Wir sehen: die Erdkugel, eine wüstenähnliche Umgebung und einen Fernsehbildschirm, auf dem ein Atze-Schröder-Verschnitt monologisiert. Wir hören: epische Musik wie aus "Gladiator". Und einen Sprecher aus dem Off: "In einer dunklen Comedy-Wüste gibt es einsame Seelen, die Comedy wieder lustig machen wollen."

Seit heute nachmittag ist die neue Serie des "Y-Titty"-Machers Philipp Laude, 22, online. Schon seit ein paar Tagen verweist eine YouTube-Seite auf sein neues Projekt "Ponk". Noch bevor es wirklich losging, hatte die Seite schon mehr als 37.000 Abonnenten und der zehn Sekunden lange, ziemlich kryptische Trailer mehr als 70.000 Klicks. In den YouTube-Kommentaren und auf Twitter war und ist die Aufregung groß: "Hätte heute Nachmittagsunterricht gehabt. Hab mich krank gemeldet. :D Alles für Ponk xD", schreibt User MrCPacks auf YouTube. Auf Twitter wurde unter dem Hashtag #ponk eine Art Countdown bis zum Start um 16 Uhr runtergezählt.

Jetzt ist sie da, die erste Folge von eine Szene in "300"). Die Protagonisten werden vorgestellt. Alle fünf sind sie YouTube-Promis: Andre Schiebler, Jan Christoph Meyer und Cengiz Dogrul vom YouTube-Kanal "ApeCrime", , Julez Weissbach aus der Street-Comedy-Show "FuNPeXeL" und die Schauspielerin Lucrezia Phantazia.

Und dann beginnt die eigentliche Handlung der Serie, die sich ja eigentlich um eine Wohngemeinschaft drehen soll. Die fünf sind inzwischen wieder normal gekleidet und auf der Suche nach einer WG und einem Comedy-Mentor. Sie klopfen an die Türen von Erik Range und Valentin Rahmel, die mit ihren Let's-Play-Videos bekannt geworden sind, und läuten bei einem Max-Giermann-Verschnitt. An der dritten Tür haben sie Glück, nämlich bei Philipp Laude, der die fünf in eine Art Comedy-Ausbildungslager aufnimmt.

Philipp Laude, der die Serie produziert und auch selbst mitspielt, ist durch den YouTube-Kanal "Y-Titty" bekannt geworden. Seit 2006 stellt er mit Matthias Roll und Oguz Yilmaz kurze Clips online. Mit Erfolg: "Y-Titty" gehört zu den meistabonnierten deutschsprachigen YouTube-Kanälen mit etwa 750.000 Abonnenten und mehr als 240 Millionen Aufrufen. Darum wurde er auch ausgewählt, einen der "Original Channels" von YouTube und den ersten eigenen deutschen Themenkanal zu produzieren. Insgesamt plant YouTube circa 60 eigene Spartenkanäle zu Themen wie Musik, Sport und Gesundheit. In Deutschland soll es zunächst zwölf Spartenkanäle geben.

 

Die Macher von "Ponk" haben sich "Fernseh-Niveau" vorgenommen. Wenn man bedenkt, dass dazu immer öfter schlecht gemachte Reality Soaps zählen, könnten sie das sogar übertreffen. Doch: Wer sich darunter eine klassische Serie mit Episoden von etwa 20 Minuten Länge vorgestellt hat, wird enttäuscht. "Ponk" ist ein interaktiver Kanal mit verschiedenen Formaten, deren Rahmen die Wohngemeinschaft der Protagonisten bildet – in der sie angeblich auch im echten Leben wohnen.

 

Vier Tage die Woche wollen die Macher auf Sendung gehen: montags mit einem kurzen Sketch ("Bigponk"), dienstags mit Szenen hinter der Kamera ("RealPonk"), donnerstags mit Straßen-Befragungen ("StreetPonk"); samstags will sich Philipp mit Kommentaren auf YouTube, Facebook und Twitter auseinandersetzen, um die Community einzubinden ("YouPonk"). Der Mittwoch ist noch frei. "Haste ne Idee? Schreib uns!", steht auf der YouTube- und Facebok-Seite. Philipp hätte schon eine: "Wir wollen auch noch eine Sitcom machen, aber das soll die Community entscheiden", sagt er. Nach den ersten Episoden sollen die Zuschauer auch abstimmen können, wie die Handlung weiter geht.

 

Man fragt sich, wie auch einer der WG-Bewohner im Laufe der knapp drei Minuten der ersten Folge: Das wars schon? "Das war erst der Anfang", entgegnet Philipp, "wir haben ein gemeinsames Ziel. Wir wollen die Welt ein Stück besser machen. Wir wollen Comedy revolutionieren. Wir wollen verdammt noch mal lustig sein!" Bisher ist das noch nicht so ganz gelungen. Da hilft auch kein Roberto Blanco, der in der ersten Folge immer wieder hereinplatzt.  Immerhin wird gelüftet, für was "Ponk" steht: "perfekt orientierte neue Comedians". Naja. Mal sehen.