Sie singen für England, In-ger-land!

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Auch die WM 2006 wird keine Ausnahme in der musikalischen Dauerunterlegenheit sein: Deutschland hat Trottel-Eurodance (vom ansonsten respektablen Bob Sinclar), zweifelhafte Chorgesänge aus Bottrop und die in Sachen Fußball unvermeidlichen Sportfreunde Stiller. Doch was hat England? Eine nahezu unüberschaubare Menge an World Cup Songs hat sich angekündigt.

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Illustration: Julia Schubert

Den offiziellen Song mit dem an ehemalige Empire-Zeiten anknüpfenden Titel "World At Your Feet" dürfen die Pathospopper von Embrace (Foto: embrace.co.uk) aufnehmen. Doch das schmeckt nicht allen Briten und so schießen allerorts "inofficial world cup anthems" ins Kraut, Internet und Radio. Wenn die Auflaufkinder vereinigt sind Jimmy Pursey, früher bei den Punkhelden von Sham 69 (von denen das wundervolle "Hersham Boys" ebenso stammt wie die Fußballhymne "If The Kids Are United") wurde von den Zuhörern des Radiosenders Virgin Radio auserwählt, deren Konkurrenzsong zu singen. "Hurry Up England" wird eine Neuauflage des 1978er Sham-69-Hits "Hurry Up Harry" sein - und alle Einnahmen sollen jugendlichen Krebskranken zugute kommen. Doch auch andere längst vergessene Musiker kehren für die WM an die Mikrophone zurück. Sänger Joe Fagin will seinen Hit "That's Livin' Alright" von 1984 wieder auflegen. Der Song war damals die Titelmelodie einer TV-Serie namens "Auf Wiedersehen, Pet" und man ahnt natürlich, auf welch schändliche Anwendung dieses Slogans die Briten bei der WM hoffen.

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Illustration: Julia Schubert

Komm schon, du beficktes England Ein weiteres Konkurrenzprodukt zum offiziellen Embrace-Song hat Alex James von Blur (Foto: AP) angekündigt: "Genauso wie man jeden Winter vergisst, wie kalt es wird, vergisst man auch bei jeder WM wie riesig das Ereignis ist", erklärte er gegenüber der Musikzeitschrift NME. "Die ganze Welt steht still. Viele Leute haben mich schon gefragt, ob ich einen Fußballsong machen will, aber ich habe immer abgelehnt. Jetzt langsam bekomme ich Lust darauf. Embrace? Besser als den Scheiß bekomme ich es auf jeden Fall hin." Erste Songentwürfe umfassen unter anderem Ian McCulloch, wie er "Come on, come on you fucking England" über die Melodie von Brian Ferry's "Let's Stick Together" singt.

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Illustration: Julia Schubert

Auch Bez, der legendäre Rumbarassel-Schüttler und Drogenvorkoster der Raveband Happy Mondays, hat einen eigenen WM-Song angekündigt, genauso wie die düsteren Retro-Rocker von Kasabian. Von Bez, der bisher noch nie etwas ohne die Happy Mondays veröffentlicht hat, sind bislang die catchy Songzeilen "One ball/One team/Three Lions/One dream" überliefert. Alles höchst vielversprechende Ansätze, in Deutschland muss man sich derweil mit Comedian-Harmonists-Replikanten rumschlagen, die Wunder-von-Bern-mäßig mit alten Lederbällen posieren (Foto: diebahn.de). Wie unsagbar öd.

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