SOS-Universität: Spendengelder für bessere Studienbedingungen

Deutsche Universitäten nehmen sich ein Beispiel an den USA und finanzieren sich immer mehr über private Spenden
julia-finger

„Fundraising“ ist englisch und bedeutet wörtlich übersetzt Geldbeschaffung oder Spendensammlung. Und genau das ist es: Im Gegensatz zum Sponsoring zeichnet sich das Fundraising durch Geld-, Sach- oder Leistungszuwendungen aus, die freiwillig erfolgen und nicht mit einer Gegenleistung verbunden sind. Die RWTH Aachen zum Beispiel hat mit Fundraising im letzten Jahr über 3 Millionen Euro eingenommen. Karen Nemes, 36, Leiterin der Abteilung Fundraising und Sponsoring an der der Universität Hamburg, erklärt im jetzt.de-Interview, wie Fundraising funktioniert - und wie du selbst Fundraiser werden kannst. Woher kommt der Fundraising-Trend? Vor allem aus den USA. Dort haben Fundraising und Hochschulspenden eine über Jahrzehnte lange Tradition und sind fester Bestandteil des Schulsystems. Auch in Großbritannien ist die Finanzierung von Universitätsprojekten durch Privatmenschen gang und gäbe. Nun erreicht diese Finanzierungsmöglichkeit auch Deutschland. Der Umgang damit ist allerdings noch sehr zaghaft und nicht so direkt und offen wie in den englischsprachigen Ländern. Wer spendet? Unterschiedlichste Menschen, die nur eines gemeinsam haben: Sie erwarten keine Gegenleistung und spenden aus vollstem Altruismus. Alumni, die ihren Ex-Studiengang unterstützen und Privatmenschen, die einfach nur etwas Gutes tun wollen, Gegner von Studiengebühren, Eltern, Begeisterte von Universitätsangeboten, die noch Geld benötigen – jeder aus den unterschiedlichsten Gründen.

Und wofür werden die Gelder eingesetzt? Für alles, was den Studenten schönes und problemloses Studieren ermöglicht: Lehrmittel, Technik, Baumaßnahmen oder beispielweise Seminare. Einige Spenden fließen auch in die Nachwuchsförderung und ermöglichen somit Stipendien. Fundraising und Sponsoring liegen nah beieinander. Neben öffentlichen Geldern und Privatspenden nehmen Hochschulen immer mehr Geld durch Sponsorenverträge ein. Gibt es irgendwann die „Signal-Iduna-Universität Dortmund“ oder die „Mercedes-Benz-Hochschule für Kunst“ in Stuttgart? Man kann nicht sagen, was in zehn Jahren sein wird, aber solche Gedanken halte ich für überspitzt und abstrakt. Auch wenn Universitäten durch „Gelder von außen“ ein weiteres Finanzierungsstandbein ermöglicht wird, ist der größte Budget-Geber nach wie vor der Staat – und das wird sich nicht ändern. Das deutsche Hochschulsystem wird sich die Unabhängigkeit wahren. Die Vorstellung, dass Hochschulen heißen wie Fußballstadien, ist absurd. Für private Universitäten ist so etwas aber durchaus vorstellbar. Sie selbst sind studierte Regionalwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Lateinamerika. Welche Informationen müssen im Lebenslauf stehen, um Fundraiser zu werden? Der Beruf des Fundraisers ist zwar sehr jung, aber mindestens genauso gefragt. Nicht nur im öffentlichen Dienst etabliert sich dieses Berufsbild immer mehr. Auch Non-Profit-Organisationen oder NGOs wie Greenpeace suchen junge Leute, die Öffentlichkeitsarbeit leisten und Spender für große Projekte finden. Fundraiser sind Quereinsteiger mit breitem Talent, die zum Beispiel Wissen in rechtlichen Belangen haben. Auch Marketing-Kenntnisse sind von Vorteil. Mittlerweile werden von öffentlichen Institutionen auch Workshops und Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich Fundraising angeboten. Am 20. November findet in Bad Honnef das Fundraising-Forum statt.

Text: julia-finger - Foto: dpa

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