Shake It Like a Polaroid Picture

Foto: Arista/BMG; Collage: jetzt.
christoph-koch
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Foto: Arista/BMG; Collage: jetzt.de Endlich ist das neue Outkast-Album erschienen. Der lang erwartete Nachfolger zum mehrfach platingekrönten „Stankonia“ (inkl. „Miss Jackson“ und „So Fresh, So Clean“) ist sogar ein Doppelalbum geworden. Allerdings kein gewöhnliches, sondern ein eher trauriges: „Speakerboxxx / The Love Below“ sind nämlich eher zwei Soloalben der beiden Outkast-Hälften Big Boi und Andre 3000. Die gemeinsame Zeit scheint vorbei. „Wenn du zwei exzellente Köche hast, die in derselben Küche arbeiten, und nebenan steht eine Küche leer – ist das nicht etwas dumm?“ fragt Big Boi im Interview, und beide beteuern, das sei doch eine ganz normale Entwicklung, getrennt zu arbeiten. Alles in Ordnung, bro'. Die Interviews finden getrennt voneinander statt, beim abendlichen Auftritt stehen Big Boi und Andre nie gleichzeitig auf der Bühne, nicht einmal bei gemeinsamen Outkast-Hits. Seltsam. Dabei ist es eigentlich weniger überraschend, dass die beiden jetzt unterschiedliche Richtungen einschlagen, sondern eher, dass sie es geschafft haben, gemeinsam in fast zehn Jahren vier großartige Alben aufzunehmen. Denn während Big Boi der klassische Hiphop-Proll ist, Pitbulls züchtet, ordentlich Platin im Gebiss sitzen hat und weite Sportswear und dicke Brillanten trägt, ist Andre eher der sanfte und bedächtige Künstlertyp. Jemand, der in seiner Freizeit Bilder malt, weder Alkohol noch Fleisch zu sich nimmt und auch mal einen Nebensatz zu konstruieren vermag. Diese Unterschiede hört man auch den beiden Alben an: Die „Speakerboxxx“-Hälfte erinnert eher an alte Outkast-Zeiten und fährt genreübliche Kollaborationen (z.B. mit Jay-Z und Ludacris) auf. Dicke, fette Beats und Bässe, üppige Bläser, ein Funkmonster, wie man es von vergangenen Produktionen von Big Boi gewohnt ist. Dre3000s „The Love Below“ schlägt da eine ziemlich andere Richtung ein und beschwört den Geist von Soul und Jazz, manchmal schimmert auch der alte Prince durch. Generell ist das Tempo sehr gemächlich, nur bei den beiden besten Stücken des Albums „Hey Ya“ und „Spread“ wird der Beat etwas schneller, statt mit Samples wird mit viel Gitarre und Piano gearbeitet, statt gerapter Reime gibt es geschmachtete Liebesschwüre. Doch was bleibt, wenn die Sonne untergeht? Zwei gute Alben zweifellos, die jedoch beide so viel Füllmaterial aufweisen, dass man sich nach einem komprimierten Gemeinschaftswerk sehnt – einem Schlag, der den Ball mit einem Knall in weitem Bogen über die Zuschauertribüne hinaushämmert. Outkasts „Speakerboxxx / The Love Below“ ist soeben bei Arista / BMG erschienen.

  • teilen
  • schließen