Tote bei Massenpanik auf der Loveparade

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Um 17.45 verschickt die Deutsche Presse-Agentur (dpa) folgende Meldung: "Kurz nach 14 Uhr feierten Hunderttausende Technofans die dritte ,Liebesparade' im Ruhrgebiet. Ein Zug aus 15 Wagen setzte sich umgeben von Ravermassen in Bewegung. Auch in der Innenstadt tanzten Zehntausende. Der Hauptbahnhof musste zeitweise wegen übermütiger Besucher auf den Gleisen gesperrt werden. Die Loveparade gilt als eine der wichtigsten Veranstaltungen zur ,Ruhr.2010'." Wie man später erfahren wird, ist es zu diesem Zeitpunkt bereits zu der Massenpanik in der Unterführung Karl-Lehr-Straße in Duisburg gekommen. Kurz vor 18 Uhr zitiert die Website derwesten.de einen Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes mit den Worten: "Es muss was Schlimmeres passiert sein. Wir sollen mit allen Sanitätern an den Tunnel kommen, haben aber von der Feuerwehr noch keine nähere Auskunft bekommen." Wenig später meldet dpa: "Bei der Loveparade in Duisburg hat es nach Angaben der Polizei mindestens zehn Tote gegeben. Vor dem Eingang zum Gelände sei es bei den Wartenden in einem Tunnel zur Panik gekommen. Zehn Menschen müssten derzeit wiederbelebt werden." Im Wikipedia-Eintrag zur Loveparade wird gegen kurz nach sechs auf die Ereignisse verwiesen. Die Zahl der Toten wird später auf "mindestens 15" angehoben. Polizeisprecher Jürgen Kiskemper sagt, unter den Toten befänden sich neun Frauen und sechs Männer. Während die Meldung über die Massenpanik über die Medien verbreitet wird, geht die Loveparade auf dem ehemaligen Güterbahnhof weiter. Die Behörden erklären später, so solle eine weitere Panik vermieden werden. Über Twitter, wo sich zahlreiche Menschen unter den Hashtags #loveparade und #Duisburg äußern, wird der Leserkommentar von klotsche auf DerWesten verlinkt. Der hatte bereits am Donnerstag geschrieben: "sehe ich das richtig, dass die versuchen 1 million menschen über die 1-spurige! TUNNELSTRAßE! Karl-Lehr-Straße mit zwischendurch 2 kleinen trampelpfaden hoch zum veranstaltungsgelände zu führen? also in meinen augen is das ne falle. das kann doch nie und nimmer gut gehen. wer in essen und dortmund dabei war weiß, wie groß das gedränge schon auf recht weitläufigen zugangswegen war. das war ne katastrophe und die wollen ernsthaft den zugang über nen einspurigen TUNNEL leiten? ich fass es nicht!!!! ich seh schon tote wenn nach der abschlußkundgebung alle auf einmal über diese mickrige straße das gelände verlassen wollen." Unter dem YouTube-

, den die Stadt Duisburg gedreht hat, um das Gelände am ehemaligen Güterbahnhof vorzustellen, äußerte der User AriannatheBard ebenfalls am Donnerstag die Befürchtung: "Also ich hoff mal, dass das Gelände nicht zu klein wird." Und bereits Anfang Juni schrieb janinschwerin in den Kommentaren bei DerWesten: "nein, wirklich sehr sehr schade, hätte gut werden können, aber sowas... da bleib ich zuhause! tot trampeln lassen wollt ich mich eigentlich nicht!" Bei Bild.de wird eine Bildergalerie mit Aufnahmen der Toten gezeigt. Twitter-User fordern daraufhin, die Bilder aus Respekt vor den Toten zu entfernen. Die holländische Zeitung De Volkskraant verbreitet ähnliche Aufnahmen auf Flickr. Dort kann man auf User-Bildern sehen, wie Menschen vor dem Tunneleingang drängen. Die Website Loveparade.com zeigt auf schwarzem Grund den Text: "Unser aufrichtiges Beileid gilt allen Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit noch versorgt werden müssen." Der Livestream, der über die Seite ausgestrahlt wurde, ist unterbrochen. Auf dem ehemaligen Gelände des Güterbahnhofs wird aber noch Musik gespielt - um eine weitere Panik zu vermeiden, wie der Krisenstab auf einer Pressekonferenz mitteilt. 20 Uhr Die ARD zeigt nach der Tagesschau einen Brennpunkt unter dem Titel Tote bei der Loveparade. Auf YouTube tauchen Filme auf, die den Tunnel

