Tsunami, tsunami, came washing over me.

Foto: dpa Natürlich hatte ich in den Nachrichten von der Flutkatastrophe gehört.
christoph-koch
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Illustration: Julia Schubert

Foto: dpa Natürlich hatte ich in den Nachrichten von der Flutkatastrophe gehört. Aber wie so oft, wenn Tausende Menschen weit weg sterben, war alles seltsam abstrakt geblieben. Man weiß, dass es schlimm ist, man ahnt das Leid, aber hat in seinem Leben auch schon zu viele ähnliche Bilder gesehen, um noch wirklich ergriffen zu sein. Das änderte sich, als die Freundin, mit der ich mich an einem ruhigen Tresen der Stadt verabredet hatte, viertelstündlich ihr Handy herausholte. Wartend auf eine Nachricht ihrer besten Freundin, deren Eltern seit einer Weile in Thailand leben. Erst nach einigen Stunden kam eine SMS "Hatte einen Anruf in Abwesenheit mit einer Nummer aus Thailand. Es wird schon alles in Ordnung sein. Oder?" Die Getränke schmeckten mit einem Mal nicht mehr so gut. Ist es normal, dass man erst dann das Ausmaß einer Katastrophe begreift, wenn man selbst (zumindest indirekt) betroffen ist? Wenn man ein einziges Leben konkret vor Augen hat - statt einer anonymen Masse? Oder zeugt so was einfach nur von Egoismus und Gleichgültigkeit? Liegt es daran, dass bei Katastrophenmeldungen aus fernen Regionen sofort die Information nachgeliefert wird, wie viele Deutsche oder Europäer sich zur Zeit da und dort aufhalten? Muss man, wenn 20 000 Menschen sterben, doppelt so traurig sein wie bei 10 000? Oder ist es das Zynischste überhaupt, sich über "richtiges und falsches Trauern" Gedanken zu machen, wenn anderswo gerade komplette Ortschaften ausradiert werden?

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