So siehst du aus: Ein Selbstversuch zur Eigen- und Fremdwahrnehmung

Die jetzt.de-Redaktion erfüllt einen Menschheitstraum: sich selbst mit den Augen anderer zu sehen. Denn nichts ist so kompliziert wie das Verhältnis zwischen eigener Wahrnehmung und dem, wie uns die anderen sehen.
christina-waechter

Sich selbst möglichst objektiv und genau zu beschreiben, ist viel komplizierter, als man meinen könnte. Jeder Mensch hat ein Bild von sich. Und dieses Bild stimmt fast nie mit der Wirklichkeit überein. Je länger man zum Beispiel über seine Nase nachdenkt, desto größer wird sie, bis sie irgendwann zu einem massiven Berg in der Gesichtsmitte mutiert und man sich am Ende deprimiert fragt, wie andere es ertragen können, dieses Gesichts-Elend täglich anschauen zu müssen. Schönheit definiert aber niemand für sich. Schönheit wird von der Außenwelt festgelegt, von der kulturellen Umgebung, in der man aufwächst und von der medialen Umwelt, in der man sich befindet. Es gibt in unserer westlichen Welt einen Konsens darüber, was schön ist. Frauen werden als sexuell attraktiv wahrgenommen, wenn sie so aussehen, als könnten sie viele gesunde Kinder zur Welt bringen –vom Kindchenschema-Gesicht bis zur klaren Haut und dem idealen Verhältnis von Hüfte zur Taille. Männer dagegen werden als attraktiv beurteilt, wenn sie so aussehen, als hätten sie besonders viel Testosteron in den Adern. Dieses Schönheitsideal ist nicht erlernt, sondern angeboren. Darüber hinaus empfinden wir das als attraktiv, was uns der jeweilige Zeitgeist als „schön“ eintrichtert. Solange wir dieses Schönheitsideal als absolut und nicht verhandelbar in unserem Hirn verankert haben, können wir uns selbst nicht wirklich so wahrnehmen wie wir sind, sondern nur in Abhängigkeit von den Urteilen Anderer. Um zu wissen, wo wir uns in der Attraktivitätsskala einordnen können, brauchen wir die Bestätigung von außen. Das sind die Mitschüler, die Freunde, das sind Wildfremde auf Seiten wie AmIHot.de, die über uns ein Attraktivitäts-Urteil fällen. Und das nehmen wir, solange für uns „Schönheit“ ein absolutes Ideal ist, als gottgegeben wahr. Und so kommt es, dass der blöde Spruch eines ehemaligen Mitschülers über die eigenen Oberschenkel uns so beeindruckt, dass wir auch nach Jahren nur in Hosen herumrennen, die hoffentlich schlank machen. Auch wenn wir irgendwann durchaus im Kopf kapiert haben, dass der damals nicht recht hatte. Und wenn wir mal nur so aus Spaß all die Urteile über uns selbst zusammen addieren würden, käme vermutlich eine Quasimodo-Gestalt heraus: Die besagten fetten Oberschenkel, die langen Beine, die ein Liebhaber mal besungen hat, der flache, der dicke, der nicht vorhandene Hintern, das schmale, dickliche Gesicht, die engen, weiten, blauen, grauen Augen, und so weiter, und so fort. Erst wenn wir kapiert haben, dass die Außenwahrnehmung zwar nicht falsch ist, aber dass es Schönheit jenseits des Absoluten gibt, können wir anfangen, uns so wahrzunehmen, wie wir sind. Das kann plötzlich passieren, wenn man aus einer Peer-Group raus, und in eine andere hinein kommt, wo Attraktivität anders definiert wird. Das kann auch von alleine mit der Zeit passieren, wenn man auf einmal feststellt, dass „Schönheit“ an sich gar nicht so unbedingt erstrebenswert ist. Oder es passiert, während man versucht, dem Schönheitsideal nachzueifern. Vielleicht beginnt man, die eigenen Vorzüge zu entdecken und kapiert im besten Fall irgendwann, dass dieses Schönheitsideal zwar vielleicht absolut ist, aber dass es abseits davon Nischen und Ecken gibt, in denen man Schönheit finden kann. Und spätestens, wenn man von jemandem gesagt bekommt, dem man glaubt, dass man schön ist, dann kann man das irgendwann annehmen. Um sich selbst irgendwann so zu sehen, wie man ist: nicht unbedingt dem Schönheitsideal entsprechend, aber bestimmt mindestens interessant. Mit Nase und allem. +++ Die jetzt.de-Redaktion hat aus dem Verhältnis von Eigen- und Fremdwahrnehmung ein Spiel gemacht. Die Mitarbeiter notierten auf einem Zettel eine namenlose Beschreibung. Ein Zeichner erstellte auf dieser Basis Fahndungsbilder. Wieviel diese Phantombilder mit dem echten Aussehen zu tun haben, siehst du auf der nächsten Seite.


