Was blöde Leute gut finden: Deine Mudder im Internet

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Was ist das denn? Ein Internet-Mob, der deine Mama disst:

Nicht sehr nett, finden wir. Urlustig, finden viele andere. Mit deiner Mudder passiert seit geraumer Zeit das, was auch mit Chuck Norris-Fakten und Emo-Witzen passiert ist: Junge Leute (vermutlich ausnahmslos Jungs) finden etwas zum Schreien. In diesem Fall zum Beispiel: „Deine Mudder ist so häßlich - wenn sie am Strand liegt, versuchen Katzen sie zu begraben." Solche Funsprüche skypen sie sich zu, mit doppeltem *schenkelklopf*. Aus ein paar Schenkelklopfern wird schnell ein Lauffeuer wird ein Flächenbrand. Am Ende battlen sich diese Scherzkekse auf unzähligen Computerspieleforen oder „Partyhumor“-Webseiten darin, „wer den geilsten Deine Mudder-Spruch hat.“ Worum geht`s? Um die universelle Antwort auf alle Fragen. „Kann ich mal einen Schluck von deiner Cola haben?“ „Deine Mudder kann mal was von meiner Cola haben!“ Achso. Die genaue Herkunft von Mutter-Schimpfphrasen ist etymologisch nicht ganz geklärt. Fest steht auf jeden Fall, dass es schon 1607 bei Shakespeare im ersten Akt von „Timon von Athen“ solche Beleidigungen gab: Maler: Ihr seid ein Hund. Apemanthus: Deine Mutter ist von meinem Stamme. Was war sie, wenn ich ein Hund bin? Fest steht auch, dass deine Mudder seit langem in der Hamburger Mundart verankert ist (siehe zum Beispiel „Ja ja, deine Mudder“ von Fünf Sterne Deluxe, 1999), aber mit dem Internet-Mob in den tiefen Süden rüberschwappt. Oida Mo? Dei Mudda! In spanischsprachigen Kulturen ist das sowieso gang und gäbe. Dort sagt man in gefühlt jedem dritten Satz „Tu madre tiene un bigote“ (Deine Mutter hat einen Schnurrbart). Im amerikanischen MTV läuft seit zwei Jahren eine Show namens Yo Momma, in der Kandidaten sich reihum im Freestyle mit „Yo Momma“-Jokes K.O. schlagen. Und wer macht das jetzt so erfolgreich? Wie gesagt, Menschen mit zuviel Zeit und seltsamem Humor, die ihr Ventil im Posten von selbstgemachten Zoten suchen. Eigentlich handelt es sich dabei ja nur um ein Update eines seit Urzeiten gebräuchlichen Streitmusters: Nämlich den Feind da anzugreifen, wo er herkam. Also seine Mama fertigmachen. Aber muss man so etwas Abgedroschenes dann auch auf T-Shirts und Tassen drucken? "Deine Mutter ist so fett - sie macht Passfotos mit Google Earth." Vielleicht können nur echte Muttersöhnchen den sublimen Witz dahinter begreifen. Rofl.

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