Take it or leave it? Take it, take it, take it.

Ein Bericht vom nicht ganz geheimen Geheimkonzert der Strokes in Berlin - inkusive Notizen aus dem morgendlichen Vorverkaufs-Gerangel
daniel-erk
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Illustration: Julia Schubert

Freitag, 9 Uhr, Oranienstraße, Kreuzberg 36, Berlin Seit fast fünf Stunden stehen die ersten vor dem Kartenverkaufsstand. Fünf Stunden in Dunkelheit und winterlicher Kälte, bei Bier, Kaffee und Zigaretten. In der ersten Reihe: ein aufgedrehter, junger Schweizer in Baggypants; dahinter: bleiche, bambiäugige Mädchen, die um acht Uhr morgens den letzten Schluck Bier nuckeln und die Flasche dann behutsam zu Boden gleiten lassen. Die Kälte, das Stehen, das Warten, die Nacht: alles vorbei. Jetzt ist es Tag, jetzt scheint die Sonne, jetzt entscheidet sich, wer später hingehen darf - zum so euphorisch erwarteten Konzert. Es ist 9 Uhr, Koka 36 öffnet die Türen und die Karten und orange leuchtenen Armbändchen für das Strokes-Konzert gehen für fast 25 Euro über die Theke. Angekündigt war nach den tumultartigen Vorgängen beim Verkauf in London und Paris ein Wahnsinn, eine regelrechte Schlacht um die Karten. Am Ende war es ein recht gesitteter Morgen.

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Illustration: Julia Schubert

Montag, 21 Uhr, Schillingstraße, Maria am Ufer, Berlin Seit gut einer halbe Stunden schreien und klatschen ein paar Aufgedrehte in der ersten Reihe, aber die Bühne in der Maria am Ufer bleibt dunkel. Der Club ist voll, viel Musikpresse über Dreißig und viel Musikindustrie im Sakko prostet sich zu. Das Film-Team von MTV stromert nervös umher. Dann wird die Musik laut, das Bühnenlicht hell und im rot ausgeleuchteten Nebel betreten The Strokes die Bühne. Das Drängen davor schlägt jeden Ausverkauf. Kein Halten nirgends. Julian Casablancas steht bewegungslos hinter dem Mikrophonständer, wippt nur leicht mit den Hüften in seinem schwarzen Sgt.-Pepper-Jäckchen. Gespielt wird ein Best-Of-Set, bei dem die Hits der ersten beiden Alben lückenlos die neue Single „Juicebox“ umschließen, ein ebenso düsterer wie aggressiver 3 ¼-Minuten-Stomper und dessen Strokes-stereotypische B-Seite „Hawaii“. Dazu fünf weitere Stücke vom neuen Album „First Impressions Of Earth“, das am 30. Dezember erscheint, und die vor allem beweisen, dass die Strokes auch einen Gang langsamer und aufgemotzt mit Metal-Soli ihren Reiz nicht verlieren – ganz im Gegenteil. Angekündigt war ein Konzert. Am Ende war es ein Kräfte raubendes 90-Minuten-Set, ein schweißnasser Tumult, ein Wahnsinn. (Fotos: daniel-erk, Pauline Drewfs)

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