Treffen Eins nach Roger

Frère Roger Vor fast einem halben Jahr ist Frère Roger gestorben, der Gründer der ökumenischen Gemeinde von
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Illustration: Julia Schubert

Frère Roger Vor fast einem halben Jahr ist Frère Roger gestorben, der Gründer der ökumenischen Gemeinde von Taizé. Er war am 16. August in Taizé während des Abendgebets von einer geistesgestörten Frau mit einem Messer erstochen worden. Nun findet zum Jahreswechsel das erste europäische Jugendtreffen nach seinem Tod statt, vom 28. Dezember bis zum 1. Januar in Mailand. Von Anfang Februar bis Mitte November kommen Jugendliche jede Woche in Taizé zusammen, einem Ort im französischen Südburgund, um in der Gemeinschaft zu beten. In manchen Sommerwochen sind es mehr als 5000 junge Menschen. Eine weitere Station des Pilgerwegs ist jeweils zum Jahreswechsel ein fünftägiges Treffen in einer europäischen Metropole, an dem mehrere zehntausend Jugendliche teilnehmen. Dazu sagte Frère Roger auf dem Jugendtreffen 2004 in Lissabon: „Wir gehen derzeit mit Jugendlichen aller Erdteile einen ‚Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde’, weil uns die Dringlichkeit des Friedens bewusst ist. Wir können in dem Maße zum Frieden beitragen, wie wir durch unser Leben Fragen zu beantworten versuchen: Wie können wir in unserem Alltag Träger des Vertrauens sein? Bin ich bereit, die anderen immer besser zu verstehen?“ Für die Treffen verfasste Frère Roger außerdem jedes Jahr den Brief aus Taizé. Der wurde in mehr als fünfzig Sprachen übersetzt und diente den jungen Menschen während des Jahres als Grundlage für Austausch und Meditation. Am Nachmittag des 16. Augustes rief Frère Roger einen Bruder zu sich und versuchte, ihm den Brief zum Mailänder Treffen zu diktieren: „In dem Maße, in dem unsere Gemeinschaft in der Menschheitsfamilie Möglichkeiten schafft, … auszuweiten…“ Weiter kam er nicht, er war im hohen Alter von 90 Jahren zu müde, den Satz zu beenden. Er wollte seine Botschaft nach dem Abendgebet zu Ende schreiben. Dazu kam es nicht mehr. (Foto: afp)

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