Schwabbel wird salonfähig

Lena Dunham ist das neue Fernseh-Fräuleinwunder und demnächst in ihrer eigenen Serie auf HBO zu sehen. Sie hat einer Frauenfigur im Fernsehen Platz verschafft hat, die es so bisher noch nicht gab.
christina-waechter

Sie ist 25 und so etwas wie das Fräuleinwunder der Stunde. Erste Bekanntheit erlangte Lena Dunham 2010 mit ihrem Debütfilm „Tiny Furniture", den sie selbst geschrieben und produziert hat, in dem sie die Hauptrolle spielte und auch noch Regie führte. Darin gibt sie die College-Absolventin und Vorzeige-Slackerin Aura, die wieder bei ihrer Überflieger-Künstler-Familie einzieht und sich entweder zu Hause daneben benimmt oder von narzisstischen Arschloch-Männern ausnutzen und dabei gleichzeitig sexuell zurückweisen lässt. Die Handlung ließ dem Zuschauer sehr viel Raum zum Fremdschämen mit Dunham, was die junge Künstlerin auch voll auszuschöpfen wusste.

 



Seit ihrem Überraschungserfolg hat sie scheinbar nicht mehr aufgehört zu arbeiten. Und ein Ergebnis dieser Arbeit wird bald auf HBO zu sehen sein: Ihre neues Werk ist die TV-Serie „Girls", die sie zusammen mit dem Comedy-Schwergewicht Judd Apatow produziert hat – und in der sie wieder die Hauptrolle spielt: „Girls" handelt von vier jungen Freundinnen, die versuchen, sich in New York durchzuschlagen – und trotz dieser sehr bekannten Voraussetzung ist die Serie alles andere als eine Neuauflage von „Sex & The City". Es ist vielmehr eine realistische Zeichnung der schwierigen Zeit zwischen Uni und Arbeit, in der unsere Neigung zum Narzissmus für gewöhnlich ihren Zenith erklimmt und wir uns gleichzeitig sehr, sehr wertlos fühlen können. Gepaart mit den unschönen Begleiterscheinungen der Rezession, die Amerika seit Jahren fest im Griff hat, ist „Girls", wenn man den Vorschauen glauben kann, etwas sehr Besonderes: Ein realistisches Portrait junger Frauen und ihres Lebens im Jahr 2012, das ganz ohne Modegewäsch auskommt und dabei sehr, sehr lustig ist.

http://www.youtube.com/watch?v=9RIqj_ZgGN0

Ganz besonders bemerkenswert ist aber vor allem, dass Dunham einer Frauenfigur im Fernsehen Platz verschafft hat, die es so bisher noch nicht gab: Die übergewichtige, fusselsträhnige Heldin mit zu dünnen Lippen, kurz: die Heldin, die haargenau so aussieht wie ich. Und du. Und alle anderen Menschen auch, die keine Schauspieler oder Models sind. Dunham ist nicht besonders hübsch und sie hat Übergewicht, nicht nur in Fernsehmaßstäben. Und trotzdem zieht sie sich vor der Kamera aus, hat Sex, erlebt romantische Situationen. Und als Zuschauer staunt man, wie sehr dieser Anblick von den üblichen Sehgewohnheiten abweicht. Ein bisschen so, als würde man seine sehr nette, aber auch sehr durchschnittlich aussehende Freundin an einem Abend in der Bar dabei beobachten, wie sie den übermenschlich hübschen Barkeeper anbaggert – und am Ende auch noch mit ihm nach Hause geht.

Ein großer Grund zur Freude - nicht nur für die Freundin!

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