanntheitsschublade beförderte. Über drei Staffeln hinweg verfolgten die Zuschauer die beiden frisch verheirateten auf dem Weg in die Ehenormalität. Das war mitunter sogar recht amüsant, weil sich Jessica Simpson immer wieder als ein ziemlich beschränktes Wesen darstellte, dem der Unterschied zwischen Hühnchen und Thunfisch vom Gatten erklärt werden musste. Eine vierte Staffel gab es nicht, da die beiden sich nach nur drei Jahren Ehe scheiden ließen.

Genau dieselbe Show, nur ein klein wenig verruchter, war wenig später das Nachfolgeprojekt von MTV, „Meet The Barkers“. Dort wurde die Ehe der ehemaligen Miss America, Shanna Moakler, und des Drummers der Punk-Darsteller-Band Blink 182, Travis Barker, der Öffentlichkeit vorgestellt, auf dass sie sich an der herrlichen Normalität der Beiden ergötze. Auch diese Ehe scheiterte kurze Zeit nach Abschluss der Dreharbeiten und gebar das Schlagwort vom „MTV-Fluch“, der über den dargestellten Ehen schwebe. Etwas weniger hysterische Menschen dagegen gehen davon aus, dass sich diese Trennungen unausweichliche Konsequenz aus dem Zusammenleben zweier Narzissten mit schiefer Realitätswahrnehmung ergeben.

Aber nicht nur Liebe und Ehe sind Thema bei „Sarah und Marc, ...“. Auch die Nachwuchs-Ambitionen von Sarahs kleiner Schwester Lulu werden nacherzählt und ihrer Karriere in jeder möglichen Weise nachgeholfen und man kann seinen sofabreiten Hintern darauf verwetten, dass spätestens zum Ende der Staffel Lulus erste Single im Handel erhältlich sein wird. Auch diese Schwestern-Verbindung gab es schon, die Sendung hieß „The Ashlee Simpson Show“ und folgte den Bemühungen von Jessicas kleiner Schwester, ein Debut-Album zu produzieren. Nachdem sie sich eine neue Nase geleistet hatte und ihre Karriere den nötigen Aufschwung erlangt hatte, wurde die Sendung nach zwei Staffeln eingestellt. Ms. Simpson ist mittlerweile schwanger und hat einen Emo-Ehemann namens Pete Wentz.

Ein ganz aktuelles Beispiel dieser Vermarktungsstrategie kleiner Schwestern ist zurzeit im amerikanischen Fernsehen zu sehen: Ein Kamerateam folgt der 14-jährigen Ali Lohan, Schwester von Lindsay, und ihrer Manager-Mutter Dinah beim Versuch, auch aus diesem Kind so viel Geld wie möglich herauszupressen. Das sieht eher unschön aus, auch wenn Ali die meiste Zeit ein tapferes Gesicht aufsetzt und gebetsmühlenartig wiederholt, dass es sich bei dieser Kinderarbeit um ihren größten Traum handelt - wenn sie nicht gerade vor lauter Erschöpfung heult.

Um noch ein wenig Abwechslung in das Pro7-Produkt reinzubringen, wird auch immer wieder die Großfamilie rund um den Connor-Terenzi-Clan gezeigt. Immer geht es „sympathisch chaotisch“ und quirlig zu und am Ende macht ein Hund in die Ecke. Was wiederum frappant an die Mutter aller Reality-Shows, „The Osbournes“ erinnert. Viel Gefluche, viele winzige Pinscher und ein vom Drogenkonsum gezeichneter Familienvater, seine resolute Gattin und die wohlstandsverwahrlosten Kinder Kelly und Jack. Lustig war’s trotzdem.



Text: penni-dreyer - Foto: ddp

  • teilen
  • schließen