zeigen. Der

, der mit den Worten "fünf Minuten später ist es passiert" angekündigt wurde, ist wieder gelöscht. Die Bilder auf der Website wirken deshalb besonders beklemmend, weil dort heute die Dokumentarfilm-Aktion

läuft. Im Weblog Ruhrbarone schreibt Stefan Schroeder: "Am Freitag habe ich gefragt, wie viele Menschen auf den Platz passen. Der Sprecher der Stadt wollte es nicht sagen. Er meinte, das sei geheim. Er wolle und dürfe das nicht sagen. Ich habe in der Verordnung nachgesehen, die regelt, wie viele Menschen bei öffentlichen Veranstaltungen auf Plätzen zugelassen sind. Daraus ergab sich, dass auf den Platz maximal 500.000 Menschen durften. Zwei Menschen je Quadratmeter. Heute heißt es, 800.000 seien drauf gewesen. Fast doppelt so viele wie erlaubt." Die offizielle Besucherzahl, die bereits gegen 19 Uhr bekannt gegeben wurde, lautet 1,4 Millionen. Kurz vor 21 Uhr melden die Agenturen, dass Bundespräsident Christian Wulff "bestürzt auf das Unglück bei der Loveparade in Duisburg reagiert" hat. Angela Merkel wird mit den Worten zitiert: "In diesen schweren Stunden bin ich in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer. Zum Feiern waren die jungen Menschen gekommen, stattdessen gibt es Tote und Verletzte. Ich bin entsetzt und traurig angesichts des Leids und des Schmerzes." Der Duisburger Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe erläutert den Unglückshergang laut einslive.de durch eine Kettenreaktion, die durch drängelnde Zuschauer ausgelöst worden sei. Dabei sei "eine Gruppe von mehreren Personen im Bereich des Tunnelaufgangs über eine Absperrung geklettert und abgestürzt". DerWesten zitiert den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland mit den Worten: "Soweit wir das Szenario kennen, sind die Toten entstanden, weil man Sicherheitsvorkehrungen überklettert hat und dann abgestürzt ist." Loveparade-Erfinder Dr. Motte wird an anderer Stelle mit den Worten zitiert: "Wie kann man denn Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände lassen. Das ist ein Skandal." In den Kommentaren auf WDR.de schreibt der User Nico: "Ich war gegen 15 Uhr dort, wenn nichts passiert wäre, wäre dies Glück gewesen. Hat jemand mal versucht 1 Mio Leute durch ein Nadelöhr irgendwo rein zu lassen. Mich wundert es nicht, dass es zum Unglück gekommen ist." Am späten Abend wird die Zahl der Toten auf 17 korrigiert. Ein Polizeisprecher erklärt zudem, die Massenpanik sei durch Stürze von einer gesperrten Treppe ausgelöst worden: "Im Tunnel und im weiteren Bereich vor dem Eingang zum Gelände hätten sich die Massen gestaut. Daraufhin hätten Besucher versucht, über eine gesperrte schmale Nottreppe zum Gelände hochzusteigen, andere seien über ein leiterartiges Lautsprechergerüst geklettert. Einige der Kletterer seien auf die Massen abgestürzt und hätten die Panik ausgelöst." Der Sprecher bezeichnete die vom Veranstalter genannten Zahl von 1,4 Millionen Besuchern als "zu hoch gegriffen". Die Behörden in Duisburg haben ein Info-Telefon für Angehörige eingerichtet. Es ist unter der Nummer 0203 94000 zu erreichen. Alle aktuellen Informationen auf sueddeutsche.de

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