Von A bis Z: Oma und Opa

Sie haben uns miterzogen, mit Süßigkeiten verhätschelt und sie machen den besten Kartoffelsalat. Und jetzt besuchen wir sie viel zu selten. Dafür widmen wir ihnen jetzt ein A bis Z
maria-freilich

Barack Obama ist bei seiner Großmutter aufgewachsen. Als er am 22. Oktober davon erfährt, dass sie sich die Hüfte gebrochen hat, unterbricht er seinen Wahlkampf und fliegt zu ihr nach Hawaii. Die meisten von uns besuchen ihre Großeltern viel zu selten - und das obwohl sie ziemlich viel vom Leben wissen und obendrein den besten Kartoffelsalat machen. Deswegen widment jetzt.de ihnen heute ein A bis Z.

A wie Ausreden: Ich habe voll den Stress in der Uni. Am Freitag? Da bin ich schon verabredet. Sonntagmittag würde ich echt gerne mal ausschlafen. Ausreden, warum wir Oma und Opa gerade nicht besuchen können, gibt es tausende. Nur sind es eben alles Ausreden und keine Gründe. Eine – sehr subjektive – Faustregel besagt: Mindestens zweimal im halben Jahr einen Besuch abstatten. B wie Bussi: Ein riesengroßes Gesicht, das sich, ohne Widerspruch zu dulden, dem unseren nähert. Ein Mund, der sich wie eine Rauhfasertapete anfühlt, und sich auf unsere weiche Kinderbacke presst. Frühkindliche Erinnerung, die sich für immer in das Gehirn einbrennt. C wie Costa-Blanca-Rentner: Privilegierte Gruppe der 20 Millionen deutschen Rentner, die sich in die Bettenburgen an der spanischen Mittelmeerküste abgesetzt hat und sich dort unter der gleißenden Sonne eine verschrumpelte, lederartige Reptilienhaut wachsen lässt. D wie Danke: 60 Prozent aller Großeltern in Deutschland helfen bei Kindererziehung mit. Sie sind bei weitem nicht so streng wie unsere Eltern, weshalb 85 Prozent der Deutschen ein sehr positives Bild von ihren Großeltern haben. E wie Eierlikör: Beliebtes Omagesöff aus Eigelb, Zucker oder Honig und Alkohol. Verdeutlicht gut, wie wandelbar die Geschmäcker über die Zeit doch sind. F wie Franzbranntwein: Alkoholhaltiges Massagemittel, das nach Kräutern (siehe L wie Lavendel) duftet und die Durchblutung anregen soll. Da es aber die Haut austrocknet, ist Franzbranntwein in der professionellen Altenpflege verpönt.

G wie Geschichten vom Krieg: Sollte man sich anhören, außer es ist immer wieder dieselbe.


H wie Hasenzucht: Opa züchtete jahrzehntelang im Hintergarten Kaninchen. Er schlachtete selbst und gab das Fleisch dann Oma, die es in Weißwein kochte. Als Opa in Rente ging, konnte er die Tiere nicht mehr schlachten. Sie fingen an, ihm leid zu tun. I wie Internet: Es soll Omas und Opas geben, die mit dem Internet umgehen können. Die Versuche, es ihnen beizubringen, erfordern allerdings ein extrem hohes Maß an Geduld. Vielleicht doch besser Postkarten anstatt Emails schreiben. J wie Jugend war bei unseren Großeltern viel kürzer. Erst kam der Krieg, dann die Flucht und dann fünf Kinder. K wie Kartoffelsalat: Schmeckt bei Oma am besten. L wie Lavendel Beliebtes Duftmittel auf großelterlichen Toiletten. Der eigentlich wohlriechende, provenzalische Duft entwickelt auf den Aborts eine penetrante Note. M wie Mütze Auf dem Spülkasten auf der Toilette meiner Oma liegt immer eine Rolle Klopapier, über die eine Strickmütze aus bunter, grobmaschiger Wolle gestülpt worden ist. N wie wie Neni und Nani Schweizerdeutsch für Oma und Opa, stammt vom deutschen Wort „Ahne“ ab, das von Oma und Opa verdrängt wurde. O wie Obamas Oma brach sich am 22. Oktober die Hüfte. Obama sagte daraufhin alle Wahlkampfauftritte ab und flog zu Madelyn Payne Dunham nach Hawaii. P wie Parfum: 4711. Igitt.


Q wie Quelle-Katalog: Omas dürften wohl die letzten Kunden sein, die noch im Quelle-, Otto- oder Neckermann bestellen. R wie Rezepte, eigenartige: Quarkwickerl gegen Erkältungen, Wirsingblätter bei Meniskusriss und Pferdesalbe gegen Krampfadern – Oma-Rezepte sind manchmal skurril, helfen aber trotzdem. Manchmal. S wie STS: „Großvater, kannst du net owakommen auf an schnell'n Kaffee / Großvater, i möcht dir so viel sag'n, was i erst jetzt versteh'“ Die österreichische Gruppe landete mit dem Song „Großvater“ 1986 einen Hit. 20 Jahre später treibt das Lied noch immer emotional veranlagten Menschen die Tränen in die Augen. Sch wie Scheine: „Du kannst es bestimmt gebrauchen.“ „Danke, Oma, aber das ist doch nicht nötig.“ „Doch, doch!“ „Ok. Cool. Danke.“ T wie Tod: 2007 starben in Deutschland über 827000 Personen. Banale Weisheit: Der Tod kommt meistens schneller, als man denkt – weswegen man die Zeit nutzen sollte. U wie Unterhemd: Trägt Opa immer unter allem.

Vergesslichkeit: Im Fachjargon „Demenz“. Nimmt im Alter rapide zu: Leiden unter 65- bis 69-Jährigen nur 1, 2 Prozent daran, sind es in der Gruppe der Über-90-Jährigen bereits 35 Prozent. W wie Wolke 9: Der Film von Andreas Nesen thematisiert Liebe und Sex im Alter. Nur weil man sich Oma und Opa beim Sex nicht vorstellen möchte, heißt das noch lange nicht, dass sie keinen mehr haben. Face it!

Z wie Zähne, die dritten: Entwürdigende Situation: „Haft du meine Fähne gefehen?“

Text: maria-freilich - Illustrationen: christian-fuchsberger

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