Was blöde Leute gut finden. Heute: Digitale Bilderrahmen

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In sicherer Erwartung des Weihnachtsgeschäfts haben die Elektrodiscounter dieses Jahr in ihren Eingangsbereichen vierzig Meter lange Tresen mit digitalen Bilderrahmen dekoriert. Diese Geräte sind schließlich ideale Geschenke für Menschen, die alles andere was einen USB-Anschluß hat, schon besitzen. Gar nicht günstig, verbinden sie das segensreiche Wirken des Gigabyte-Speichers mit gekonnt grässlichen Rahmendesign, bei dem die Komponenten Plexiglas, Aluminium und LCD-Plastik zwingend miteinander verschraubt sein müssen. Gerne ist auch noch Goldfarbe im Spiel. So ein digitaler Bilderrahmen ist nun nicht etwa dafür gedacht, gemeinsam mit einer digitalen Kamera herumgetragen zu werden, um das Geknipste vorzuzeigen. Nein, vielmehr soll er auf dem Steinway-Flügel, oder, naja, eher auf dem Sideboard von XXXL-Schmutz platziert werden und dort seine gespeicherten Ansichten abspielen, zum Zwecke der innerhäuslichen Erbauung. Hunderte von Fotos laufen da in Endlosschleife durch!

Dabei ist doch das Prinzip Endlosschleife kurz davor, in Genf auf die Liste der verbotenen Foltermethoden aufgenommen zu werden. Wer je längere Zeit im Baumarkt in der Nähe eines Werbefernsehers verbrachte, weiß auch warum. Haben die Käufer denn kein Vorstellungsvermögen, wie wohnlich es einen Raum macht, wenn sich in einer Ecke ständig das Bild wechselt? Wenn da am Tag hundert verschiedene LCD-Gesichter mit immer anderen Augen durchwandern, oder sich ständig Sonnaufgänge mit Wasserfällen abwechseln? Aber Wohnlichkeit führen diese Menschen vermutlich ohnehin nicht in der Liste der fünfzig Dinge, die in ihrem Leben wichtig sind. Und natürlich zeigt der digitale Bilderrahmen auf Wunsch auch nur ein einziges Bild, das sich sein Käufer nach aktueller Tageslaune aussuchen kann. Damit führt es die nicht uncharmante eigentliche Bedeutung von gerahmten Bildern auf Tischen oder Schränken ad absurdum. Der Aufwand, der bisher mit einem Foto getrieben wurde, damit es auf einem Schreibtisch oder an der Wand gut wirkte – schön entwickelt, auf dem richtigen Platz, mit passendem Rahmen versehen – verlieh ihm ja den großen, sentimentalen Wert. Man rahmte nicht jedes Foto, man rahmte das Schönste von seiner Liebsten. Ein gerahmtes Bild, das war ein Statement, es stand für Dauer und Unvergänglichkeit, der eingefangene Moment sollte uns durch die Zeit begleiten, immer. Oder zumindest, bis das Bild irgendwann nach Jahren abgehängt wird und dahinter an der Wand ein helles Quadrat davon zeugt, wie viel Zeit hinter dem zeitlosen Moment eigentlich vergangen ist. Das kann man sich mit digitalem Rahmen natürlich in die Haare schmieren. Er ist ein steriler Sklave des Datenspeichers, zeigt heute den Hund, morgen die Frau, übermorgen die 800 Bilder aus dem Kuba-Urlaub, die der Einfachheit halber unsortiert draufgeladen wurden, inklusive Unschärfen, verunglückten Selbstauslösern und Probefotos am Flughafen. Großartig. Romantik geht also jetzt so: „Schatz, heute stelle ich ein Bild von dir ein und lasse es den ganzen Tag durchlaufen. Freust du dich?“ „Das ist süß, dafür lade ich dich im Sausalitos auf einen Cocktail ein!“ Zwei Monate später ist Schluss, der Speicher des Bilderrahmens erfährt eine minimale Änderung und nimmt bald darauf die neue Flamme willig auf. Abends wird der Bilderrahmen dann routinemäßig ausgeknipst. „Hey, du hast mich ausgeknipst“. „Sorry Schnäggi, aber ich brauch die Steckdose, um den neuen BlueRay-Player anzuschließen“ „Wow, Blue Ray, das klingt ja total cool. Wie ein Cocktail!“ „Haha, du bist so crazy, Schatz“

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