Tiere suchen einen Autor

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Goldmann Manhattan Steven ist ein Held. Und er ist ein Hund. Er liebt es zu rennen; wie ein gottverdammtes Luftkissenboot kann er rennen, Wahnsinn, wie schnell er ist! Ein toller Hund. Ein Held ist Steven, weil er die Welt retten wird, möglicherweise. Mit Briefen, in denen er vom Rennen, schnell wie ein Luftkissenboot, ezählt. Wenigstens in einer lustigen Kurzgeschichte des amerikanischen Autors Dave Eggers, die sich in ihrem eigenen Vorspann so erläutert: „Am 5. August 2000 schickte Daniel O’Mara zwanzig Briefe an die Vorstandsvorsitzenden von 20 Fortune-500-Unternehmen. Dies sind sechs davon.“ Verfasst sind sie aus der Perspektive des Hundes Steven, adressiert an „Kapitäne der Wirtschaft“. Man kann glauben, das sei bescheuert, ist es aber nicht. Warum nicht, ist leicht zu verstehen, wenn man die anderen Short Storys der jetzt auch auf Deutsch erschienenen Anthologie „Auf der Suche nach Amerika“ mitliest. Hier scharen sich die erfolgreichsten jungen amerikanischen Autoren: neben Dave Eggers auch Jonathan Safran Foer, Jeffrey Eugenides und David Foster Wallace. Eines der Themen, das viele von den 19 lesenswerten Geschichten treibt, ist die Professionalität, mit der sich Amerika eifrig auf Leugnungen aller Art spezialisiert: Die Wirklichkeit wird in diesen Geschichten mehr und mehr von ihren eigenen aufgehübschten Doppelgängern Konsum, Reklame und Geschäftemacherei diktiert; sie imitiert ihr Imitat. Das ist natürlich extrem anprangernswert. Doch hat die Anthologie auch eine Lösung für dieses Problem. Ja! Und zwar, „dass die Bosse von großen Firmen täglich Briefe von Haustieren geschickt bekommen sollten. Es ist genau das, was jetzt passieren muss.“ So fordert es die einzige Britin im Band, Zadie Smith, im Vorwort, und stellt sich vor, wie die Briefe aus der Perspektive von Steven, dem Hund, wenigstens für die paar Minuten des Lesens aus Bossen wieder Menschen machen. Klingt nach einem guten Plan. Da will man sogar sofort mitmachen! Also los! Jedes Tier kann ein Held sein. Nur mit Computertastaturen können die wenigsten umgehen, übernimmst du das? Im Tagebuch kannst du einen Brief an deinen Chef, an deinen Schuldirektor oder an jemand anders, der ihn verdient hätte, schreiben. Wichtig ist dabei, dass dein Brief aus der Perspektive eines Tiers geschrieben wird. „Auf der Suche nach Amerika – 19 Storys von den besten Erzählern einer neuen Generation“ kostet 10 Euro und ist bei Goldmann Manhattan erschienen. Mit dabei: Aimee Bender, Arthur Bradford, Judy Budnitz, Amanda Davis, Dave Eggers, Jeffrey Eugenides, Jonathan Safran Foer, David Foster Wallace, Myla Goldberg, A. M. Homes, Shelley Jackson, Ken Kalfus, Matthew Klam, Jonathan Lethem, Sam Lipsyte, Rick Moody, Stacey Richter, George Saunders, Julia Slavin; mit einem Vorwort von Zadie Smith.

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