Ski’s so fine

Es geht wieder los, Ski auf’s Dach, die lange Unterwäsche in die Reisetaschen, Proviant einkaufen und los. Früh morgens, wenn es draußen noch dunkel und kalt ist, ins Auto, um zur Liftöffnung an der Piste zu sein. Dazwischen: lange Stunden im Auto, müde aber vorfreudig. Die ersten Berge erscheinen vor der Frontscheibe, später glitzern die ersten Pisten weiß und weit im Licht der Sonne. Fehlt nur noch die Musik, die die Müdigkeit bekämpft und der Euphorie Weg macht. Ein Vorschlag jenseits von „Lords Of The Boards“ und „Skifoan“.
daniel-erk
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Illustration: Julia Schubert

1. Razorlight: Don’t Go Back To Dalston Musik zum Losfahren. Den Motor an, vor den Haustüren bei den Freunden warten, sich auf die Schulter klopfen, alles dabei? Ein Gefühl von Aufbruch in den Lungen, den Schlaf in den Augen und besser etwas im Ohr, das schön wach macht. Wenn schon die Chaoten auf der Rückbank noch, ach: schon wieder schlafen. Vielleicht gerade ganz gut so. 2. Dandy Warhols: Get Off Noch ein Lied, das Lust auf Fahren macht. Rauf auf die Autobahn, noch ist sie einigermaßen frei. Konzentration jetzt, den Blick schön nach vorne. Auf der Rückbank ist Ruhe, auf der Straße auch. Und noch macht es beste Laune, hier im Auto zu sitzen mit diesen Menschen, um diese Zeit – vor allem aber: mit diesem Ziel und diesem Lied! 3. Catatonia: Road Rage Die Sonne erhebt sich, die Chaoten hinten auf der Rückbank wachen langsam wieder auf, maulen, die erste Runde belegte Brötchen wird durchgereicht. Catatonia singen „You are racing to the best days“. Und genau so fühlt sich das auch an. 4. Architecture in Helsinki: It’s 5 Eins, zwei, drei, vier, wir sind zu fünft unterwegs. Das wissen auch Architecture in Helsinki aus Australien, eine dieser Bands, die uns in diesem Jahr noch voller Freude in den Ohren liegen werden. Die Australier haben die Euphorie gebucht, zumindest für dieses Lied, das man schön mitschnipsen, mitsummen und mitsingen kann. Damit die Kids im Auto nicht anfangen zu quengeln. 5. Laurel Music: No One Wants Forever (downloadbar) Überraschung: Es hatten noch andere die gute Idee, früh am Morgen loszufahren: Stau im Voralpenland. Jetzt besser Ruhe in die Karre kriegen, ehe die Euphorie in Nervosität umschlägt und zu Unzufriedenheit wird. 6. Lassie Singes: Hamburg Eh’ ein Pflichtlied für jede Autofahrt. Klingt wie ein Stau oder einschlafende Beine auf dem Mittelsitz der Rückbank – und fängt damit die drohende schlechte Laune auf. Im Radio läuft längst BR3 statt HR3, und das BR-Radiojingle, das die mindestens halbstündigen Staumeldungen einläutet, klingt schon bald nicht mehr nach Wartezeit – sondern nach Urlaub. Und dann nichts wie ran an die Vorräte – „Schnitzelalarm!“ 7. The Beatles: Long, Long, Long Der Verkehr fließt weiter zäh, je mehr sich die Fahrt den Alpen nähert. Lang, lang, lang dauert das alles, zu lang. Aber die Beatles bringen Ruhe und Gelassenheit in den Wagen. Und dann, plötzlich geht es weiter. 8. Kaizers Orchestra: Blitzregn Baby Freie Fahrt! Lautsprecher auf und ab durch die Mitte. Jubel bei den wieder begeisterten Chaoten auf der Rückbank, auf dem Beifahrersitz wird hektisch der Straßenatlas gesucht. Jetzt bloß nicht verfahren, die richtige Abfahrt nehmen und keine Zeit verlieren. Fahren, fahren, fahren auf der Autobahn – und irgendwann auch runter. Es geht voran, ab jetzt über Landstraßen. 9. A Boy Named Thor - Snowangels (downloadbar) Kein Sampler zum Weg in den Schnee ohne Lieder über das gefrorene Weiß. A Boy Named Thor ist ein toller, wirrer Typ, der sich der größenwahnsinnigen Aufgabe verschrieben hatte, hundert Songs in hundert Tagen zusammenzukloppen. "Snowangels", ist wie viele andere der Lieder, toll. Und wenn man will, kann man ja vielleicht ein paar Meter von der Straße abfahren, sich in den Schnee fallen lassen und mit den Armen wedeln. Und danach warmen Tee trinken. 10. The Icicles - Snowman Song (downloadbar) Und, jede Wette, wo ihr gerade das erste Mal im Tiefschnee steht, irgendjemand wird Schneebälle werfen. Besser ist natürlich einen Schneemann zu bauen, aber das wäre ja schade um die Karotte. Und außerdem geht die Fahrt sofort weiter, keine Zeit verlieren und rein in die Serpentinen. Den Schneemann kann man sich ja anhören, reicht völlig, wenn man gerade auf dem Weg zur Piste ist. 11. The Divine Comedy: Tonite We Fly So, jetzt bitte Vorfreude. Die Fahrt geht vorbei, na, fast, denn der Verkehr ist und bleibt dicht. Aber das ist jetzt egal, das Herz schlägt schneller auf den letzten Metern, kurz vor der Abfahrt bzw.: dem Abflug. Heute Nacht wird zwar nicht geflogen – aber diesen Tag über wird es sich ganz ähnlich anfühlen. 12. The Strokes: Hawaii Ganz andere Richtung, geographisch, aber ein ganz ähnliches Gefühl. Der Verkehr geht durch die verschneiten Ortschaften, überall an den Straßen stehen Menschen in knallbunten Skianzügen, die Parkplätze füllen sich, die Fahrt nähert sich ihrem Ende. Aber der Tag, der beginnt gerade erst. Oh-oh-aoh, singt Julian Casablancas, und der Wagen singt mit. 13. Caesars: It’s Not The Fall That Hurts Auch so eine Weisheit, die man bevor der Spaß beginnt, nicht vergessen sollte: Nicht wenn man hinfällt, schmerzt es, sondern erst am Abend, wenn sich die blauen Flecken vom Tag bemerkbar machen. Aber dann hat man ja immer noch das Bababa der Caesars im Kopf. Und, ja, vielleicht Schnee im Mund. Und im Nacken. Und überall. 14. Pete Doherty: Albion (Skag & Bone Mix) Ein wahnwitzig anstrengender Tag geht zu Ende. Gerade gab es Germknödel oder Kaiserschmarrn, jetzt liegst du im Bett, schaust erschöpft ins Dunkle und diese kleine Melodie, diese Worte über die ferne Zivilisation werden sich in den Kopf bohren, bis du einschläfst. Erschöpft, aber glücklich. Illu: dirk-schmidt

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