Von Airportschläfern und Biertouristen: Wie du mit dem Web durch die Welt reist

Die besten Reisetipps gibt es nicht mehr im Reisebüro, die besten Reisetipps gibt es im Internet. jetzt.de hat sich mit der Macherin von sleepinginairports.com über das Phänomen "Flughafenschlaf" und über ihre Webseite unterhalten, die es schon länger als zehn Jahre gibt. Außerdem tischen wir dir für deine künftigen Planungen noch mehr Reiseseiten auf, die das Rumsandeln in der Welt leichter machen. Oder unterhaltsamer. Oder gar unnötig. P.S. Auch eine gute Seite: Der jetzt.de-Postkartenreiseführer
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Man sagt: Wer reist, braucht Geduld, Mut und guten Humor. Dass man aber auch Geld oder zumindest eine ungewöhnliche Idee braucht, erkannte Donna McSherry, als sie vor 13 Jahren mit dem Rucksack und kleinem Budget in Irland unterwegs war. Die heute 34-jährige Kanadierin entdeckte damals, dass manche Leute auf Flughäfen übernachten, um Geld zu sparen. “Ich dachte, ich würde alle Tricks für preisgünstiges Reisen kennen – bevor ich das sah”, sagt Donna. Zurück in Kanada startete sie die Website Sleepinginairports.com , die Erfahrungsberichte von Leuten sammelt, die auf Flughäfen schlafen. 1996 setzte Donna McSherry damit diesen Tipp auf die Karte der Low-Budget-Reiseführer. Heute ist Donna McSherry Managerin eines Reisebüros in Toronto und betreibt immer noch die Seite Sleepinginairports.com, der sie gerade ein neues Gesicht gegeben hat.

Donna McSherry, die Gründerin von sleepinginairports.com “Ich hatte damals auf dem Dubliner Flughafen gute Erfahrungen gemacht, die ich einfach teilen wollte”, sagt Donna. Mitte der Neunziger brachte sie sich deshalb selbst genug HTML bei, um die Seite zu bauen und schrieb die ersten drei Erfahrungsberichte. “Anfangs, das Internet war ja noch relativ jung, musste ich Leute bitten, die Seite zu besuchen”, sagt sie. “Heute habe ich mehr als 700000 Leser pro Jahr.” Ein wichtiger Schritt war, als Yahoo Sleepinginairports.com 1998 zur “Site of the Week” erklärte. “Plötzlich besuchten doppelt so viele Leute meine Seite”, sagt Donna. An dem Konzept hat sich aber bis heute nichts verändert: Die Website funktioniert nach dem traditionellen Prinzip des Informationsaustauschs, welches das Internet groß gemacht hat: Reisende, die auf Flughäfen übernachtet haben, schreiben Berichte, die jeder einsehen kann, und geben Tipps, wo man die Nacht am besten überstehen kann. Donnas schlimmste persönliche Erfahrung auf einem Flughafen, war eine Nacht in Lima vor zwei Jahren. “Und es lag daran, dass ich meine eigene Seite nicht gelesen hatte”, sagt sie. “Ich habe einfach keinen ruhigen und sicheren Platz und deshalb auch keinen Schlaf gefunden.” Erst nach Stunden fand sie den einzigen beschlafbaren Ort des Terminals: den Food Court. Genau dieser wird auf Sleepinginairports.com als bester Platz gehandelt, um auf diesem Flughafen zu übernachten.

