Vor einigen Wochen sah die ganze Welt in den Nachrichten, wie Muslime auf die Straßen gingen und – zum Teil gewaltsam – gegen ein Video demonstrierten, dass den Propheten Mohammed und damit ihren Glauben beleidigte. Währenddessen wartete eine kleine Zwei-Mann-Skateboard-Firma in Auckland in Neuseeland auf die Lieferung ihrer neuen Skateboard-Designs und der dazugehörigen Poster. In die Vorfreude auf die Ankunft der Decks mischte sich angesichts der Nachrichten im Fernsehen auch ein leicht mulmiges Gefühl.  

Auf den neuen Skateboard-Decks war nicht einfach nur das Firmenlogo zu sehen. Die Serie umfasst vier verschiedene Motive, ihr Titel lautet „Religion is Garbage“, und der ist auch über jedem Motiv prominent platziert. Die Bilder zeigen zum Beispiel Moses als von Fliegen umkreisten Zombie, Tom Cruise im Ali-G-Look mit der Bildunterschrift Schientolo G, oder die Hindu-Gottheit Ganesha mit blutunterlaufenenen Kifferaugen, Bong und Joint in der Hand. Weitere Motive, die schon 2010 auf den Markt gekommen waren und jetzt um Zuge der Veröffentlichungen der neuen Motive wieder im Netz verlinkt wurden, zeigen unter anderem einen „Pedo-Pope“ und einen „Ticktock Muhammad“, den Propheten mit einer Bombe um den Leib. Kritik, die nicht sonderlich viel Rücksicht auf die Gefühle religiöser Menschen nimmt.  



Vor ein paar Tagen sind die neuen Skateboards angekommen, auch die Poster hängen in der Stadt. Kennedy Poynter, einer der zwei Inhaber der Firma Eshe-Skateboards, bekam prompt Besuch von der Polizei. „Die wollten sich vergewissern, ob wir Drohungen erhalten haben“, erzählt er, kann aber gleich beruhigen. Es habe sie niemand bedroht. Es seien neben Beschwerde-Mails und negativen Kommentaren im Netz vor allem viele positive Rückmeldungen gekommen.

Warum aber druckt eine kleine Skateboard-Firma überhaupt solche Bilder auf ihre Decks? Es gehe um die Punk-Attitüde, das Infragestellen von Autoritäten, das Rebellische, das dem Skaten längst verloren gegangen sei, sagt Kennedy: „Skaten eckt nicht mehr an. Die meisten Boardgrafiken sind nur Firmenlogos. Wenn jemand was Provokantes machen will, druckt er Schnaps oder Gras auf seine Decks. Wir wollten ein richtiges Statement abgeben.“ Die Religion habe man sich 2010 ausgesucht, in einer Zeit, als ohnehin über Blasphemie, Satire und Religion diskutiert worden war und gleichzeitig die katholische Kirche mit den Missbrauchs-Skandalen zu kämpfen hatte. „Am meisten stört mich, dass Religion gerne Einfluss auf die Politik nimmt und es liebt anderen vorzuschreiben, was sie in ihrem Privatleben tun und lassen sollen. Aber die Religion soll von Kritik befreit sein.“

Gegen den Vorwurf, nur wegen des Marketing-Effekts provozieren zu wollen, wehrt sich Kennedy: „Natürlich ist die Aktion nicht schlecht für unseren Bekanntheitsgrad. Aber es ging vor allem um die Kritik.“ Dass die ziemlich offensiv ist und auf manche verletzend wirken könne, nimmt er in Kauf. Es sei aber eindeutig genug, dass sich die Satire nicht gegen Gläubige an sich richte, sondern gegen Organisationen und Religionsführer, die ihre Religion missbrauchen, um die Meinungsfreiheit zu unterdrücken. Mit dieser Argumentation antwortete Kennedy auch auf eine Beschwerde, die nach Veröffentlichung der ersten Designs bei der neuseeländischen Advertising Standards Authority eingegangen war.

Eshe produziert von jedem Motiv nur 50 Stück – zu wenig für den Massenmarkt. Von den ersten Brettern gab es sogar nur 20 je Design, mittlerweile werden sie als Sammlerstücke gehandelt. Die zweite Serie, sagt Kennedy, habe man gewissermaßen aus Gründen der Vollständigkeit produziert; die ersten Grafiken machten sich nur über Christentum und Islam lustig, man wollte nachlegen, adressierte jetzt Hinduismus, Scientologen und das Judentum. Aber auch jetzt gab es noch Beschwerden: Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte Eshe eine Mail von der „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“, die sich beschwerte, nicht in der Posterserie aufzutauchen.


Text: christian-helten - Fotos: Eshe Skateboards