Die Selbstbeschreibung, die Max schrieb: „Die Person ist männlich, hat dunkelbraune Haare, etwa ohrlang, ziemlich großes Gesicht, große dunkle Augen, die nicht ganz offen sind, starke Nase, Gesicht insgesamt eher rund als gestreckt, kaum Wangenknochen, markante Augenbrauen.“


Die Selbstbeschreibung, die Christina abgegeben hat: „Ich bin groß, mittelblond, habe hellblaue Augen und dichte Augenbrauen, die ich allerdings ein bisschen zupfe. Mein Kopf ist verhältnismäßig schmal und ein wenig länglich. Meine Stirn ist hoch. Meine Hautfarbe ist eher blass mit einigen Sommersprossen, vor allem um die Nase herum. Ich habe schulterlanges Haar, meist zu einem Pferdeschwanz gebunden, manchmal auch offen. Mein Haar ist relativ dünn, aber dafür habe ich viele Haare. Meine Nase ist relativ groß – nicht besonders lang, aber breit und massiv. Dagegen ist mein Mund eher klein und schmal. Die Oberlippe ist sehr schmal und geschwungen. Die Unterlippe ist ein bisschen dicker, aber nicht sehr. Ich habe ein großes Kinn und einen langen Hals.“


Die Selbstbeschreibung, die Dirk abgegeben hat: „Die Person trägt eine Brille, dunkle eher kurze Haare, die nicht über die Ohren gehen und lacht oft. Die Augen sind braun, das Gesicht lang und eher schmal, bartlos. Die Augenbrauen sind dunkel und nicht zusammengewachsen.“


Die Selbstbeschreibung, die Dana abgegeben hat: „Ich habe ein rundliches Gesicht und bin ziemlich blass und habe viele Sommersprossen, die im Winter aber weniger sichtbar sind. Meine Augen sind groß und rund und braun, und über ihnen sind dunkelbraune, modische geschwungene Augenbrauen. Ich habe eine eher kurze Nase und mittelgroße Lippen. Außerdem habe ich eine kleine Zahnlücke zwischen meinen Schneidezähnen. Mein Haar ist halblang und dunkelbraun mit Pony. (Mein Freund sagt, ich sehe aus wie ein Mops).“


Die Selbstbeschreibung, die Roland abgegeben hat: „Die Person ist männlich, hat kurze Haare und eine dunkle Brille. Die Augenbrauen wachsen wild, die Nase ist gesichtsprägend. Lippen normal, Drei-Tage-Bart, große Ohren, aber nicht abstehend.“


Die Selbstbeschreibung, die Sascha abgegeben hat: „Ich habe eine ovale Gesichtsform, hohe Wangenknochen, einen sehr gesunden Teint, lockiges schwarzes Haar, große dunkelbraune Augen, eine breitere, eher kurze Nase, volle Lippen, rasiere mich nicht sehr häufig. Ich habe eher kleine Zähne, die symmetrisch sind, die Zähne neben den Schneidezähnen sind ein bisschen kürzer.“

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