Donna glaubt aber, dass jeder, der mit der richtigen Einstellung auf einem Flughafen übernachtet, eine angenehme oder zumindest interessante Nacht verbringen kann. Ihr Lieblingsbericht über die Erfahrungen eines 73-Jährigen im Flughafen von San Francisco zeigt das: Er erzählt davon, wie er – ohne es seiner Ehefrau zu sagen – die Nacht auf der Couch eines Wartesaals verbrachte, seine Koffer organisierte, sich morgens in der Wartehalle rasierte und wie verwundert seine Frau war, als er berichtete, was er getan hat. “Man sieht: Jeder – ob jung oder alt – kann eine Nacht auf einem Flughafen überleben und Spaß haben, wenn er die richtige Einstellung dazu hat”, sagt Donna McSherry. Daran kann man zweifeln, wenn man die Geschichten über eine versuchte Vergewaltigung am Flughafen von Tegucigalpa, eine Schießerei im Terminal von Port Morseby, der Hauptstadt von Papua-Neuguinea oder die Berichte über den Flughafen von Moskau-Scheremetjewo ließt. “Das sind extreme Beispiele, aber es gibt tatsächlich große Unterschiede zwischen den Flughäfen”, sagt Donna, die jährlich den besten Flughafen mit dem “Goldenen Kissen” auszeichnet und den schlechtesten als “beschissensten Flughafen der Welt” etikettiert. “Die asiatischen Flughäfen, das mag vielleicht überraschen, schneiden sehr gut ab”, erklärt sie. “Und die nordamerikanischen und europäischen sind in der Regel unterdurchschnittlich.” Sie glaubt, dass man an Flughäfen wie Singapur, dem letztjährigen Gewinner des “Goldenen Kissens”, sich einfach keine Sorgen um die Reisenden machen möchte. “Man hält dort Massagesessel, kostenloses Internet und Kino, Duschen und 24-Stunden-Restaurants für die Reisenden bereit, die übernachten müssen oder wollen”, sagt die Kanadierin. Dagegen seien es Flughäfen wie Moskau – dem “beschissensten Flughafen 2006” –, Paris und Quebéc, über die nicht nur schlecht geschrieben würde, sondern von wo auch das Flughafenpersonal die meisten Probleme meldet. “Ich selbst habe bisher auf keinem hervorragenden Flughafen geschlafen”, sagt Donna, deren Favorit nach wie vor Dublin ist, der erste Flughafen, auf dem sie je übernachtet hat. “Aber ich habe immer eine gute Geschichte mit nach Hause gebracht”, sagt sie. “Und Geld gespart.” Auf den nächsten Seiten: Die besten Seiten zur Reisevor- und nachbereitung.


Name: bringsome.com Screenshot:

Der Clou: Kein Nutella in Nigeria, kein Augustiner-Bier in Australien – was tun? Bringsome.com bietet die Lösung: Im Internet jemand finden, der sich gerade am Ort des begehrten Objekts aufhält, aber bald in die richtige Richtung reist – und mitbringt, nach was man verlangt. Erinnert von der Optik her an: Erstsemester-Webdesign. Hilfreichheitspunkte auf einer Skala von 1 bis 10: 7. Könnte auch eine 10 bekommen – aber dafür ist noch zu wenig erwiesen, wie gut die Idee funktioniert. Tollstes Bild:

Das Zitat: “A cordial hello from Germany. They miss the good old German Wurstware? Or see themselves times again after a good German beer?” Nach dem Durchstöbern gewähltes Reiseziel: Changpool, Indien – Heimat des weltschärfsten Chilis.


Name: Panoramio Screenshot:

Der Clou: Panoramio bringt zwei tolle Ideen aus dem Netz zusammen: Fotocommunities wie flickr und interaktive Karten wie Google Earth – heraus kommen Touren der schönsten Sehenswürdigkeiten der Welt. Erinnert von der Optik her an: Google Earth. Hilfreichheitspunkte auf einer Skala von 1 bis 10: 7. Weil es so ein gutes Fernwehinstrument ist. Tollstes Bild:

Mondaufgang am Everest Das Zitat: „berlin parlementosu muhteşem bir yer“ – Kommentar unter einem Bild aus dem Reichstag in Berlin Nach dem Durchstöbern gewähltes Reiseziel: Salar de Uyuni in Bolivien. Weil: Der beste Sonnenaufgang der Welt.


Name: Feiertage weltweit Screenshot:

Der Clou: Sapperlott, wann nochmal ist der Feiertag des königlichen Pflügens in Thailand? „Feiertage weltweit“ weiß es (am 11. Mai) – und auch das Datum der meisten anderen Feiertage weltweit. Erinnert von der Optik her an: Ein altes PC-DOS-Computerspiel. Hilfreichheitspunkte auf einer Skala von 1 bis 10: 6. Brückentage weltweit planen – super. Das Zitat: „Ein blinkendes Symbol zeigt an, dass heute in dieser Region ein Feiertag ist!“ Nach dem Durchstöbern gewähltes Reiseziel: Zambia. Am 24. Oktober, wenn da die Unabhängigkeit gefeiert wird.


