Verzicht für alle: Das bayerische Rauchverbot wird exportiert

Womöglich wird das strengste Rauchverbot der Republik bald auf das ganze Land ausgedehnt. Und was passiert dann? Zehn Dinge, auf die du dich jetzt schon vorbereiten kannst.
jetzt-redaktion

Eine parteiübergreifende Initiative will das strengste Nichtraucherschutz-Gesetz der Republik - das bayrische - nun bundesweit durchsetzen. Dafür treffen sich seit vergangenem Sommer führende Gesundheitspolitiker im Bundestag. Wie sich das Leben durch so ein strenges Rauchverbot verändert, kann man schon jetzt in Bayern beobachten. Die gute Nachricht: Elles ist halb so wild. Die schlechte: Es ändert sich einiges. Eine Liste der Dinge, die in Zukunft auf alle ausgehfreudigen Hamburger, Leipziger, Berliner und Schweriner zukommt.



1. Es riecht auf einmal irgendwie überall. Leider nicht gut, sondern (je nach Klasse des Etablissements) nach: Urinstein, Reinigungsmittel am frühen Abend, Bierpfützen am späten Abend, Männerschweiß, Frauenschweiß, Essen, Kohlsuppenverdauung, Axe-Bodyspray, Jil Sander SUN, Make Up.   

2.  Wer in einer gemischten Gruppe ausgeht, wird im Laufe des Abends immer wieder auseinander gerissen: Die Raucher gehen mal eben vor die Tür und quatschen sich fest, während die Nichtraucher sich am Tisch plötzlich neue Gesprächsthemen aus der Nase ziehen müssen. Kaum hat man sich ein bisschen warm geredet, stürmt die Rauchergruppe auf Nagelschuhen herbei und zerfetzt jegliche Gesprächsatmosphäre. Andererseits: Hätte man sonst an einem Abend so viele verschiedene Themen in so kurzer Zeit angerissen?  

3.  Der Kater am nächsten Morgen ist kaum mehr der Rede wert! Der Unterschied zwischen einem Nichtraucherkneipen-Kater und einem Raucherkneipen-Kater ist tatsächlich so groß, dass man die Welt auf einmal mit ganz anderen Augen ansieht: War der Kater bisher tatsächlich nur eine Folge des Rauchens? Und verträgt man jetzt in Zukunft doppelt so oft doppelt so viel? Fragen über Fragen, die sogleich in einem Ausgeh-Marathon evaluiert werden müssen.  

4. In jeder Stadt gibt es einige Kneipen, in denen zwar immer Menschen sitzen, die man aber wegen Sichtschutz und Dauerseßhaftigkeit nie zu sehen bekommt. Wer schon immer mal wissen wollte, wie die Besucher der Pilsklause Jennerwein, des Vereinsheims der Armenischen Landsmannschaft und der Wuidn Sau so aussehen, der kann nun seine Neugier befriedigen. Dank des unerbittlichen Rauchverbots sind nun auch die hartnäckigsten Kneipenhocker gezwungen, immer wieder mal vor die Tür zu gehen und sich von Passanten anglotzen zu lassen.   

 5. Auch in den autoritätsgläubigsten Ecken der Republik gibt es sie tatsächlich: renitente Kneipenbesitzer, die es trotz der Ankündigung drakonischer Geldstrafen und engmaschiger Verfolgung wagen, in ihrem Lokal weiterhin Aschenbecher auf den Tisch zu stellen. Die Tatsache, dass mit dem neuen Nichtraucherschutz-Gesetz sämtliche Gesetzeslücken geschlossen wurden, hindert sie nicht daran, weiterhin den Zettel mit „geschlossene Gesellschaft“ an ihre Türe zu pappen und zu hoffen, dass das Kreisverwaltungsreferat sie noch eine Weile in Ruhe lässt. Diese Oasen der Raucherlunge findet man irgendwie toll, aber leider strömen sie meist eine so feindseliger Atmosphäre aus, dass man sich dort nicht reinzugehen traut.  

6. Der Winter verliert für Raucher innerhalb kürzester Zeit seinen Reiz.  

7. Es gibt für kurze Zeit eine wunderbare Renaissance der Privatpartys. Auf einmal wird man zu Namenstags-Feiern, Wochenend-Besäufnissen, Dachterassen-Partys und anderen Events geladen und träumt kurze Zeit davon, dass man seine Abendgestaltung in Zukunft ohne die Hilfe von schmierigen Gastronomen hinkriegt. Aufgrund einer Mischung aus Nostalgie und Übermut rauchen selbst eingefleischte Nichtraucher auf diesen Partys und alle betrinken sich heillos mit warmen Bier minderer Qualität. Leider ist die Anzahl der Menschen, die bereit sind, ihre Wohnung einem solchen Gelage auszusetzen, endlich, und so auch die Zeit der Privatpartys.   

 8. Menschen, von denen man es nie gedacht hätte, hören auf einmal auf zu rauchen. Und gehen ihrer Umwelt dabei erst mit ihrer schlechten Laune auf die Nerven und dann mit dem unverhältnismäßigen Stolz auf ihre „Leistung“.  

9. Die Hoffnungen, so eine Art Revival der Prohibitions-Ära mitzuerleben, werden sich leider nicht erfüllen.  

10.  Ganz Deutschland lernt Sebastian Frankenberger kennen.  



Text: jetzt-redaktion - Bild: soulstormer / photocase.com

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