Trommelwirbel für die Gerechtigkeit

Bild: Kinowelt Eigentlich arbeitete Henry Nxumalo als Sportreporter.
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Illustration: Julia Schubert

Bild: Kinowelt Eigentlich arbeitete Henry Nxumalo als Sportreporter. Doch die Konfrontation mit dem Arpartheidsystem in seiner Heimat Südafrika ließen Nxumalos zu einem viel beachteten politischen Journalisten werden. Der Film "Drum", benannt nach dem Magazin, für das er arbeitete, bringt nun das Leben von Henry Nxumalos in die deutschen Kinos. Nxumalos, „Mr. Drum“, wohnte in Sophiatown, einem der wenigen Vorort von Johannesburg, in dem Schwarze und Weiße auch Anfang der fünfziger Jahre noch zusammen lebten. Sophiatown war legendär für seine multikulturelle Kulturszene, die Stars wie Miriam Makeba und Hugh Masekela hervorbrachte. Hier trafen sich Politiker wie Nelson Mandela, Schriftsteller und Musiker, um zu feiern und zu arbeiten. Das Monatsmagazin Drum, das 1951 gegründet wurde, war das Sprachrohr dieser Szene. Mit der Zeit wurden die Inhalte immer politischer und die Auflage immer größer. Henry Nxumalos schrieb unter anderem weit beachtete Artikel über schwarze Südafrikaner in Gefängnissen und die schlechte Behandlung schwarzer Farmarbeiter auf den Farmen weißer Großgrundbesitzer. Durch die zunehmende Politisierung und die Verschärfung der Apartheidgesetze wuchsen auch die Konflikte mit der Regierung. Mitte der fünfziger Jahre begann die Umsiedlung der Bewohner von Sophiatown durch die Polizei und im Jahr 1963 wurde der Vorort völlig zerstört, was Henry Nxumalos aber selbst nicht mehr erlebte. Kurz darauf wurde Sophiatown als rein weißer Vorort mit dem Namen "Triompf" (Triumpf) wieder aufgebaut. Die Musik Miriam Makebas und anderer schwarzer Stars wurde verboten. Zwei Jahre später musste auch Drum eingestellt werden. Der Film „Drum“, eine amerikansich-südafrikanische Koproduktion, erzählt sowohl vom Apartheidsystem, der Unterdrückung und den politischen Verfolgungen als auch von der schillernden Kultur in Sophiatown. Obwohl das Magazin insgesamt nur 14 Jahre vertrieben wurde, spielt es für die Politik und Kultur des heutigen Südafrikas nach wie vor eine große Rolle, war es doch das letzte politische Magazin für ungefähr 30 Jahre. Fast zwei Generationen schwarzer Südafrikaner wuchsen ohne politische oder künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten auf. Wenn zeitgenössische südafrikanische Künstler nach Vorbildern suchen, entdecken sie deshalb schnell das Sophiatown der fünfziger Jahre, die Künstler dieser Zeit und das Drum-Magazin für sich. Das derzeit erfolgreichste südafrikanische Modelabel Stoned Cherry bedruckt zum Beispiel T-Shirts mit Titelseiten des Drum-Magazins und Mafikizolo, eine der bekanntesten südafrikanischen Bands, styled sich in der Mode dieser Zeit. So ist „Drum“ nicht nur ein Film über eine vergangene Epoche, sondern auch Ausdruck des Selbstverständnisses des heutigen Südafrikas. Hier kannst du die Filmkritik von Fritz Göttler über "Drum" in der Süddeutschen Zeitung lesen.

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