Stromschlag vom Kraftwerk

Niemand kann erklären, warum die Fan-Website germankraft.de vom Netz gehen muss
michael-moorstedt
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Illustration: Julia Schubert

Das Aus kam unerwartet für Marko Schmidt. Der Betreiber der Website germankraft.de, der ältesten deutschsprachigen Fansite zur Band Kraftwerk wurde Anfang des Jahres von seinen Idolen aufgefordert, seine Website aus dem Netz zu nehmen, weil er über Jahre hinweg Unwahrheiten über die Band verbreitet haben soll. Diese Maßnahme sei ihm unverständlich, sagt Schmidt, da sich gerade germankraft.de „im Netz etabliert hat“ und ein Großteil der Inhalte aus Interviews stamme, die er in den letzten zehn Jahren selbst geführt habe. Auch Informationen aus dem Umfeld der Band und des Kraftwerk-Labels EMI wurden auf germankraft.de verbreitet, nicht jedoch ohne immer wieder um Korrekturen von offizieller Seite zu bitten. Laut Schmidt befanden sich weder Persönlichkeitsrechte verletzende Inhalte noch illegale Downloads auf der Web-Präsenz oder der mit ihr verlinkten Seiten. Um sich nochmals abzusichern, wurde die Seite bereits einem Anwalt für Urheberrecht geprüft, der keine Verstöße gegen geltendes Recht feststellen konnte. Die Gegenseite hält sich wiederum bedeckt: Auf eine Nachfrage, welche Inhalte gemeint seien und was eine alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung sein könnte, erhielt Schmidt bis heute keine Antwort. Günter Spachtholz, Kraftwerk-Intimus und Initiator der Schließung war auch nach mehrmaliger Anfrage von jetzt.de nicht bereit, die Zensur zu kommentieren.

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Schmidt kann das Vorgehen nicht verstehen - im letzten Jahr bekam er von Seiten der Band noch Lob für seine Arbeit. In anderen Foren, in denen die Musik der Elektropioniere thematisiert wird, wird mittlerweile gemutmaßt, die Seite habe „zu viele unliebsame Informationen enthalten.“ Mittlerweile hat sich Schmidt entschlossen, die Betreuung der Seite abzugeben. Nun werde geprüft, sagt er, ob und in welcher Form germankraft.de wieder online gehen kann. Wenigstens die Fans der Seite sind ihr treu geblieben. Eine Welle von Sympathiebekundungen und Zuspruch erreichte Schmidt. In den ersten drei Januar Wochen wurden mehr als 200 000 Hits gezählt. (Fotos: AFP; germankraft.de)

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