Sind NPD-Wähler Gartenzwerge? Die tiefere Bedeutung eines NPD-Wahlkampfspots

Auf der Webseite der NPD Hessen wirbt ein Wahlkampfspot mit grenzdebilen Zwergen
philipp-mattheis

Ironie im Journalismus ist eine heikle Angelegenheit. Sie wird von der überwiegenden Mehrheit der Leser nicht als solche erkannt. Ironie in Wahlwerbespots ist eine dumme Angelegenheit, da sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit viele Wählerstimmen kostet. Nun ist Intelligenz ohnehin nicht unbedingt eine Eigenschaft, die man der NPD unterstellt. Für so blöd hält man sie gewöhnlich aber doch nicht. Stünde der Wahlwerbespot der NPD für die hessische Landtagswahl am 27. Januar nicht auf der Webseite der Partei, man wäre sich der Urheberschaft sicher: Hier war das Satire-Magazin Titanic am Werk. Da buddeln drei Zwerge mit Zipfelmütze im Waldboden und finden Goldnuggets (Zwerg 1: „Oh“, Zwerg 2: „Ah“, Zwerg 3: „Uh“). Doch die Freude über den Fund währt nur kurz. Ein junger Mann mit zurück geschleimten Haaren tritt ins Bild und nimmt den drei Zwergen die Goldstücke wieder weg: „Das ist für die Mehrwertsteuer und das für die Benzinsteuer. Ja und Diäten und die Ausländer müssen auch bezahlt werden.“

Die Zwerge sind traurig. Doch der Retter naht. Es ist NPD-Landesvorsitzende Marcel Wöll, der auf einem Pferd galoppierend und der NPD-Fahne in der Hand den Steuereintreiber in die Flucht schlägt. Er gibt den Zwergen die Goldstücke mit den Worten „Wer ehrlich arbeitet, soll auch ehrlich verdienen“ zurück und dann sprechen alle gemeinsam „NPD – die Partei des kleinen Mannes.“

Ästhetisch wirkt der Clip als seien ein paar 16-Jährige mit der Digi-Cam in den Wald gegangen: Das Bild wackelt, ist stellenweise unscharf, die Farben sind trübe. In der zweiten Hälfte des Clips ist Schluss mit lustig. Es folgen die üblich abstrusen Phrasen, die man von rechtsextremen Parteien gewohnt ist: „Senkung der Abgeordneten-Diäten auf 50%!“, „Streichung der Zuschüsse für jüdische Gemeinden“ und „Ausweisung aller kulturfremden Ausländer“ Durch die letzte Parole sah der Hessische Rundfunk den Straftatsbestand der Volksverhetzung berührt und weigerte sich, den Spot auszustrahlen. Recht bekam der Sender von 10. Kammer des Frankfurter Verwaltungsgericht. Doch am Donnerstag hob der Hessische Verwaltungsgerichtshof die Entscheidung auf: Der Spot läuft jetzt im hessischen Fernsehen. Offen bleiben folgende Fragen:: - Sind alle NPD-Wähler in Wahrheit Zwerge? - Steckt hinter Webseite www.volksfront-medien.de das Magazin Titanic? - Will die NPD einem Verbot zuvorkommen, indem sie zur Spaß-Partei mutiert? - Ist der deutsche Wald voller Gold? - Sind alle NPD-Kader beritten und tragen eine Fahne? - Wie sollen wir mit offensichtlich "kulturfremden" Parteien umgehen?

Text: philipp-mattheis - Foto: www.npdhessen.de

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