Schoki teilen: Wie Entwicklungshelfer an Schulen unterrichten

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Am Ende hat sich Katrin Koops, 35, regelrecht danach gesehnt, mal wieder frieren zu können. Drei Jahre war sie für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) im Niger in Afrika, um dort den zweisprachigen Unterricht zu fördern. Niger war einst französische Kolonie und die Amtssprache ist bis heute Französisch. Katrin Koops brachte mit Theaterprojekten wieder Hausa in die Schulen, eine der zehn wichtigsten Sprachen im Land. Heute, nach ihrer Rückkehr, gibt sie ihre Erfahrungen an Schulen weiter und kümmert sich darum, dass noch viel mehr einstige Entwicklungshelfer im Schulunterricht vorstellig werden. Gut, ganz neu sind solche Aktionen nicht. Der DED schickt seit Jahren rückkehrende Entwicklungshelfer auch in Klassenzimmer. Künftig sollen es aber noch weitaus mehr werden: In einem sogenannten Konsortium haben sich der DED, der Arbeitskreis Eine Welt Reutlingen, das Eine Welt Netz NRW und Thüringen und das Institut für angewandte Kulturforschung zusammengetan.

Viele Entwicklungshelfer arbeiten im Ausland an Bildungsthemen. Zurück in Deutschland sollen das nun auch öfter machen und an Schulen erzählen, was sie über die Globalisierung oder Armut gelernt haben. Das Bild zeigt Schüler in der Grundschule von Ndego, Ruanda. Die Bundesregierung drückte den Machern dieses Verbundes Geld in die Hand, damit unter dem Titel „Bildung trifft Entwicklung“ mehr Helfer in den Schulen von ihren Erfahrungen erzählen. Von vier Büros in Düsseldorf, Göttingen, Reutlingen und Weimar aus sollen bis zu 300 Helfer koordiniert und vermittelt werden. Katrin Koops ist eine dieser Helferinnen, sie arbeitet in der Bildungsstelle Düsseldorf als Referentin, also in einem der vier Büros und hat gut 70 Ex-Helfer in ihrer Kartei, die sich bereit erklärt haben, für Vorträge umher zu reisen. Zurzeit sind für den DED gut 1.000 Helfer in 45 Ländern im Einsatz. Einer zum Beispiel war in Bolivien in einem Kakao-Projekt. „Er steigt vor den Schülern mit der Frage ein, wer denn gern Schokolade isst? Wieviel man dafür ausgibt?“ erzählt Koops. Dann dröselt der Mann die Kalkulation auf: Wieviel des Preises landet beim Bauern? „Dreiviertel des Preises bleiben unterwegs hängen“, sagt Koops. Dann geht es um Fair Trade, um Kakao und Welthandel. Die Entwicklungshelfer werden zu Welt-Experten und schlagen den Schülern den Bogen von der Theorie zur Erfahrung in Hilfsprojekten. Während Oberstüfler vom Kakao-Experten Zusammenhänge hören, bekommen Grundschüler eine einfache Fortbildung in Sachen Gerechtigkeit. „Er legt eine Tafel Schokolade zwischen 30 Schüler und sagt: Teilt!“ Nachher erklärt er, wie Kinder in Afrika das Teilen-Problem angehen: Der Älteste würde das Stück nehmen und den Jüngsten das größte Stück geben undsofort. „Daraus entsteht dann eine Diskussion darüber, was Gerechtigkeit ist“, so Koops. Die Entwicklungshelfer wollen die bullige Großthemen wie "Globalisierung", "Armut" oder "Klimwandel" fassbar machen. Sie berichten aus eigenen Projekten, mitunter graben sie sich extra für die Schüler in die Themen ein. Koops wird aber auch oft gefragt, wie man in die Entwicklungshilfe einsteigt und ihr kommen mitunter irritierende Fragen unter, wenn sie vor Schülern steht. Da erklärt sie, dass der DED nur Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung in andere Länder entsendet, als ein Schüler fragt: Wieso brauche ich da eine abgeschlossene Ausbildung, wenn die Leute doch eh nichts wissen? "Da habe ich meinen Vortrag abgebrochen und wir haben darüber diskutiert, wie man zu solch einer Haltung kommen kann", sagt Koops. Sie schränkt auch ein, dass einmalige Einsätze an den Schulen nicht besonders nachhaltig seien und wünschte sich, dass Inhalte der Entwicklungshilfe in allen Fächern vorkämen. Manchmal passiert das auch schon, wenn in Mathematik zum Beispiel mit Statistiken aus der Entwicklungshilfe gearbeitet wird.

War drei Jahre im Niger und will mehr Entwicklungshelfer an Schulen schicken: Katrin Koops (Mitte). Drei Jahre war Katrin Koops im DED-Auftrag im Ausland. „Die Zeit war für mich genau richtig. Ich habe mich wohl und Zuhause gefühlt, hatte aber irgendwann wieder Sehnsucht nach Kultur, Theater, Oper. Nach Frieren. Der Niger ist ein ländliches Land, Großstadtfeeling gibt es dort auch in der Hauptstadt nicht und ich war viel auf dem Land unterwegs.“ Was hat sie für sich selbst während der Zeit im Ausland gelernt? „Geduld vor allem. Und sich zurücknehmen können. Ich war zwar als Leiterin unserer Mission unterwegs, aber als wir in den Dörfern ankamen, in denen ich die Dorfchefs von meinem Projekt überzeugen wollte, Theaterprojekte in einer der angestammten Sprachen zu machen, war ich erst mal nicht interessant. Da stand mein Chauffeuer mit seinen 60 Jahren im Mittelpunkt.“ Laut DED gab es bereits 2.000 Veranstaltungen dieser Art, bei denen DED-Helfer an Schulen auftauchten, um ihre Erfahrungen zu vermitteln. Wer gerne Entwicklungshelfer an die eigene Schule laden möchte, kontaktiert eine der oben verlinkten Adressen der Initiative „Bildung trifft Entwicklung“. Wer sich selbst für Freiwilligendienste oder Entwicklungshilfe interessiert, findet auf der Seite des Arbeitskreises Lernen und Helfen in Übersee erste Informationen.

Text: peter-wagner - Fotos: ddp und ded.de

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