Name: Airlinemeals.net Screenshot:

Der Clou: Pasta oder Chicken? Wen bei dieser Frage allein schon der Brechreiz befällt, kann auf airlinemeals.net gucken, welche leckeren Speisen in Flugzeugen auch serviert werden – oder Bilder von Flug-Mahlzeiten ansehen, bei denen es einem wirklich übel wird. Erinnert von der Optik her an: Eine Zeige-Speisekarte in einer überlaufenen Touristenmetropole Hilfreichheitspunkte auf einer Skala von 1 bis 10: 4. Anschauen ist ja nett – aber irgendwann will man auch essen. Tollstes Bild:

Das Zitat: „Lunch?“ (Anmerkung eines Nutzers über ein mit undefinierbaren Dingen gefülltes Flugtablett von Vladivostok Air) Nach dem Durchstöbern gewähltes Reiseziel: Asien. Die Fluglinien dieser Gegend haben prima Flugessen.


Name: Wikitravel Der Clou: Reiseführer kaufen entfällt fast komplett. Bisweilen stehen auf der Seite komplette Reiserouten und manche Stadt wird mit jedem einzelnen Distrikt vorgestellt. Screenshot:

Erinnert von der Optik her an: Diese eine Lexikonseite. Wie hieß die nochmal ... Hilfreichheitspunkte auf einer Skala von 1 bis 10: 8. Einmal für ein Ziel entschieden, ist das wikitravel ein prima Einstieg in die Reiseplanung. Abstriche gibt es freilich in Sachen Komplettheit zu konstatieren: Die Salomonen etwa sind bisher nur mit den Kurzdaten vertreten (die Hauptstadt heisst Honiara und die Währung ist der Salomonendollar). Für die Lektüre der Paris-Seite hingegen sollte man sich einen freien Tag einräumen, weiß danach aber immerhin, dass die Kloschüssel in den letzten 20 Jahren auch in der französischen Hauptstadt Einzug gehalten hat. Das Zitat: Aus dem Eintrag zu Berlin: „Die Uhrzeiten im Viertelstundentakt werden mitunter wie folgt angegeben, z.B.: * viertelvier = 15:15 Uhr * halbvier = 15:30 Uhr * dreiviertelvier = 15:45 Uhr * vier = 16:00 Uhr“ Nach dem Durchstöbern gewähltes Reiseziel: Mazedonien. Angeblich das erste Land weltweit, das flächendeckend WiFi anbietet.


Name: airsicknessbags.com Screenshot:

Der Clou: Kotztüten von Airlines haben begeisterte Flieger früher gesammelt. Ist jetzt hinfällig: Die Galerie der Kotztüten aus aller Welt sieht sehr vollständig aus und beschränkt sich keineswegs auf Flieger. Auch in Bussen und im Weltraum wird schließlich bisweilen erbrochen. Erinnert von der Optik her an: Volkshochschule Mindelheim: „So komme ich ins Internet. Eine Webseitenbastelstunde für Anfänger. Montags von 18 bis 19 Uhr.“ Hilfreichheitspunkte auf einer Skala von 1 bis 10: 1. Dass einen `ne Tüte zum Schmunzeln bringt, heisst nicht, dass man auch mit den Urhebern reisen möchte. Tollstes Bild:

Das Zitat: “Some barf bags are no more than a baggie with a twist tie, while other sickbags could win international design competitions.” Nach dem Durchstöbern gewähltes Reiseziel: Entfällt.


Name: World Beer Index Screenshot:

Der Clou: Diese Unterseite von thebackpacker.net ist eine Schatzgrube für Liebhaber seltsamer Biere – und vor allem derer Namen. Hier sind Biere aus so ziemlich allen Ländern der Welt gelistet, mit Bewertung und Preis, aber leider ohne Bilder. Erinnert von der Optik her an: Die Unterforumsseite einer Suizid-Community. Aber viel lustiger. Hilfreichheitspunkte auf einer Skala von 1 bis 10: 10. Prost! Das Zitat: „Best Beer in Mongolia!“ (In der Bewertung des Biers „Borgio“ aus der Mongolei. Bekam 10 von 10 möglichen Punkten). Nach dem Durchstöbern gewähltes Reiseziel: Tibet. Lasa Bier sollte man probiert haben.

Text: hannes-kerber - und durs-wacker

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