Sie haben SPAM

„Sie haben 30 neue Nachrichten im Ordner Spamverdacht.“ – ein häufiger Hinweis bei kostenlosen Webmail-Anbietern wie GMX oder web.de. Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK hat nun ergeben, dass 40 Prozent aller ankommenden Werbemails ungewollte Spam-Nachrichten sind.
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Illustration: Julia Schubert

Die 60 Prozent übliche Werbenachrichten dagegen hat man wahrscheinlich selbst zu verantworten. Freiwillig, wenn auch leichtfertig, hat man sich eines Tages für den Newsletter der Frauenzeitschrift oder des Auto-Teile-Händlers entschieden. Am Donnerstag und Freitag dann, pünktlich zum Verkaufssamstag, beginnt in diesen Unternehmens-Mailverteilern die Rush-hour. Laut GfK, vor allem mit einem Ziel: den Kunden unter 30. Richtigen Spam-Mails hingegen sind Alter, Uhrzeit und Wochentag ziemlich egal. Von legalen Werbemails unterscheiden sie sich auch darin, dass der Link, mit dem man diese Newsletter jederzeit abbestellen kann, völlig fehlt. Die „heißen“ Nachrichten von Becky, Pam oder Jeff in der Mailbox hat man nämlich eigentlich nie bestellt - kann sie also auch nicht kündigen. Mit jeder der Spam-Mails erreicht einen auch der Makel frei Haus, die eigenen Internetaktivitäten könnten nicht ganz unbelastet sein. Die Spamschuld trifft einen so gleich mehrfach. Zunächst fällt auf den Empfänger der Verdacht, dass man sich den Spam auf unsauberen Seiten eingefangen habe. Zweitens hat man sich wahrscheinlich schuldig gemacht, indem man seine Email-Adresse irgendwo auf eine Homepage gestellt und damit schutzlos Mailfishing-Programmen ausgeliefert hat. Eine dritte Schuld trifft noch all jene, die sich mit Mailprogrammen nicht auskennen. Die Spamflut bei ihnen kann nur daran liegen, dass sie zu doof oder faul sind, den Mailfilter richtig einzustellen – behaupten zumindest Könner. Eine gewisse Trägheit des Kunden ist es tatsächlich, die sich legale Werbenachrichten zu Nutze machen. Das Passwort, mit dem man sich abmelden könnte, hat man nämlich längst vergessen. Und um den zigfachen Mailverkehr zu Erlangung eines neuen zu vermeiden, belässt man es meist doch beim Werbeabo. Ein viel versprechender Ansatz. Denn bereits Zweidrittel der gesamten Direktmarketing-Post, sagen die Gfk-Zahlen, werden über Mails abgewickelt. Das spart zumindest das Papier der Postwurfsendungen. Ob das Verhältnis zwischen Werbung und Spam allerdings so ganz stimmt, ist beim Blick auf Becky und Co im überbordenden eigenen Postkasten zweifelhaft. Hat Spam nicht schon längst gewonnen? Chancenlos zumindest liegen neben 20 Emails im Ordner „Spamverdacht“ fünf Nachrichten im normalen Posteingang. Eine davon vom GMX-Team, zwei von Becky und eine mit dem Betreff „Penis Enlargement“. (Foto: Reuters)

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