Spielend kochen: Der Nintendo-Kochkurs

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Ein junger Mann mit mehlverschmierter Schürze, tomatenroten Händen und hektischem Blick tropft aus der Küche in sein Arbeitszimmer, um dort am Computer nachzuschauen, wieviel Mehl er drüben am Herd für die selbstzumachenden Nudeln benötigt. Während dort bereits Wasser sprudelt, hinterlässt der junge Koch Tomatenspuren auf seiner Computertastatur. Es gibt wenige Situationen, an denen man den Vorteil mobiler Information so anschaulich aufzeigen kann wie an dieser: Ein Kochbuch ist trotz allem jeder Rezeptewebsite überlegen - aufgeschlagen auf dem Küchentisch beantwortet es jederzeit alle Fragen und nimmt dem kleckernden Koch auch kleine Mehlflecken nicht übel. Wie toll wäre es jetzt, würde man die Vorteile des Kochbuchs mit den Vorteilen der digitalen Information kombinieren?

Heraus käme ein technisches Gerät, das klein auf dem Küchentisch liegt, mittels Sprachsteuerung Dosieranleitungen übermittelt und kurze Videos abspielt, die wichtige Techniken illustrieren. Heraus käme vielleicht der Kochkurs für die Nintendo DS. Vielleicht. Mit diesem neuen Spiel wollen die Nintendo-Menschen jetzt all diejenigen zu Computerspielern machen, die gerne in der Küche stehen. Sie können aus 245 Rezepten auswählen, die nach Schwierigkeitsgrad, Herkunftsland, Zubereitszeit oder Kalorien filtern. Sie können sich von einer beruhigend tiefen Männerstimme beim Kochen begleiten und von kurzen Zubereitungsclips belehren lassen. Sie können das Rezept mit einem Klick auf die Anzahl der Gäste anpassen und daraus dann einen Einkaufszettel destilieren. Das moderne Kochbuch funktioniert so auch als Erinnungshilfe im Supermarkt nehmen. Wieder in der Küche reagiert der Kochkurs dann auf Zuruf. Das ist alles sehr schön gedacht, aber in Wahrheit nicht wirklich eine Revolution. Der Nintendo-Kochkurs liefert all das, was man sich theoretisch wünschen würde. Aber eben auch nicht mehr. All die Entdeckungen, die man beim Surfen in Koch-Communitys wie chefkoch.de oder BonGusto.de machen kann, liefert der Kochkurs nicht. 245 Rezepte - das klingt zunächst viel. Im Vergleich zu den nahezu unerschöpflichen Angeboten im Netz ist das eine Kinderportion. Die Filterfunktion, die der Kochkurs anbietet, ist bei 245 nett, bei 2500 nützlich und erst bei über 10.000 Rezepten eine Revolution. Dann wäre eine Kombination denkbar: Menschen, die diese Vorspeise kochten, fanden auch Gefallen an diesem Dessert. Aber auch dieses gemeinsame Element, das Kochwebsites auszeichnet, fehlt dem Kochkurs. Hier kann man nicht an Erfahrungen anderer teilhaben, man kann auch nicht nachlesen, welchen Zubereitsschritt andere Köche besonders schwierig finden. All das könnte eine mobile Version einer Kochcommunity problemfrei schaffen - indem es dem Angebot Beine machen würde. Wer sich Rezepte aufs Handy laden kann, braucht keinen Kochkurs von Nintendo. Aber leider widmen die gängigen Kochcommunitys mehr Zeit darauf, Produktnamen zu promoten als ihren Nutzern einen wirklich Service zu bieten. So lange sich daran nichts ändert, muss das Kochbuch keinen technischen Angriff fürchten. Mehr zum Thema im Essens-Schwerpunkt auf jetzt.de

Text: dirk-vongehlen - Screenshot: nintendo.de

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