Süße Erinnerungen

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[b]Pfefferminz-Bonbons im Auge[/b]

Ich weiß nicht, wie ich auf diese hervorragende Idee gekommen bin, die Pfefferminz-Plättchen, die man für wenig Geld in der Apotheke kaufen kann, unter das untere Augenlid zu stecken, es war aber bestimmt eine der besten Ideen meiner Kindheit. Wer es auch mal ausprobieren will, das Verfahren geht folgendermaßen: Man nehme eines dieser kleinen tropfenförmigen Pfefferminz-Bonbons, die es in Apotheken für wenig Geld gibt, schlecke es einige Minuten an. Dann kommt der große Moment: Das Bonbon mit der flachen Seite nach oben auf die Zeigefingerspitze legen, mit der anderen Hand das untere Augenlid nach unten ziehen und dann das Bonbon möglichst nahe ans Auge halten. Durch die ätherischen Öle fängt das Auge an, wie verrückt zu tränen und auch ein bisschen zu brennen. Wird es zu schlimm, einfach den Abstand vergrößern. Der Gewinn: ein süßer Schmerz und Tränen auch bei eitel Sonneschein und guter Laune. Bestimmt ist das alles wahnsinnig ungesund und ich bin nur deshalb so stark kurzsichtig, weil ich meine Augen von frühester Jugend an durch Pfefferminz verdorben habe. Schön war es trotzdem! Leider musste ich mit diesem Verfahren aufhören, als ich mich aus Eitelkeit für Kontaktlinsen entschied. Die vertragen sich nämlich gar nicht mit Pfefferminzbonbons im Auge. Blöde Dinger. christina-waechter


[b]Entmantelung eines KINDER-Riegels[/b]

Das Entmanteln eines KINDER-Riegels ist in drei Teile zu gliedern. Zunächst aber ist die wichtigste Voraussetzung für eine saubere Entmantelung die richtige Temperatur: Der Riegel muss kalt sein, da sich sonst der Riegel-Rücken nicht vom Korpus abtrennen lässt. Die Zeit der Kühlung auszusitzen und den Riegel nicht aus Gier lauwarm und schokoladenverkleidet zu verspeisen, ist eine Charakterfrage. Zuerst klemme ich den flächigen Rücken zwischen die unteren und oberen Frontzähne, wobei es Klemmen vielleicht nicht trifft, da das zu sehr nach Werkstatt klingt. Vielmehr ziehe ich mit meinen Zähnen die millimeter-dünne Schokoschicht vom Boden der Milchkammern ab. Talentierte schaffen es, den Schoko-Rücken im Ganzen abzuziehen. Schritt zwei ist mechanisch-bieder. Ich beiße die Schokoschichten der beiden kurzen und der beiden langen Enden ab. Das geht Ruckzuck: Jeweils einen Biss für die kurzen Enden, die langen nage ich ab wie in meiner Vorstellung ein Hase es tun würde. Schritt drei ist der Schwierigste, Endgegner-Niveau. Es gilt, die feinen Schokoladen-Dächer der Milchkammern abzunagen, und noch viel schlimmer, die Räume zwischen den Kammern vom Schoko-Überzug zu befreien. Das ist knifflig, da die Zwischenräume mikrometer-zart sind. Ein Nagen ist nicht mehr möglich, somit ist Schritt drei eher ein Abkratzen mithilfe zweier übereinanderliegenden Frontzähne. Ist die erste Hälfte des Kinderriegels freigelegt, sehe ich meine Arbeit als beendet an und genieße die sämig-süßen Früchte meiner Arbeit. Nur Spießer bestehen auf eine vollständige Entmantelung des Riegels. sascha-chaimowicz


[b]Haut vom Schoko-Pudding[/b]

Das tollste am Pudding ist die Haut. „Iih!“ werden da jetzt viele schreien, weil sie bei Haut sofort an die eklig glibberige Haut denken, die sich manchmal auf heißer Milch bildet. Puddinghaut ist aber ganz anders. Nachdem Pudding erkaltet ist und schon eine Weile stand, ist die Haut dunkler, fester und glatter als der Rest des Puddings. Ich bilde mir auch ein, der Geschmack ist anders, irgendwie intensiver. Nach dem Motto: „Das Beste zum Schluss“ habe ich also früher immer folgende Technik angewandt: Mit einem kleinen Löffel vorsichtig die Haut lösen und vom Rest des Puddings abkratzen und auf einen extra Teller legen. Ist man besonders geschickt, gelingt es einem, die Haut in einem Stück abzuziehen. Meistens ist das aber nicht der Fall und man muss sie geduldig abfriemeln. Solange, bis der Pudding vollkommen nackt ist. Dann löffelt man etwas gelangweilt aber mit Vorfreude auf die Haut, schnell den Pudding, um diese dann ganz langsam, Hautfetzen für Hautfetzen auf der Zunge zergehen zu lassen. Klingt eklig, schmeckt aber wahnsinnig gut! carla-schif


[b]Doppelkeks von Aldi alias Prinzenrolle[/b]

Die Aufgabe: Den Doppelkeks zum Einfachkeks zurechtstutzen Das Versprechen: einen individuellen Einfachkeks, der viel schokoladiger ist als das Original. Der Preis: Kakaocreme an Kinn und Nasenspitze; der fade Geschmack eines Butterkeks. Die Technik ist relativ simpel, erfordert aber Konzentration: Zunächst den über die Schokofüllung hinausragenden Keksteil mit den Schneidezähnen abfieseln. Das ist in etwa sechs Bissen zu schaffen, wobei der Keks immer wieder um 60 Grad gedreht werden muss. Schafft man es zusätzlich auch noch Teile der Keksmitte herauszubrechen, ist der darauffolgende Teil einfacher. Der Keks ist nach diesem Schritt eine Dreistufen-Pyramide aus Keks, Kakaocreme und Restkeks. Jetzt mit den Fingerspitzen die noch unbeschadete Kekshälfte umfassen und mit den Schneidezähnen den Restkeks abnagen, ohne dabei die Kakaocreme zu entfernen. philipp-mattheis


[b]Spaghetti-Schlangen[/b]

Klingt ein wenig nach Nachkriegsromantik, war aber so: Die roten und grünen Spaghetti-Schlangen kosteten nur fünf Pfennig und waren deswegen immer erschwinglich. Man bekam sie in einer Tüte, meistens zu einem veritablen Knoten verstrickt. Die erste Aufgabe war es, diesen Knoten zu entwirren und die einzelnen Schlangen vor sich auszubreiten. Dann rollte man eine davon sorgfältig zu einer Schnecke zusammen, hielt ein Ende fest und schluckte sie – ohne zu kauen. Wenn man das Gefühl hatte, die Gummi-Schlange wäre maximal weit unten, zog man sie genüsslich wieder aus sich heraus. Das kitzelte tatsächlich in komischen Gegenden in der Speiseröhre und jagte wohlige Grusel durch die Runde – als würde man in den eigenen Gedärmen angeln! Die Enden, die gerade noch bei der Milz rumhingen, wurden genauestens beäugt. Waren sie nicht schon halb angedaut? Das Spiel ließ sich ausdauernd wiederholen. max-scharnigg

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