Vom Bordstein bis zur Hotline

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Eigentlich hätte es ein toller Tag werden sollen für Bushido. Welcher deutsche Rapper sonst hätte es schon fertigbringen können, allein mit der Zugkraft seines Namens einen eigenen Laden in bester Berliner Vekaufslage nahe dem Alexa aus dem Boden zu stampfen. In dem er nicht nur seine exklusive Premium-Textil-Marke „Ferchichi“ (vgl. Bushidos bürgerlichem Namen: Anis Mohamed Youssef Ferchichi) einführt, sondern einmal mehr auch sein markantes Künstler-Logo in das Stadtbild Berlins tätowiert?

Aber wie es sich für einen Rüpel-, Skandal- und Gangsta-Rapper seines Schlages gehört, ist er bei der Eröffnung schlecht gelaunt. Das ist aber in Anbetracht der vielen Preise und Auszeichnungen irgendwie unverständlich, die Bushido bereits abgeräumt hat, und die im vorderen der beiden Verkaufsräume für jedermann zu bestaunen sind. Klamotten? Ja gut, die gibt es auch. Genauso wie Schrift-, Bild- und Tonträger des Shop-Inhabers, der die 350 qm durchaus schick und ansehnlich zu gestalten wusste. So befindet sich direkt neben dem Eingang eine schnieke weiße Bar, eine kurze Treppe führt zu einer Empore mit Lounge-Bereich, über allem thront ein mannsgroßes Bushido-Logo. Im zweiten Raum befinden sich sämtliche "Ferchichi"-Kleidungsstücke. Das Interesse der Reporter aber scheint sich weniger auf den Zwirn der Hemden, Hosen, Shorts und Socken zu richten. Denn was ist schon ein anständiges Polo-Shirt mit sauberem Kragen gegen einen unanständigen Prolo-Rapper mit dreckigem Image? Bushidos Handy klingelt, er geht ran. Er ist sichtlich aufgebracht. Er hebt seine Stimme. Das Wort „Hurensöhne“ fällt. Die anwesende Journaille hält kurz den Atem an, es ist mucksmäuschenstill im Inneren der mit Blattgold verzierten Verkaufsfläche. Mit wem hat Bushido denn bloß jetzt schon wieder Beef? Ist er etwa gerade gedisst worden? Sido, Fler, Bass Sultan Hengzt, Dieter Bohlen – sie alle sind nicht sonderlich gut auf Bushido zu sprechen. Die Kollegen suchen aufgeregt in ihren Taschen nach Zettel und Stift, einer verschluckt sich sogar fast am Sushi, das für die anwesenden Medienvertreter extra aufgetischt wurde. Selbst die sonst so souverän wirkende Frau von der PR-Agentur verschüttet vor Schreck ein volles Glas Sekt über ein nigelnagelneues "Ferchichi"-T-Shirt. So ein exquisites Rapper-Oberteil kostet immerhin 59 Euro. Das hat Bushido zum Glück nicht gesehen, stattdessen schimpft der in sein schwarzes Mobiltelefon: „Penner!“ Bushido legt auf, guckt grimmig in die Runde und gibt sich alle erdenkliche Mühe, seinem Bad-Boy-Image vom missmutigen Deutsch-Tunesier gerecht zu werden. Dann schüttelt er ungläubig den Kopf und erklärt: „Seit vier Tagen habe ich zu Hause kein Telefon, kein Fernsehen und kein Internet. Diese scheiß Telekom. Es lag wohl an der Steckkarte bei denen. Ich habe da heute schon den ganzen Tag vom Handy aus angerufen, auf kostenpflichtiger Hotline natürlich. Aber sobald du da nur ein bisschen unfreundlich wirst, schmeißen die dich sofort aus der Leitung. Ein Saftladen.“ Aber der Schaden ist endlich behoben, die Leute atmen auf. Da sage noch mal einer, er könne die aggressive Stimmung auf Bushidos Platten nicht verstehen.

Text: daniel-schieferdecker - Foto: dpa

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