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The ultimative „The“-Reiseführer

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Reiseführer heißen jetzt „Travelbooks“ und jede Subkultur bekommt ihren eigenen. Vielleicht gibt deshalb der Rockbuch-Verlag dieser Tage den „Indie Travel Guide“ heraus, ein Reiseführer für Fans von Kasabian, The Cooper Temple Clause und Konsorten.

Gleich beim Aufschlagen der ersten Seite drängt sich die ungeliebte Phrase „auf den Spuren von...“ auf: Lieblingsclubs, Lieblingsplattenläden, Lieblings-Secondhandstores und Lieblingsmuseen. Alles ist „Lieblings-“ und das verursacht sofortiges Stirnrunzeln. Doch dann stellt sich ein seltsam weich machender Effekt ein. Das Inhaltsverzeichnis liest sich wie das Who-Is-Who der Indie-Charts und die Groupie-Seele seufzt schmachtend auf. Während andere ach-so-trendy Reiseführer mehr Aufmerksamkeit ihrem ausgeflippten Artwork zukommen lassen, hält der Indie Travel Guide den Spagat zwischen ernsthafter Information und schlichtem Layout. Die Tipps sind ebenso brauchbar wie unkonventionell und nach ein Paar Seiten schlendert man tatsächlich im Geiste mit Luke Crowther von den Rifles durch London oder lässt sich von den Shout Out Louds Stockholm zeigen.

Aber halten die Tipps, was sie versprechen? Kurz nachgecheckt in den Städten, die man selbst schon mit blutigen Blasen und backsteinschwerem Rucksack erkundet hat: Ja. Der Indie Travel Guide ist bestechend ehrlich. Neben Insider-Tipps für Hinterhof-Clubs finden sich auch Gemeinplätze wie Kieran Mahons (TCTC) Rat, ruhig auch mal große Shopping-Ketten wie „Top Man“ auf der Oxfordstreet zu besuchen. Schließlich hat nicht jeder einen so üppigen Geldbeutel, um bei überteuerten Nachwuchsdesignern einzukaufen. Zu jeder Location geben beheimatete Indie-Bands ihre Statements ab. In kleinen Info-Kästen verraten sie Skurriles, so dass die Lektüre des Reiseführers fast schon an ein Musikmagazin erinnert. Kein Wunder also, dass man beim Lesen schnell vergisst, dass eigentlich nur ein Trip nach Malmö geplant war und man sich auf einmal dabei ertappt, auch die Ratschläge für Orte in sich aufzusaugen, an denen man vorher so interessiert war wie an einer Butterfahrt auf dem Rhein.

Kurz zusammengefasst: Der Indie Travel Guide ist informativ – dank Stadtplänen, sinnvollen Tipps und übersichtlicher Struktur. Er deckt alle wichtigen europäischen Städte ab und weckt tatsächlich die Hoffnung, einen Indie-Hero in seiner Lieblingskneipe zu treffen. Da sag noch mal einer, Indie sei tot und „The“-Bands ein alter Pete-Doherty-Hut.

Der Indie Travel Guide ist im Rockbuch Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro.

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