Street Art in Berlin macht ‘ne Ansage

Was passieren kann, wenn eine große Firma sich ohne zu fragen an Straßenkunst bedient, zeigt die Aktion einiger Berliner Künstler, die Adidas die Geburtstagsparty versaut haben.
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Zum 60. Firmenjubiläum wollte der Turnschuhhersteller Adidas nicht nur wie gewohnt auf cool machen, sondern auch noch was springen lassen. Die Geburtstagsaktion: 60 Paar Turnschuhe wurden an 60 Straßenkunstwerken in Berlin versteckt. Eine kleine Stadtrallye sollte dann Drei-Streifen-Fans mit Hilfe des mobilen Kunstführers „Urban Street Guide“ zu den Schuhen führen, die sie behalten dürften. Auf der Adidas-Homepage wurde Berlin geradezu als Galerie dargestellt - und der „Urban Street Guide“ als Katalog dafür. Tolle Idee, nur die Künstler hatte Adidas dabei einfach vergessen. Sie wurden nicht gefragt, ob sie denn auch mitfeiern möchten. „Uns stinkt seit langem gewaltig, dass sich Firmen, Verlage und PhotographInnen an Urban Art bedienen“, heißt es in einem anonymen Schreiben der Betroffenen. „Die rechtliche Grauzone, in der sich Urban Artists befinden, wenn sie ihre Arbeiten im öffentlichen Raum platzieren und diese nicht durch Copyright schützen können und/oder wollen, wird schamlos ausgenutzt, um die Arbeiten gewinnträchtig zu verwerten.“

Die Wut der Künstler auf das Geburtstagskind regte offensichtlich auch ihre Kreativitität an. Sie beteiligten sich selber an der Rallye, waren gegenüber Urban-Art-Laien freilich klar im Vorteil, und konnten einen Großteil der Schuhe selbst einsammeln. Borek, Lindas ehem. Ex, Os Gemeos und Enrico Schlawinski – um nur einige der aktiv gewordenen Künstler zu nennen -, gestalteten ihre Fundstücke dann ganz Street-Art-mäßig um und versteigern sie jetzt in der Berliner Galerie „Superplan“. Der Erlös soll an „gute urbane/soziale/künstlerische Projekte gehen. Das System, so heißt es in dem Schreiben weiter, könne man durch diese Gegenwehr wohl nicht ernsthaft verändern. Trotzdem würde man damit viel erreichen können, nämlich „Einigkeit unter einer breiteren Masse darüber, dass etwas getan werden sollte und Aktivierung von Artists, diese Sache zu unterstützen. Letztendlich lernen wir gerade erst den aufrechten Gang.“ Adidas wird seinen nächsten Geburtstag bestimmt woanders feiern. Aber ob die Rallye-Organisatoren am Ende einsichtig werden und die Spaßbremsung ihrer diesjährigen Party wirklich bei sich selbst und nicht bei den Künstlern sehen? Versteigerung: 14. April um 19 Uhr in der Galerie Superplan , Gärtnerstraße 33a, Berlin-Friedrichshain.

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