Was blöde Leute gut finden: Den Beziehungsstatus in Netzwerken

Trends sind ja nicht immer nur cool. Meistens ist es sogar andersherum: blöde Leute finden etwas gut und plötzlich wird es überaus erfolgreich. Heute: Der Beziehungsstatus in Netzwerken.
christiane-lutz

Netzwerk Communities sind im Grunde nichts anderes als exorbitante Kuppelveranstaltungen, bei denen die Anwesenden den Status Quo ihres erotischen Lebens durch die Option der Nennung des Beziehungsstatus kategorisch sichtbar und sich dadurch oft lächerlich macht. Oder anders gesagt: Sich selbst brandmarkt mit dem Stempel des Blöden. Hier die wichtigsten Typen: [b]Die traurige Wahrheit: Single/ Solo[/b]

Diesen Status geben nur die Leute an, die verzweifelt auf der Suche nach einem Gefährten für dunkle Winterabende sind. Der Status „Solo“ ist der Hilferuf: „Hey! Schaut her! Ich bin noch zu haben! Obwohl ich so verdammt sexy bin“. Der „Single“ ist immer ein sich emsig Anpreisender. Er sieht sich selbst als das Markenprodukt unter Massenware. Ein Designer-Schnäppchen, sozusagen. Eigentlich bringt es Lokalisten in der Optionsliste mit einem Wort auf den Punkt: Beziehungsstatus: verzweifelt. Ersehnter Gästebucheintrag: „Was? So ein heißer Feger wie du ist Single? Das muss sich aber schnell ändern…“ [b]Das Mysterium: Offene Beziehung/ Open Relationship/ offen für alles[/b]

Ach egal, Hauptsache mal Bereitschaft signalisieren. Den Staus „Offen“ geben Singles an, die sich nicht gern als solche outen und sich wichtiger machen wollen, als sie eigentlich sind. Denn auch sie wissen: Was einer hat, wollen plötzlich alle haben. Der „Offen“ – Status verheißt Abenteuer mit einer sexuell durchaus aktiven Person, die ganz eindeutig von vielen Seiten begehrt ist und daher wiederum eigentlich auf überhaupt Niemanden angewiesen ist, sich aber doch über ein neckisches Kommentärchen auf ihrer Seite freut. Miesmacher: Neue Partner, die nicht einsehen, warum man trotz eindeutiger Beziehung immer noch „offen“ bleiben will. Ersehnter Gästebucheintrag: „Offen für alles…klingt ja spannend. Bist du an Gruppensex interessiert?“


[b]Die bodenständige Variante: vergeben[/b]

Vielleicht der sympathischste unter den Beziehungsstatus, weil er die Dinge beim Namen nennt. Wer „vergeben“ einstellt, ist auch vergeben. Allerdings stößt genau das auch Viele vor den Kopf. Vergeben? Heißt das jetzt, man darf die Seite nicht mehr besuchen oder sich durch die immer noch hübschen Fotos klicken? Zudem droht hier die Gefahr, dass Freunde bei unangekündigter Änderung des Status schon mal nachts um drei anrufen und sich besorgt erkundigen, ob man „denn nicht mehr zusammen sei“, oder „warum da jetzt plötzlich nix mehr steht“. Nichts tröstet bei Liebeskummer mehr, als sensible Freunde. Zusätzlicher Gruselfaktor: die spezielle Funktion bei Facebook, die Paare miteinander verlinkt und man „voll süß“ gleich den neuen Freund der Freundin begutachten kann. Gefürchteter Gästebucheintrag: „Och, cool, dass ihr endlich zusammen seid. Nach dem hin und her und den vielen Frauen, die Tom da in letzter Zeit hatte. Endlich was Solides.“ [b]Die letzte Instanz: verlobt/ verheiratet/ engaged/ married[/b]

Wer einen dieser Status wählt, katapultiert sich selbst aus dem Flirtpool in die ewige Abstinenz. Niemand findet Profile von Studenten interessant, die schon verheiratet sind, außer zum Lästern. Auch wenn es vielleicht nicht so ist: dieser Status maßt brav und langweilig an. Da geht nichts mehr. Denkt man sich. Schlimmer: da will Niemand mehr, dass noch was geschieht. Und alle Welt soll es lesen. Fiese Zusatzfunktion bei StudiVZ: die Geburtsnamenoption, die dann bei den glücklich verheirateten aufblinkt, direkt neben dem Hochzeitsfoto, versteht sich. Ersehnter Gästebucheintrag: „Eure Hochzeit war echt supi. Die Torte war viel leckerer als neulich bei Petra und Klaus.“ Jeder Beziehungsstatus stellt ein sehr privates Detail aus dem Liebesleben für alle Welt aus. Ein Detail, das eigentlich erst mal nur die Beteiligten etwas angeht und über die Person als solches herzlich wenig aussagt. Ganz zu schweigen von oben angedeuteter Verwirrung, die willkürliches Status-Hüpfen im Freundeskreis auslösen kann. Wer dennoch mit der Angabe in seinem Beziehungsstatus kokettiert, der will im Grunde nur Aufmerksamkeit darüber erregen. Er inszeniert sich selbst auf dem Kuppelmarkt oft unbewusst als Kopulationswilliger, treue Seele, biedere Ehefrau oder sexuell Ausgehungerter. Daher gilt der Königsweg: Beziehungsstatus elegant umgehen und einfach lächelnd schweigen. [i]Anmerkung: Plural von „der Status“ ist „die Status“ (gesprochen mit langem „u“, nachzulesen im Duden)[/i]

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