Studiengebühren: Studenten zahlen lieber, wenn sie wissen, wofür

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Seit Donnerstag steht im Internet eine Studie über Studiengebühren in Deutschland zu lesen, deren Ergebnis aus einem Kniff besteht. Und sollten in diversen deutschen Bundesländern diverse für die Hochschulen verantwortliche Menschen von diesem Kniff Kenntnis bekommen, könnten sie sich, nur ein Vorschlag, vor Ärger einfach mal auf die Schenkel patschen und sagen: 'Hach, da hätten wir uns mal früher drum kümmern müssen. Vielleicht wäre der Zinober um die Studiengebühren dann nicht so herb gewesen.' An der Universität Hohenheim gibt es den Lehrstuhl für Marketing und dort gibt es den Markus Voeth. Der ist Professor und wissenschaftlicher Leiter der Gebührenkompass-Studie des Jahres 2008, für die, ziemlich repräsentativ, 6.100 Studenten an 54 deutschen Universitäten befragt wurden. An jeder Uni wurden von sogenannten "Gebühren-Scouts" der Hohenheimer Uni mindestens 100 Interviews geführt, in denen es vor allem um zweierlei ging: Seid ihr mit der Verwendung der Gebühren zufrieden? Sind Studiengebühren gut? Antworten durften die Studenten mit Hilfe einer Schulnoten-Skala, die von 1 (sehr zufrieden) bis 6 (sehr unzufrieden) reichte. Die Ergebnisse sind erschütternd und machen Hoffnung. Die Zahlen zur Erschütterung sehen, reduziert auf drei Sätze, so aus: 1. Mehr als 70 Prozent der Studierenden würden die Gebühren wieder abschaffen; mehr als 74 Prozent behaupten, dass die Lehrbedingungen sich bislang auch mit Studiengebühren nicht geändert hätten. 2. Die durchschnittliche Zufriedenheit mit der Verwendung der Studiengebühren liegt bei 4,55 und an keiner deutschen Uni liegt die Zufriedenheit oberhalb von 3,5. 3. Die Zufriedenheit mit der Transparenz der Verwendung von Studiengebühren liegt bei 4,7. Aber da ist Hoffnung, denn was sich in diesen Zahlen schon andeutet haben die Hohenheimer Wissenschaftler auch als Aussage dingfest gemacht: Tendenziell freunden sich Studenten besser mit der bloßen Existenz von Studiengebühren an, wenn sie von der Hochschulleitung auch ordentlich gesagt bekommen, was mit der Extra-Kohle geschieht.

Das Bild entstand bei einer Studentendemo gegen Studiengebühren am 17. Juni in Düsseldorf. "Dort, wo die Studenten sich über die Verwendung ausreichend informiert fühlen, sind sie deutlich zufriedener", sagt Forscher Voeth in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Und in der Tat: Bei der Gruppe der Informierten ergibt sich ein Zufriedenheitswert von 2,98, bei den Nichtinformierten sauft dieser Wert auf 4,82 ab. Der Kniff für die Hochschulverantwortlichen heißt also: 'Du zahlst, wir zeigen'. Zwar wird die bloße Besserung der Kommunikation die finanzielle Last der Studenten nicht mindern, sie vermag aber das Überweisen leichter zu machen und vielleicht auch den Spaß am Studium zu mehren. Und wenn die Studie nun vor allem auf diesen Umstand hin gelesen wird und nicht nur auf die Tatsache hin, dass derzeit mehr als 70 Prozent die Gebühren rundweg abschaffen würden, ist vielleicht auch mal was gewonnen. P.S. Kleine Koinzidenz: Einen Tag nach Erscheinen des "Gebührenkompass 2008" stellt sich am Freitag, dem 27. Juni in Stuttgart der neugegründete Bund der Studiengebührenzahler vor. In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung sagt Franz Bozsak, 24, einer der Mitbegründer des Bundes, was ihm besonders am Herzen liegt: "Alle Zahlen zur Verwendung und zu den Auswirkungen von Studiengebühren kommen bisher vom Land. Wir brauchen für echte Transparenz eine andere, unabhängige Datenbasis. Die wollen wir in Zusammenarbeit mit Studierenden aller betroffenen Universitäten liefern. Und ganz ähnlich wie unser Vorbild, der Bund der Steuerzahler, wollen wir Empfehlungen geben, wie die Mittel sinnvoll einzusetzen sind."

Text: peter-wagner - Foto: dpa

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