Trolle gegen Terror

Die, die uns sonst tagtäglich im Internet terrorisieren, sollen nun ihren Beitrag gegen den internationalen Terrorismus leisten.
kristina-machalke

Für viele sind sie die Plagegeister des Internets: gehässige, anonyme Störenfriede, die jegliche konstruktive Diskussion zunichte machen. Sie mobben, sie fälschen, sie provozieren und zelebrieren die Lust am Destruktiven. Für andere sind sie ein sinnvoller Bestandteil der Kommunikation im sozialen Netz, die Missstände anprangern und Diskussionen anheizen. "Trolle wollen Spielregeln brechen und Erwartungen unterwandern", sagt Stefan Krappitz, der Autor des Buches „Troll Culture". Deshalb könne man das Trollen durchaus als ein Mittel des künstlerischen Ausdrucks verstehen.



Das US-Außenministerium hat jetzt die guten Seiten der Trollkultur für sich entdeckt und will ihre Strategien sogar für die Bekämpfung des internationalen Terrorismus einsetzen. Shahed Amanullah, Berater für Technologien, hat gerade seine neuartige wie unkonventionelle Anti-Terrorismusstrategie erklärt. Sein Plan ist es, sich die Methoden des Trollens zunutze zu machen, um potentielle Attentäter auf einschlägigen Extremismus-Foren online zu entlarven und zu demotivieren. Im Magazin „Wired" erklärt er, mit dem „Viral-Peace-Project" will man den Extremisten mit Logik, Humor, Satire und religiösen Argumenten nicht nur entgegentreten, sondern vor allem ihren Mut und ihre Autorität untergraben.

Die Details der neuen US-Terrorstrategie verrät Amanullah nicht. Offiziell seien die Pläne noch nicht konkret, dagegen spricht, dass erste Anti-Terror-Trolle schon im Netz unterwegs seien. Momentan werden für das Projekt „gute Trolle" ausgebildet, netzerprobte Bürger von den Philippinen oder aus Pakistan, die Sprache und Gepflogenheiten des Landes kennen. Das Internet und Foren wie Shumukh sind zum virtuellen Marktplatz für die Rekrutierung des Terror-Nachwuchses geworden. Online-Extremisten haben „eine Energie, eine Vitalität die leicht zu beeindruckende Jugendliche anzieht", sagt Amanullah. Menschen, die unterdrückt werden, würden sich besonders von diesem betont männlichen Auftreten und dieser rebellischen Art angezogen fühlen. Dem soll das „Viral-Peace-Project" mit den Methoden der Trolle Paroli bieten.

Kaum vorstellbar wie die Methoden der Trolle bis hin zu Extremen wie Cyber-Mobbing bei der Terrorismusbekämpfung helfen sollen. Dass Hasskommentare oder Bin-Laden-Memes fundamentalistische Terrorgläubiger nicht unbedingt milde stimmen dürften, ist da schon eher vorstellbar. Sollten die Anti-Terror-Trolle erfolgreich sein, könnte die sonst so destruktive Trollkultur allerdings ihren Teil zum Weltfrieden beisteuern.

Text: kristina-machalke - Foto: dpa

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