Schon mal reingehört: Das neue Werk von K.I.Z.

Irgendwo zwischen Politik und Pimmelwitzen pendelt das neue Album „Sexismus gegen Rechts“ von K.I.Z. zwischen Wahnsinn und Wahrheit hin und her.
daniel-schieferdecker

Die K.I.Z.-Jungs sind wirklich ein kleines Phänomen. Denn wieder einmal werden sich Kritiker, Zielgruppe und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien bei Stücken wie „Ringelpietz mit Anscheißen“ freudenstrahlend in den Armen liegen und augenzwinkernd und inbrünstig jede Zeile über Analverkehr mitgröhlen. Minderjährige Mädchen werden T-Shirts mit dem Pimmel-Logo der Band tragen, sämtliche Konzerthallen einrennen und gemeinsam zu den frauenverachtenden Texten auf den Boxen tanzen. Aus unerfindlichen Gründen kann sich nahezu jeder auf die skandalträchtige Musik von Tarek, Nico, Maxim und DJ Craft einigen, und das ist irgendwie komisch. Sicherlich, auch auf dem neuen Tonträger „Sexismus gegen Rechts“ findet man wieder massenhaft gelungene Texte mit viel Humor, Sarkasmus und Ironie, die technisch gut vorgetragen sind und in ohrwurmeske Melodiebögen eingebettet wurden. Dafür kann man das Quartett durchaus lieb haben. Dennoch fällt auch 14 Mal explizit das böse Bäh-Verb für Geschlechtsverkehr, 16 Mal eine andere Bezeichnung für Prostituierte und genau 57 Mal fallen gewaltverherrlichende Aussagen, über die man als verantwortungsvoller Konsument eigentlich nicht hinweghören kann. Hinzu kommt der Umstand, dass der Plattentitel dermaßen wörtlich genommen wurde, dass knapp 70 sexistische Statements und 15 Nazi-Vergleiche ausfindig zu machen sind, die eine allgemeine Entrüstungswelle lostreten müssten oder zumindest eine Demonstration der Feministischen Partei DIE FRAUEN gegen die geplante Veröffentlichung dieses ferkeligen Tonträgers. Aber nichts passiert. Im Gegenteil. Vermutlich wird „Sexismus gegen Rechts“ wie der Vorgänger „Hahnenkampf“ in die Album-Top-Ten einsteigen und weitere Echo-Nominierungen nach sich ziehen. Verrohung der Jugend, ick hör dir trappsen. Aber ganz ehrlich: Wenn man nicht von einer Allergie gegen den Gebrauch zotiger Pfui-Worte geplagt ist, keine Abneigung gegen metaphernreiche Sprachspiele und Vergleiche hat und nicht vollkommen spaßbefreit ist, dann kommt man an „Sexismus gegen Rechts“ einfach nicht vorbei. Tarek selbst hat es recht treffend auf den Punkt gebracht: „Wir haben uns ein bisschen an der Bild-Zeitung orientiert. Die ist auf der einen Seite ja auch sehr plakativ und holzhammermäßig, andererseits aber auch wunderschön bunt und mit nackten Titten.“ So springen einem sämtliche Tracks auf einem Trampolin voller Melodien mit einer doppelgereimten Flugrolle in die Ohrmuschel und meißeln einem dort mittels Hammer und Amboss dreckige Testpassagen und Sozialkritik in die Hirnrinde. Die Punchline-Top-Five vermittelt davon hoffentlich einen kleinen Eindruck: - „Ich bin der weiße Riese, wer ist dieser Rübezahl? Du hinterlässt braune Streifen wie Leni Riefenstahl.“ (aus „Lass die Sau raus“) - „Ihr verpestet die Bahn mit eurem Schweiß und verbietet mir dann S-Bahn zu surfen, ihr wurdet Bullen, weil ihr zu feige seid, Verbrecher zu werden.“ (aus „Selbstjustiz“) - „Ich will dein Mutterkuchen, ich hab’ Lust auf Gebäck, spiele Russisch Roulette und mein Schluckauf ist weg.“ (aus „Eintritt“) - „Ich sammel Treueherzen auf der Reeperbahn, doch mein Pimmel will nicht groß werden wie Peter Pan.“ (aus „Die kleinen Dinge“) - „Und die Arbeitslosen wollen sich nicht bücken zur Spargelsaison, wollen Urlaub, dabei haben die doch schon gut Farbe bekommen.“ (aus „Rauer Wind“)

"Sexismus gegen rechts" erscheint Angfang Juli auf Vertigo Be/Universal

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